Andrang am Corona-Abstrichzentrum in Nürtingen. Foto: Ines Rudel

Der Kreis Esslingen zieht Konsequenzen aus seinen hohen Coronazahlen. Er deckelt die Besucherzahl bei Familienfesten und weitet die Maskenpflicht aus. Zudem soll das zweite Abstrichzentrum an der Messe reaktiviert werden.

Kreis Esslingen - Nachdem der Landkreis Esslingen am Mittwochabend zum nationalen Corona-Risikogebiet avanciert ist, hat das Landratsamt nicht nur die Teilnehmerzahl an privaten Feiern auf zehn Personen im heimischen Bereich und 25 Besucher in Gaststätten und anderen angemieteten Lokalitäten eingeschränkt. Am Donnerstag hat der Landkreis zudem eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum verordnet. „Sie gilt überall dort, wo man nicht ausreichend Abstand halten kann – also etwa in Fußgängerzonen oder auf Wochenmärkten“, präzisierte Landrat Heinz Eininger vor der Presse. Greifen sollen beide Verordnungen ab Freitag, 9. Oktober, 0 Uhr. Zudem will der Kreis bis Mitte kommender Woche das Corona-Abstrichzentrum auf der Messe wieder aufbauen, um den starken Andrang auf das Zentrum in Nürtingen und die Corona-Schwerpunktepraxen zu entlasten. Bis zu 600 Tests pro Tag sollen dann jeweils in den beiden großen Abstrichzentren möglich sein. Eininger: „Wir lagen anfangs in beiden Abstrichzentren zusammen bei 800 Tests täglich. Der Landrat legte Veranstaltern zudem ans Herz, nicht relevante Veranstaltungen abzusagen. Eininger: „Nicht alles, was man tun darf, muss man auch tun.“

76 Infizierte im DHL-Frachtzentrum

Zahlen, wonach die Inzidenzrate im Kreis am Donnerstagvormittag bereits die 70er-Marke überschritten haben soll, dementierte die Kreisverwaltung. Eininger: „Wir liegen aktuell bei 52,3.“ Wobei man davon ausging, dass sie noch weiter steigen wird: Denn am Köngener DHL-Frachtzentrum, das sich mittlerweile zu einem Hotspot in der Verbreitung des Virus entwickelt hat, hat das Gesundheitsamt mehr als 250 Abstriche genommen. Bis Donnerstagmittag hatten 76 Mitarbeiter einen positiven Test, „aber es sind noch nicht alle Tests ausgewertet“, schob Dominique Scheuermann, die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, gleich nach. Am Abend betrug die Inzidenz laut Landesgesundheitsamt tatsächlich bereits 54,6.

Knapp 500 Menschen waren am Donnerstag im Kreis Esslingen erwiesenermaßen mit dem Virus infiziert. Zum Vergleich: Mit der Inzidenzrate von mehr als 50 kommt der Kreis langsam an den Lockdown vom März/April heran. Damals lag sie an manchen Tagen bei mehr als 60, erläuterte Scheuermann.

Gesundheitsamt braucht Unterstützung

Dass der Kreis Esslingen mehr als andere Regionen von der Pandemie betroffen ist, führt Eininger auf seine dichte Besiedlung und einen Migrationsanteil von 27 Prozent der Kreisbevölkerung zurück. Nach der Rückreise der Betroffenen aus den Risikogebieten im September werde das Virus nun aus den Familien heraus in Kindergärten, Schulen und zur Arbeitsstelle getragen. Die meisten Menschen würden sich – abgesehen vom Köngener Hotspot – nach wie vor im familiären Umfeld, vereinzelt auch in Schulen, Vereinen und Flüchtlingsunterkünften anstecken. Zwei Drittel von ihnen seien zwischen 20 und 40 Jahre alt. Und haben demzufolge auch viele Kontakte. Seit Beginn der zweiten Welle sind im Kreisgebiet in mindestens 26 Schulen und fünf Kitas Infektionsfälle aufgetreten. Neun Unterkünfte für Asylbewerber und Flüchtlinge sind betroffen , in zwei davon gab es 14 beziehungsweise 15 Infizierte. Positiv: Derzeit sind dem Gesundheitsamt keine Coronafälle in einem Pflegeheim bekannt.

Nach wie vor könne man die Verbreitung des Virus sehr genau nachvollziehen, betont Eininger. Allerdings falle trotz personeller Aufstockung im Gesundheitsamt so viel Arbeit an, dass er auch beim Sozialministerium um Unterstützung gebeten habe. Die Bundeswehr sei nur dann eine Hilfe, wenn man sie kontinuierlich ins Kontaktpersonenmanagement einbeziehen könne.

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