Die Gastronomie im Quadrium in Wernau war eigentlich schon totgesagt. Jetzt nimmt sie doch noch mal einen Anlauf mit neuem Konzept und neuen Wirten.
Ein Restaurant im Erdgeschoss, eine Bar im oberen Geschoss, das Catering bei Veranstaltungen und dann noch die Bar im Sauna- und Wellness-Bereich: Die Gastronomie im Wernauer Quadrium hat viele Facetten. Neu ist, dass diese von verschiedenen Betreibern abgedeckt werden. Damit hofft die Stadt, doch noch zu retten, was schon mehrfach gescheitert ist. Denn hier haben sich schon einige Gastwirte die Zähne ausgebissen.
Mit Ausnahme des ersten Pächters gaben sie nach wenigen Jahren wieder auf, weil die Einnahmen nicht ausreichten. Eine Rolle spielte dabei auch, so zumindest die Einschätzung der Gastronomen, dass das Restaurant etwas versteckt und nur durch den Eingang des Verwaltungszentrums zugänglich ist.
Schwierige Suche nach Pächter für das Quadrium
Der Gemeinderat hatte deshalb beschlossen, künftig auf ein Café anstelle des Restaurants zu setzen. Doch auch dafür fand sich „trotz intensiver Bemühungen“ kein Interessent, wie Bürgermeisterin Christiane Krieger im März dem Gemeinderat mitteilte. Stattdessen lag eine Initiativbewerbung des „La Dolce Vita“ auf ihrem Tisch, einer örtlichen Pizzeria, die schon seit 2011 in Wernau ansässig ist und trotz ihrer bisherigen, von außen eher unscheinbaren Räume offenbar gut lief. Sie bekam den Zuschlag. Nach dem Umzug passe jetzt auch das Ambiente sehr gut, sagt Junior-Chef Luigi Civitavecchia. In der Küche steht nach wie vor seine Mutter Rosalba. „Wenn die Mama kocht, ist das immer was Besonderes“, sagt der Sohn. Für seine Küche und insbesondere für die Pizza mit zwei Tagen Teigruhe sei das La Dolce bekannt. Das wolle man weiterentwickeln und künftig auch verstärkt auf Catering setzen.
Die neuen Betreiber der Bar im Obergeschoss, die jetzt Weinbar Veritas heißt, sind in Wernau ebenfalls keine Unbekannten: Die Brüder Andre und Marcel Langner, ihre Mutter Andrea Redle und Matthias Heinsch führen sie gemeinsam im Nebenerwerb. Das Quartett setzt auf Wein und Erlebnis. Zu Essen gibt es kaltes Vesper, regelmäßige Weinproben stehen auf dem Programm. „Wir versuchen neuen Schwung reinzubringen“, sagt Andre Langner. Er selbst war zuvor in der damaligen „Mammutbar“ regelmäßiger Gast und machte sich sofort auf die Suche nach Mitstreitern, als er die Ausschreibung, erstmals separat für diesen Bereich, sah. Das Quartett ist in der Stadt und ihrem Vereinsleben bestens vernetzt und mit der Resonanz bisher ganz zufrieden: Viele Interessierte hätten schon reingeschaut, darunter auch viele junge Leute.
Ausgefallene Pommesvariationen für die Wernauer Badegäste
Ebenfalls in neuen Händen ist die Bar im Wellnessbereich. Der Wirt hat ihr Konzept „an den marokkanischen Stil“ der Saunalandschaft angepasst, und sie passend dazu in „Mint & Spice“ umbenannt. Den traditionellen Schweizer Wurstsalat gibt es zwar immer noch, hinzugekommen sind aber verschiedene Bowls. Auch Pommes fehlen nicht: Der neue Chef betreibt schon länger die „Copacabana Pool Lounge“ im Wendlinger Freibad; in Wernau sind sie nun das neue Angebot für die Badegäste im Hallenbad. Diese können die Pommes in „verspielten, aber auch deftigen Varianten“, so der Betreiber, über ein Display auf der Empore des Schwimmbads bestellen und dann im dort dekorierten „kleinen Beduinendorf“ verspeisen.
Nach der Eröffnung des Quadrium als Tagungs- und Verwaltungszentrum hat Philip Reise mit der PCP Gastro zehn Jahre lang dessen Gastronomie betrieben, bis er das Restaurant am Golfplatz übernahm. Nach ihm hatte der Plochinger Gastronom Uwe Staiger große Pläne und steckte zusammen mit der Stadt viel Geld in die Küche – um sich nach drei Jahren wieder zu verabschieden. 2019 übernahm das Sozialunternehmen SBR, eine gemeinnützige Gesellschaft, doch auch dieses Konzept trug nicht. Von 2022 bis 2024 waren mit Familie Gagliardi aus Uhingen ebenfalls erfahrene Wirtsleute am Ruder. Doch auch sie strichen nach knapp drei Jahren die Segel.