Viele untersuchte Nahrungsergänzungsmittel waren belastet. Foto: imago/Fotostand/K. Schmitt

In zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln wurde Ethylenoxid nachgewiesen. Das Pestizid gilt als gesundheitsschädlich und ist in der EU verboten. Nun untersucht das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart auch weitere Produkte auf die krebserregende Substanz.

Stuttgart - Experten des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart haben in vielen Nahrungsergänzungsmitteln einen krebserregenden Stoff nachgewiesen. Bei der Untersuchung von 135 Proben entdeckten die Wissenschaftler das Pestizid in fast jedem fünften Produkt. Sie seien „umgehend aus dem Verkehr gezogen worden“, sagte Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) bei der Vorstellung des Jahresberichts der Lebensmittelüberwachung.

Moringa-Pulver zurückgerufen

Die Kapseln, Tabletten oder Pulvern waren mit Ethylenoxid oder mit seiner Abbausubstanz 2-Chlorethanol belastet. Etwa 70 Prozent der beanstandeten Mittel wurden als nicht sicher eingestuft. Rückrufaktionen gab es unter anderem für ein Moringa-Pulver und für Lavendel-Kapseln.

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Das Geschäft mit den Vitaminen

Auf die Nahrungsergänzungsmittel aufmerksam wurden die Experten, nachdem sie im Herbst 2020 zahlreiche sesamhaltige Snacks wegen zu hoher Ethylenoxid-Werte beanstandet hatten. Die Substanz wird in vielen Ländern zur Bekämpfung von Keimen etwa in Gewürzen, Nüssen und Ölsaaten eingesetzt. In der EU ist dies wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung seit 1991 verboten. Die EU-Kommission hat rasch reagiert: Sesam aus Indien darf nur noch mit negativem Analysenzertifikat importiert werden.

Zweifelhafte Versprechen

Nach Hauks Angaben haben die Lebensmittelüberwacher ihre Untersuchungen nun auf weitere Produktgruppen ausgedehnt. Laut dem Stuttgarter Untersuchungsamt hat man auch das Ausland im Blick. In Österreich etwa wurden einige Chargen an Speiseeis der Unternehmen Nestlé und Mars vom Markt genommen, da sie mit dem krebserregenden Stoff belastet waren.

In Sachen Nahrungsergänzungsmitteln kritisieren die Kontrolleure zudem, dass manche Anbieter „zweifelhafte Versprechen“ in Bezug auf die Wirkung gegen Corona gemacht hätten. 19 Produkte seien beanstandet worden. Die Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg unterstrich unterdessen, dass „gesunde Menschen in Deutschland“ derartige Mittel nicht benötigten. „Man sollte sich von der angeblichen Wirksamkeit nicht täuschen lassen“, sagte Verbraucherschützerin Sabine Holzäpfel auf Anfrage unserer Zeitung. Es brauche generell mehr Aufklärung zu den Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln, so die Ernährungsexpertin weiter. Verbraucher können sich unter www.verbraucherzentrale.de informieren. Eine Übersicht zu Rückrufaktionen gibt es unter www.lebensmittelwarnung.de.

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