Trotz Hitzeperioden und niedriger Pegelstände gibt es kaum Einschränkungen für den Wassersport auf Enz und Neckar – nur an einer besonders schönen Stelle gibt es strenge Regeln.
Viele Menschen in der Region nutzen die Sommerferien, um direkt vor der Haustür kleine Abenteuer zu erleben. Besonders gut funktioniert das im Kreis Ludwigsburg auf der Enz und dem Neckar. In den Sommermonaten ziehen Ruderboote, Kanus und Stand-Up-Paddle-Boards (SUP) in großer Zahl über die Flüsse, selbst wenn die Pegel – wie aktuell – niedrig sind.
Obwohl der Wassersport im Kreis Ludwigsburg bei Niedrigwasser einen großen Vorteil gegenüber anderen Regionen hat, gibt es einiges zu beachten, bevor man einen Tag auf dem Wasser plant.
1. Viele Flussabschnitte sind das ganze Jahr befahrbar
Ein großer Pluspunkt: Zahlreiche Strecken im Kreis Ludwigsburg lassen sich ganzjährig befahren. Beispielsweise der gesamte Neckarverlauf, der als Schifffahrtsstraße stets eine gewisse Tiefe erreicht. Auf der Rems fahren zwar keine Schiffe, doch auch dieser Fluss führt zu jeder Jahreszeit ausreichend Wasser – Grund sind mehrere Wehre, die dafür sorgen, dass die Routen für Kanus und SUPs jederzeit tief genug sind.
Auch die Enz führt im Bietigheimer Stadtbereich zu jeder Zeit ausreichend Wasser – unter dem Viadukt und bis raus zur Rommelmühle kann man ganzjährig auf dem Wasser treiben.
2. Enz an zwei Abschnitten immer wieder eingeschränkt
Zwei Abschnitte der Enz sind derzeit jedoch problematisch – und ausgerechnet sie gehören zu den schönsten im Landkreis. Zum einen betrifft es die Enz zwischen dem Freibad Vaihingen und der Sägmühle Bietigheim-Bissingen. Das ist ein naturnaher Abschnitt des Flusses, der teilweise Naturschutzgebiet ist.
Dort gilt im Sommer: Sinkt der Pegel unter 65 Zentimeter, dürfen nur noch erfahrene Kanuten aufs Wasser, die im Deutschen Kanuverband organisiert sind. Freizeitpaddler brauchen dann einen offiziellen Guide. Schon an mehreren Tagen im August lag der Pegel unter dieser Marke, und auch kommende Woche könnte es wieder so weit sein, warnt das Landratsamt.
Anna Bröll, Geschäftsführerin des Wassersportverleihs Zugvögel, unterstützt die Regelung, auch wenn sie im Alltag bedeutet, viel mit Kunden zu kommunizieren oder zu diskutieren. „Unter 65 Zentimeter gibt es einfach viele Berührungen mit dem Flussgrund. Das macht dann sowieso mehr Spaß, wenn man mit einem Guide unterwegs ist, der eine gute Wasserlinie vorgeben kann.“
Die zweite Einschränkung betrifft den Enz-Bereich zwischen Kammgarnspinnerei und Besigheim, ein weiterer beliebter Flussabschnitt. Dort ist der Wassersport wegen der Arbeiten an der Süddeutschen Erdgasleitung aktuell untersagt.
3. Dennoch Vorteile gegenüber Donau
Obwohl es auf der Enz strenge Regeln für Kanuten und SUP-Paddler gibt, seien die Wassersportler und Verleiher aus dem Kreis Ludwigsburg privilegiert, sagt Anna Bröll. „Wir finden eigentlich immer eine Lösung und können unsere Touren bei Niedrigwasser auf einen anderen Fluss umplanen. An der Donau ist das beispielsweise ganz anders.“
Gerade an der naturnahen oberen Donau zwischen Donaueschingen und Ulm müssten Verleiher immer wieder Touren und den Verleihservice bei Niedrigwasser komplett einstellen, sagt Bröll – Alternativen sind nicht vorhanden.
4. Gefahren des Klimawandels
Die Pegelstände an Enz und Neckar liegen laut Landratsamt derzeit im Bereich des mittleren Niedrigwassers – das ist mittlerweile keine Besonderheit mehr. „Die Tendenz zu niedrigen Wasserständen in den Sommermonaten aufgrund des Klimawandels hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt gezeigt“, so Landratsamtsprecherin Franziska Schuster.
Auch Anna Bröll sagt: „Seit Jahren beobachten wir niedrigere Pegelstände und die Auswirkungen der klimatischen Veränderung – das wird nicht weniger werden und wir Kanutouristiker müssen damit leben.“
Doch nicht nur der Wassersport leidet darunter. Niedrigwasser setzt auch den Flüssen selbst zu: Je weniger Wasser, desto schneller erwärmt es sich, desto weniger Sauerstoff enthält es – und desto härter trifft es Fische und andere Lebewesen. Verschärft wird das Problem, wenn Abwässer aus Kläranlagen oder der Landwirtschaft in die Flüsse gelangen. Bei niedrigen Pegeln fehlt die Verdünnung – und das Ökosystem leidet umso stärker.
Stand-Up-Paddling-Verbot
Verbot
Seit Ende August 2024 ist Stand-Up-Paddling auf der Enz zwischen dem Freibad Vaihingen und Bietigheim verboten. Als Grund nannte das Landratsamt, dass es an den Einstiegsstellen der Paddler immer wieder zu Umweltschäden komme. Zudem führe das Stehen auf dem Board bei Vögeln zu verstärkten Fluchtreaktionen – das bedeute Stress für die Tiere.
SUP-Zonen
Das Landratsamt hat im Anschluss klare SUP-Zonen auf der Enz ausgewiesen. Die eine befindet sich im Bietigheimer Stadtgebiet zwischen der Enzbrücke beim Festplatz am Viadukt und der Auwiesenbrücke. Die zweite Zone befindet sich im Vaihinger Stadtgebiet: zwischen altem Badplatz, unterhalb des Schlosses Kaltenstein entlang bis zur Enzbrücke (Auricher Straße).