In der Krawallnacht wurden mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt. Foto: SDMG//Kohls (Archiv)

Zum ersten Mal stehen zwei mutmaßliche Beteiligte der Stuttgarter Krawallnacht in einem öffentlichen Verfahren vor Gericht. Die Anklage macht den jungen Männern einen schwerwiegenden Vorwurf.

Stuttgart - Wer waren die Täter der Krawallnacht? Was trieb sie an, woher rührte ihre Aggressivität gegen die Polizei? Antworten dazu können zwei Verfahren am Stuttgarter Amtsgericht geben, die am Dienstag beginnen. Zwei junge Männer müssen sich dort wegen der Randale in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Polizeiautos beschädigt zu haben. Das Gericht verhandelt in zwei getrennten Verfahren über die Taten der Männer, sagt eine Sprecherin des Amtsgerichts.

Scheiben eines Streifenwagens eingeschlagen

Ein 18-Jähriger aus Gaildorf (Landkreis Schwäbisch Hall) soll kurz nach dem Beginn der Ausschreitungen gegen Mitternacht auf einen Polizeiwagen eingeschlagen haben, der an der Bolzstraße stand. Er soll mit einem Windlicht zwei Seitenscheiben des Fahrzeuges zerstört haben. Ihm wird deswegen besonders schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Sein Verfahren ist am Vormittag angesetzt.

Der Schaden am Auto liegt bei rund 8000 Euro

An diesem Wagen soll sich auch der zweite Beschuldigte ausgetobt haben, dessen Prozess am Nachmittag läuft. Er soll gegen das Fahrzeug, einen Mercedes Vito, getreten und geschlagen haben. Ein Seitenspiegel ging dabei kaputt, außerdem soll der 19-Jährige aus Geislingen (Kreis Göppingen) auch mit der Faust auf die Frontscheibe eingeschlagen haben, so dass dieses zersplitterte. Auch ihm wird Landfriedensbruch zur Last gelegt. Der Sachschaden wurde auf rund 8000 Euro geschätzt.

Die Ausschreitungen beginnen nach einer Routinekontrolle

In jener Nacht randalierten bis zu 500 überwiegend junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt. Die Ausschreitungen begannen, als am Eckensee ein junger Mann wegen Drogen kontrolliert werden sollte. Umstehende solidarisierten sich und nach und nach eskalierte die Lage. Die Randalierer stellten sich gegen die Polizei, griffen Beamte an, demolierten Polizeiautos, schlugen Schaufenster ein und plünderten Geschäfte in der City.

Schon mehr als 100 Verdächtige wurden ermittelt

Inzwischen hat die Ermittlungsgruppe Eckensee der Stuttgarter Polizei mehr als 100 Tatverdächtige ermittelt.

Viele der Tatverdächtigen stammen nicht aus Stuttgart, sondern aus dem Umland. Obwohl etliche als Heranwachsende noch unter das Jugendstrafrecht fallen, führen nicht wie üblich die Gerichte am Wohnort die Verfahren. „Es sollen alle zentral gebündelt in Stuttgart laufen“, erläutert Monika Rudolph, die Sprechern des Stuttgarter Amtsgerichtes.

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