In Ostfildern gab es ein reges Treiben auf den Fußgängerwegen. Foto:  

Frühling, schönes Wetter, ein Espresso im Café – die Verlockung ist groß in Corona-Zeiten – zu groß? Eindrücke eines Spaziergangs durch Esslingen und Ostfildern.

Kreis Esslingen - Ein herrlicher Morgen in der Esslinger Innenstadt. Sonnenstrahlen in den Gassen, die Blumen blühen in der Maille. Ja, der Frühling ist da und mit ihm wieder Leben in der Stadt. Geschäftiges Treiben auf dem Bahnhofplatz, ein Akkordeonspieler in der Pliensaustraße, fröhliches Gemurmel vor dem Rathaus. Menschen bleiben für ein Schwätzchen stehen oder trinken ihren Cappuccino lieber an der frischen Luft vor einem der zahlreichen Cafés. Und das alles wenige Stunden nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehen an die Vernunft der Deutschen appelliert hat: Haltet euch an die Regeln! Es hängen Leben davon ab.

Dass dieser Appell bei den Bürgern angekommen ist, davon war am Donnerstagmorgen nur wenig zu sehen. „Und dann wundern sich alle, wieso sich Corona so schnell weiterverbreitet“, schreibt eine Nutzerin in unserer Facebook-Gruppe „Corona-Zeiten Landkreis Esslingen“. Immerhin waren viele Läden in der Esslinger Innenstadt geschlossen.

Kollektives Einkaufen

Bars, Diskotheken und Kulturbetriebe mussten schließen, weil dort zu viele Menschen aufeinandertreffen, weil sich das Virus auf diesem Wege schneller verbreitet. Nun treffen sich die Menschen zum kollektiven Einkaufen, wie andere Facebook-Nutzer schildern. Oder zum gemeinsamen Spazierengehen. Sicher, einkaufen muss jeder, nur sollte man sich die Frage stellen: Muss das jeden Tag zweimal sein – aus Langeweile? Um raus zu kommen? „Draußen sieht es so aus, als wären Ferien“, beschwerte sich ein Gruppenmitglied. Kinder und Jugendliche seien auf den Straßen. Die meisten Eltern würden jedoch für ihre Kinder Sorge tragen.

In der Corona-Facebook-Gruppe wird außerdem das Thema Abstand diskutiert. Eine Nutzerin veröffentlichte ein Video, in dem eine Kundenschlange vor einem Discounter gezeigt wird. „Vielleicht noch ein bisschen Hände halten wäre gut“, kommentiert ein weiteres Gruppenmitglied sarkastisch. Dabei müsste doch jeder wissen, wie man sich verhält.

Eine Ausgangssperre wolle man vermeiden, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Sondersitzung des Landtags am Donnerstag. Wenn sich die Bürger jedoch nicht an die Regelungen hielten, dann würde es wohl so kommen. Vergangenes Wochenende war auch von Corona-Partys berichtet worden. Weil Klubs und Bars geschlossen hatten, trafen sich vor allem junge Leute im privaten Kreis. „Wenn nicht alle ihr Verhalten grundlegend umstellen, dann kommen wir um härtere Maßnahmen und Sanktionen nicht herum“, betonte Kretschmann.

Auch im Scharnhauser Park in Ostfildern gibt es keine Anzeichen darauf, dass Menschen aufgrund des Coronavirus eher zu Hause bleiben. Junge Mütter schieben ihren Kinderwagen, schlendern in der Mittagssonne. Eine Seniorin zieht ihre rollende Einkaufstasche in Richtung Lebensmittelgeschäft. Ein Vater läuft mit seinem Sohn und dessen Mini-Fahrrad über den Zebrastreifen. Die Fußgängerwege sind gefüllt mit Menschen jeden Alters.

Und dennoch: Die Eisdiele Giovanni neben der Markthalle hat zwar geöffnet, doch die Stühle sind leer, die Sonnenschirme sind noch unberührt und eingepackt wie im Winter. Kein einziger Gast ist da. Die Außentemperatur an diesem Tag liegt bei rund 15 Grad Celsius, die Tische stehen im Sonnenlicht. Gegen eine kühlende Kugel Vanilleeis spricht eigentlich nichts – eigentlich. Der Eisdielenverkäufer steht hinter Bergen von Schokolade-, Zitrone- und Erdbeereis – alle Sorten wirken beinahe unberührt. Auf den Tischen klebt ein Hinweisschild, dass sich Gäste nur ein Eis auf die Hand kaufen dürfen und Abstand halten sollten.

Hinweisschilder auf Papierzetteln sind keine Seltenheit in diesen Zeiten. An den meisten Einkaufsgeschäften, beim Bäcker und auch am Stadthaus kleben Hinweise auf geänderte Öffnungszeiten oder spezifische Besuchsbedingungen. „Das Stadthaus bleibt bis einschließlich 19. April geschlossen“, steht auf einem Schild in der Tiefgarage – insgesamt fünf Mal ausgedruckt und hingeklebt. In fünf verschiedenen Sprachen – auf deutsch, englisch, französisch, arabisch und türkisch.

Spielplatz-Sperrungen

Andrea Wangner, Pressesprecherin der Stadt Ostfildern, sagt: „Wir haben klare Anweisungen vom Land und halten uns an die Rechtsverordnung.“ Die Verwaltung habe zum Beispiel Mitarbeiter des Baubetriebshofes beauftragt, Sperrschilder an Spielplätzen aufzuhängen. Seit Mittwoch gilt ein Verbot auf Spiel- und Bolzplätzenin ganz Deutschland. In Ostfildern wurde aufgrund des Virus ein extra Verwaltungsstab aus verschiedenen Mitarbeitern eingerichtet. Auch die örtliche Polizeibehörde sei Teil des Stabs. Auf ihrer Website informiere die Stadt aktuell über Themen rund um das Coronavirus. „Wir versuchen die Bürger immer auf dem neuesten Stand zu halten“, sagt Wangner. Wie in einigen anderen Städten im Landkreis hat auch Ostfildern ein Portal für Hilfsbedürftige und freiwillige Helfer eingerichtet – zur Unterstützung in der Corona-Zeit: „Wir helfen! Ostfildern“. Das geht am einfachsten, wenn man daheim bleibt.

Die Koordinierungsstelle des Netzwerks „Wir helfen! Ostfildern“ ist montags bis sonntags von 9 bis 19 Uhr unter Telefon 0711/ 9003 8274 oder per E-Mail: ikeros@kiju-ostfildern.de zu erreichen.

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