Schulsachen werden von Jahr zu Jahr teuer. Auch die Schulranzen. Foto: dpa/Robert Michael

Hefte, Ranzen, Schultüte – der erste Schultag kostet schnell mehrere Hundert Euro. Wir zeigen, womit Familien rechnen müssen und wo sich sparen lässt.

Zwischen hohen Regalen voller Stifte, Ordner und Malkästen schiebt sich Familie Schneider an diesem Nachmittag durch einen gut gefüllten Schreibwarenladen in Böblingen. Die sechsjährige Mila wird in wenigen Tagen eingeschult. „Jetzt fehlen uns noch ein Lineal, Schnellhefter und Wachsmalstifte“, sagt ihre Mutter und wirft einen Blick auf die fast seitenlange Materialvorgabe der Schule. Im Einkaufskorb stapeln sich bereits Hefte, Umschläge, Stifte, Pinsel und ein Wasserfarbkasten. Der Blick auf den Kassenzettel zeigt am Ende mehr als 80 Euro – und das ist nur ein Teil der Gesamtkosten.

Ein Schulranzen mit Mäppchen und Turnbeutel kosten in der Regel zwischen 150 und 300 Euro. Ein einfaches Schulranzenmodell gibt es für knapp 100 Euro, wenn es eine bekannte Marke mit ergonomischer Qualität sein soll, kann ein Schulranzen aber eben auch 300 Euro kosten. „Man achtet ja auch auf die Sicherheit im Straßenverkehr und auf das Gewicht“, sagt Milas Mutter, Sandra Schneider.

Mila hat sich für einen pinken Schulrucksack von Ergobag entschieden. Mit sogenannten Kletties, einer Art dekorativen Aufnähern, lässt sich der Rucksack je nach Lust und Laune verschönern. Mila hatte Glück, ihre Großeltern haben ihr ihren teuren Wunsch-Schulranzen gekauft. Viele Schreibwarenläden versuchen, Familien durch Rabattaktionen oder Komplettsets finanziell zu entlasten. Doch es bleibt dennoch ein spürbarer Brocken.

Kostenexplosion bei Schulmaterialien

Nicht jede Familie hat die finanziellen Mittel, seinem Kind einen neuen Schulranzen oder Sportbeutel zu kaufen. Verbraucherschützer schätzen die Gesamtausgaben für den ersten Schultag auf 300 bis 400 Euro. Wer auf Markenprodukte oder zusätzliche Extras setzt, überschreitet schnell die 500-Euro-Marke. Bei älteren Kindern sind die Kosten oft ähnlich hoch – denn sie benötigen teils noch eine digitale Ausstattung wie Taschenrechner oder Tablets. Besonders für Familien mit kleinerem Einkommen und mehreren schulpflichtigen Kindern ist das eine große Belastung. Bei Schulanfängern muss zusätzlich auch noch die traditionelle Schultüte gefüllt werden. Neben Süßigkeiten greifen viele Eltern zu kleinen Geschenken wie Büchern, Spielen oder Kuscheltieren – da kommen schnell weitere 30 bis 50 Euro hinzu.

Hilfen und Spartricks für Eltern

Hilfe gibt es für anspruchsberechtigte Familien etwa über das Bildungs- und Teilhabepaket, das zum Schuljahr pro Kind rund 195 Euro vorsieht. 130 Euro zu Beginn des ersten und 65 Euro zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres. Auch Tauschbörsen oder spezielle Flohmärkte bieten günstigere oder kostenlose Schulmaterialien an. Im Landkreis Böblingen spenden auch der Evangelische Diakonieverband und der Serviceclub Round Table Böblingen/Sindelfingen jährlich Schulranzen für kleine ABC-Schützen, deren Familien sich keinen ordentlichen Schulranzen leisten können.

Trotz aller Kosten überwiegt bei Familie Schneider die Vorfreude auf den Schulstart. „Mila ist sehr gespannt auf ihre neuen Klassenkameraden und ihre Lehrer“, sagt Sandra Schneider. „Und dafür nimmt man die Ausgaben gern in Kauf.“