Das große Entwicklungszentrum von Porsche (Archivbild) hat Weissach in den vergangenen Jahren reichlich Gewerbesteuereinnahmen beschert. Jetzt nicht mehr. Foto: Jürgen Bach

Mit einer Gewinnwarnung hat Porsche die Gewinnprognose massiv heruntergeschraubt. Für die Gemeinde Weissach bedeutet das einen drastischen Einschnitt bei der Gewerbesteuer.

Der Kämmerer Martin Oberstebrink hat stressige Tage hinter sich. Dabei gab es in seinem Job in der Gemeinde Weissach bisher eigentlich viel Freude: Dank des Autoherstellers Porsche, der am Rande des kleinen Ortes ein großes Entwicklungszentrum betreibt, flossen in der jüngsten Vergangenheit reichlich Gewerbesteuereinnahmen in die Gemeindekasse. Vor knapp zwei Wochen, an einem Freitagabend, trudelte im Rathaus dann aber eine folgenreiche Meldung ein. Viel zu Lachen gibt es seitdem nicht mehr.

Die Krise bei Porsche erreicht Weissach

Denn in jener Ad-hoc-Meldung aus dem Hause Porsche geht es um die Prognose für das Geschäftsjahr 2025. Die erwartete Umsatzrendite wurde enorm nach unten korrigiert, von bis zu 7 Prozent auf nun „leicht positiv“ bis 2 Prozent. Leicht positiv heiße, dass man nicht „Null“ sagen möchte, schätzt Martin Oberstebrink. „Dass es so drastisch ist, damit hätte ich auch nicht gerechnet.“ Der Name „Porsche“ fällt bei ihm nicht, des Steuergeheimnisses wegen. Um wen es geht, ist trotzdem klar. Die Krise im Hause Porsche hat jetzt auch die kleine Gemeinde Weissach erreicht.

Wegen der Porsche-Krise entfallen 62 Millionen Euro

Das hat dramatische Auswirkungen: Als der Haushaltsplan für 2025 im Mai verabschiedet wurde, rechnete die Kämmerei noch mit Gewerbesteuereinnahmen von insgesamt 65 Millionen Euro. Jetzt ist klar: Diese Zahl wird drastisch einbrechen.

Bei der Automesse in Shanghai im Juli warb Porsche mit mehr Individualität im Premiumsegment. Foto: Johannes Neudecker/dpa

„Wir werden 62 Millionen Euro runtergehen müssen“, sagt Oberstebrink. Die kommunale Finanzplanung wird rechnerisch um die vom größten Steuerzahler bedingten Steuereinnahmen bereinigt.

An sich ist diese Betrachtung der Finanzlage in Weissach nichts Neues. Schon in den vergangenen Jahren wurde immer ein fiktiver Haushalt aufgestellt, bei dem Porsche keine Rolle spielt. Ausgeglichen war dieser Haushaltsplan nie, einig war man sich in den Gemeinderatssitzungen aber immer, dass man eben das erreichen müsse – eben eine stabile Haushaltsplanung, ganz ohne den Automobilgiganten.

Haushalt von Weissach rutscht weit ins Minus

Dass das noch lange nicht geschafft ist, zeigt der überarbeitete Haushaltsplan, den Weissach am Montagabend angesichts der Gewinnwarnung von Porsche verabschiedet hat. Das ordentliche Ergebnis des Haushalts ist von rund 15,5 Millionen auf ein Minus von fünf Millionen Euro gerutscht. „Der Haushalt ist nicht ausgeglichen“, prangt auf der Präsentation, die Martin Oberstebrink mitgebracht hat, das „nicht“ ist dabei rot eingefärbt und unterstrichen.

Um den Einbruch bei der Gewerbesteuer aufzufangen, hat die Kommune kurzfristig einige für das Haushaltsjahr 2025 verbuchten Projekte auf das kommende Jahr terminiert. Den neuen Bauhof etwa, was zunächst 4,1 Millionen Euro einspart, oder die Strudelbachverdohlung, was den Plan für 2025 um 3,1 Millionen Euro entlastet.

Auch Mönsheim hat Porsche große Einnahmen zu verdanken

Der laufende Betrieb sei gesichert, verspricht Oberstebrink, dafür hat die Gemeinde Weissach auch genug Rücklagen. Diese lagen zuletzt bei 163 Millionen Euro. Klar ist aber auch: Das Sparschwein wird in den kommenden Jahren schrumpfen. Für 2028 prognostiziert Oberstebrink etwa nur noch 83 Millionen Euro an Rücklagen. Das Ziel sei es nun, zwar die Investitionen aus den Rücklagen zu finanzieren - aber nicht den täglichen Gemeindebetrieb.

Einig ist man sich im Gremium und in der Verwaltung nun vor allem in einem: Ab jetzt müsse Weissach vollends auf Sparkurs gehen. Für 2026 werde man sich sehr warm anziehen müssen, kommentiert der Bürgermeister Jens Millow. „Und dann werden wir jeden Taler doppelt umdrehen.“ Weissach wird derweil nicht die einzige betroffene Kommune bleiben: Auch die Gemeinde Mönsheim im Enzkreis verdiente an Porsche bisher gut.