Die Preisträger zeigen stolz die speziellen Hausnummernschilder für ihre prämierten Klimahäuser. Foto: Elke Hauptmann

Der Kreis Esslingen hat nachhaltig gebaute, energieeffiziente Gebäude mit dem Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“ ausgezeichnet.

Ein digitales Einfamilienhaus in Kohlberg, ein runderneuertes Zweifamilienhaus in Aichtal, eine in nur 21 Tagen sanierte Doppelhaushälfte in Esslingen sind Beispiele für Klimaschutz und Innovation – sie erhalten deshalb das Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“.

In der diesjährigen Wettbewerbsrunde hat der Kreis Esslingen sieben Bauherren ausgezeichnet, die mit ihren Traumhäusern „eindrucksvoll zeigen, dass modernes Wohnen und Klimaschutz Hand in Hand gehen können“, betonte Marion Leuze-Mohr bei der Ehrung. Die Erste Landesbeamtin des Kreises hat dafür 17 spezielle Hausnummernschilder an die Preisträger überreicht.

Möglichst wenig Energieverbrauch

Zehn gingen allein an die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen – für die Doppelhaushälften im Zwettler Weg 21 bis 35 in Plochingen, die 2023 fertiggestellt wurden. Beim Bau stand eine Reduzierung des Energieverbrauchs, ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen und eine nachhaltige, ökologische Konstruktion im Vordergrund. Die fünf Holzhgebäude verfügen zum Beispiel über Wärmepumpe, Photovoltaik-Anlage, Batteriespeicher, E-Auto-Ladestation sowie Be- und Entlüftungsanlage. Erreicht wird so ein hoher Grad an Energieautarkie ohne fossile Brennstoffe.

Die Doppelhaushälften der Kreisbau im Zwettler Weg in Plochingen gehören zu den prämierten Klimahäusern. Foto: Elke Hauptmann

Das ambitionierte Projekt habe der Genossenschaft aber so einiges abverlangt, räumte der Technische Vorstand der Kreisbau, Stephan Schmitzer, ein. Gestartet war man im Jahr 2020 – dann kamen Corona, der Ukrainekrieg und andere Krisen. In der Folge stiegen die Baukosten auf rund 6000 Euro pro Quadratmeter.

Probleme und Freuden beim Bauen

„Eigentlich wollten wir die Häuser verkaufen und das Geld in die Sanierung von Bestandsgebäuden stecken“, so Schmitzer. Doch die Kreisbau fand niemanden, der knapp eine Million Euro für 135 Quadratmeter Wohnfläche zahlen konnte. „Jetzt haben wir die Doppelhaushälften vermietet, wobei eine noch immer leer steht.“ Die Rahmenbedingungen seien für die Genossenschaft ziemlich schwierig gewesen, lautet sein Resümee. „Jeder private Bauträger hätte die Segel gestrichen.“

Von unterschiedlichsten Problemen beim Bauen konnten alle Geehrten Geschichten erzählen. „Aber es hat auch Freude gemacht“, beteuerte Bernd Harrer, der stolz ist auf die gelungene Sanierung eines aus den 50er Jahren stammenden Wohngebäudes in Aichtal-Neuenhaus. Andreas Grüll, der in Esslingen ein aus dieser Zeit stammendes Häuschen modernisierte, berichtete schmunzelnd: „Anfangs haben uns die Nachbarn verwundert gefragt, warum wir das nicht einfach abreißen.“ Das aber sei für seine Familie nicht infrage gekommen. Jetzt erfüllt es den Energieeffizienzhaus-Standard 55 – das bedeutet, es verbraucht im Schnitt nur 55 Prozent der Energie, die ein vergleichbares Referenzgebäude benötigt.

Leuchttürme für die Energiewende

Häuser wie diese sind laut Marion Leuze-Mohr nicht nur Bauwerke, sondern „Leuchtturmprojekte für die Energiewende“. Rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland würden auf Gebäude entfallen, ihre Sanierung sei daher ein Schlüssel, die gesteckten Klimaziele zu erreichen. „Jedes energetisch optimierte Haus spart nicht nur Energie und Kosten, sondern trägt auch dazu bei, unsere Umwelt zu schützen und kommende Generationen zu entlasten“, betonte die Erste Landesbeamtin.

Der Wettbewerb um das klimafreundlichste Haus fand zum nunmehr fünften Mal statt. Die Zahl der prämierten Gebäude im Kreis Esslingen steigt damit auf insgesamt 52. Die neu hinzugekommenen Klimahäuser befinden sich in Esslingen, Plochingen, Aichtal, Reichenbach, Ostfildern, Kohlberg und Aichwald. Sie umfassen 20 Wohneinheiten mit einer Gesamtwohnfläche von 2738 Quadratmetern. 

Die Bauprojekte sind zudem für den alle drei Jahre stattfindenden Wettbewerb "Haus der Zukunft"  zugelassen. Der, so kündigte Leuze-Mohr an, wird im Herbst ausgelobt. Ausgezeichnet werden hier besonders zukunftsweisende Lösungen.