Tatort Friedhof: 2023 wurde auf dem Friedhof in Altbach eine Granate auf eine Beerdigungsgesellschaft geworfen. Foto: dpa

Seit 2022 ermittelt die Polizei gegen Mitglieder von zwei gefährlichen Banden, die sich gegenseitig bekriegen. Auch abseits davon gibt es offenbar kriminelle Banden im Kreis Esslingen.

Seit Jahren wird in den Medien von schweren Straftaten durch Mitglieder krimineller Banden berichtet. Im Mittelpunkt stehen dabei meistens zwei rivalisierende Banden, die im Großraum Stuttgart, so auch im Kreis Esslingen, aktiv sind. Darüber hinaus gibt es fünf weitere Banden, wie aus einer Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Dennis Birnstock an das Innenministeriums des Landes Baden-Württemberg hervorgeht.

Das Landeskriminalamt (LKA) und das für den Landkreis Esslingen örtlich zuständige Polizeipräsidium Reutlingen ermittle derzeit gegen sechs Tätergruppierungen, bei welchen konkrete Bezüge in den Landkreis Esslingen festgestellt werden konnten, heißt es in der Antwort.

Das sind die kriminellen Banden in Esslingen

  • Gruppierung 1: drei männliche Personen, georgisch dominiert
  • Gruppierung 2: sieben, überwiegend männliche Personen, serbisch/deutsch dominiert
  • Gruppierung 3: sechs männliche Personen, deutsch dominiert
  • Gruppierung 4: fünf männliche Personen, deutsch dominiert
  • Gruppierung 5: drei männliche Personen, türkisch dominiert
  • Gruppierung 6: 200 männlichen Personen. Kennzeichnend für diese Gruppierung seien unter anderem „die heterogene multiethnische Zusammensetzung, langjährige persönliche Beziehungen sowie gemeinsame subkulturelle Normen und Werte“.

Die sechste Gruppierung aus dem Kreis Esslingen ist die wichtigste. Sie gehört in den „Gesamtkomplex der polizeilichen Maßnahmen und Strukturermittlungen“ gegen die zwei rivalisierenden kriminellen Gruppierungen im Großraum Stuttgart. Hier wurden bereits etliche Ermittlungen zu Ende gebracht, es gab auch mehrere gerichtliche Verfahren und Verurteilungen. Die überwiegend jungen Männer seien häufig mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten und wiesen eine hohe Gewaltbereitschaft auf.

„Erschreckend schwach“: Kritik an Innenministeriums-Antworten

Dennis Birnstock ist enttäuscht über die Antworten aus dem Innenministerium. Foto: Caroline Holowiecki

Ansonsten bleiben eine Reihe von Fragen des Landtagsabgeordneten Birnstock unbeantwortet. „Die Antworten des Innenministers sind erschreckend schwach“, sagte Birnstock. „Fragen, in welchen Branchen die Banden und ihre Mitglieder tätig sind oder wie viele Straftaten den Banden zugewiesen werden, wurden nicht richtig beantwortet.“

Seine Analyse: „Die verschiedenen Behörden, die sich mit dem Phänomen beschäftigen, sammeln zwar Daten, aber diese werden scheinbar nicht sinnvoll miteinander verbunden, sodass der Innenminister keine Ergebnisse mitteilen kann.“