Auch in seiner 47. Auflage hat das Krautfest in Leinfelden-Echterdingen nichts von seiner Faszination verloren.
Wenn auf den Fildern zum Krautfest eingeladen wird, lockt das vielfältige und umfangreiche Angebot regelmäßig rund 40.000 Besucher. Bereits zur offiziellen Eröffnung auf dem Neuen Markt in Leinfelden am Samstagmittag waren zahlreiche Gäste gekommen. „Es ist soweit“, leitete Michael Scholl vom Vorstand des Vereinsrings Leinfelden den offiziellen Fassanstich durch den Oberbürgermeister Otto Ruppaner ein. Unter den Augen der Württembergischen Bierkönigin Deborah Leutner I. reichte ein gezielter Schlag mit dem Holzhammer und der goldene Gerstensaft schoss aus dem Zapfhahn.
Neu war in diesem Jahr das Vereinsdörfle auf dem Parkplatz beim Bahnhof in Leinfelden. „Es ist ein Versuch“, warb Scholl für einen Besuch. Vereine wie die Rockfreunde, die Fußballabteilung des TSV Leinfelden, der Förderverein der Liebenzeller Gemeinschaft, die Eritreische Gemeinde oder die Freie Aktive Schule boten Unterhaltung und Kulinarisches.
Das grüne Gold der Filder
Die Gefahr, dass bei all den vielen Angeboten der eine oder andere Besucher vergisst, worum es eigentlich beim Krautfest geht – nämlich um das berühmte Filderspitzkraut (Haible), das grüne Gold der Filder – ist gering. Wer sich auf den Festgeländen in den Teilorten der Stadt bewegte, dem stieg unweigerlich der deftige Duft des frisch zubereiteten Krauts in die Nase und ließ bei manchem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Ein Klassiker ist das Kraut aus der Pfanne. Für Experimentierfreudige und Mutige gab es aber auch viele weitere, teils wilde Variationen. Beim Landwirtschaftsbetrieb Kizele wurde beispielsweise ein Baileys oder anderes Hochprozentiges zum Trinken aus dem frischen Krautblatt angeboten. Wer wollte, konnte vegane Wraps mit Kraut verköstigen oder ein Krautgulasch degustieren. Beim Kraut ist erlaubt, was Spaß macht. Und wer noch Vorrat für zuhause benötigte, konnte sich sowohl mit frischem als auch mit konserviertem Filderkraut eindecken.
Viele los, viele Einschränkungen für den Verkehr
Die Veranstalter werden zwar nicht müde, die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu empfehlen. Wer trotzdem mit dem Auto kam, musste bis zum Erreichen eines legalen und kostenlosen Parkplatzes womöglich einige Runden drehen oder dann doch die eine oder andere Gehminute in Kauf nehmen. Dass beim Krautfest auch noch verschiedene wichtige Straßen für den Autoverkehr tabu waren, machte es nicht einfacher. Die Zufahrtsstraßen zu den Festgeländen waren mit schweren Durchfahrtsperren gesichert. Security-Kräfte, Polizei und Sanitäter wären präsent. Einmal auf einem der verschiedenen Festgelände angekommen, verbanden kostenlose Shuttle-Bus mit Spitzkraut-Symbol auf der Anzeigentafel die Teilorte des Krautfestes miteinander.
Zu einem Epizentrum des Krautfestes zählt die Bühne vor dem historischen Rathaus in Echterdingen. Kurz nach dem offiziellen Fassanstich fand dort das traditionelle Krautabschmecken vor großem Publikum statt. Was gehört rein ins frisch gekochte Kraut? Ein Schuss Weißwein darf schon sein. Die Prise Salz doch bitte auch. Eigentlich heißt es ja, zu viele Köche verderben den Brei. Doch zum Glück ist das Kraut kein Brei, sodass es nicht schadete, dass sich neben dem Oberbürgermeister Ruppaner weitere Honoratioren auf der Bühne dem Abschmecken widmeten.
Das Krautfest ist mehr als ein Stadtfest
Neben den beschriebenen Höhepunkten bot das Krautfest viele weitere spannende Wettbewerbe wie das Krauthobeln oder das Krautkopfstemmen. Es gab Live-Musik von Pop- und Rockbands sowie Musikvereinen auf den unterschiedlichen Bühnen in den teilnehmenden Teilorten. Für die Kinder gab es vielfältige Spielangebote. Bei herbstlichem Sonnenschein wurde am Samstag deutlich, dass das Krautfest viel mehr als ein gewöhnliches Stadtfest ist. Familien flanierten, Gesellschaften feierten, Fremde wurden zu Freunden. Es wurde gekocht, geschlemmt, gestaunt und geklatscht. Die Besucher genossen die Verbindung von Blasmusik, Brauchtum und gemeinsamer Begeisterung. Dass dies gelang, ist auch der sensiblen Organisation zu verdanken, die es alljährlich schafft, Kraut, Heimat, Konsum und Tradition zu verbinden.
Organisation
Michael Scholl vom Vorstand des Vereinsrings Leinfelden nutzte die Gelegenheit beim offiziellen Fassanstich für einen Dank an die Ehrenamtlichen, die das Krautfest maßgeblich gestalten. Bereits in wenigen Wochen begännen die Planungen für das kommende Jahr, erinnerte Scholl.
Spitzkraut
Classics Die Oldtimer-Show am Sonntag gehört zu den Höhepunkten des Krautfestes. Auch an diesem Sonntag haben die Spitzkraut Classics ihren festen Platz im Programm. In diesem Jahr soll es aber eine Besonderheit geben: Ein Original-Nachbau des Lastwagens von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach, der im Jahr 1896 gebaut und nach England verkauft wurde.