Unser Nachbarland lockt mit einer hohen Lebensqualität. Vor einem Umzug sollten jedoch einige Punkte bedacht werden. Foto: pixabay.com © Pasja

Deutschland und die Schweiz liegen so nah beieinander, dass es viele Berufspendler zwischen den beiden Ländern gibt. Dennoch gibt es grundlegende Unterschiede zwischen den Nachbarländern. Beim Gesundheitssystem und den Krankenkassen ist dieser Vergleich besonders interessant.

Viele Menschen leben in Deutschland oder der Schweiz und arbeiten im jeweils anderen Land und sind somit nicht nur Pendler, sondern sogenannte Grenzgänger. Als Grenzgänger gilt eine Person, die in einem anderen Land arbeitet als sie lebt. Diese Person kehrt täglich, mindestens aber einmal wöchentlich an den eigenen Wohnort zurück. Zwischen Deutschland und der Schweiz gilt zusätzlich die Absprache, dass die Menschen 60 Nichtrückkehrtage im Kalenderjahr haben dürfen. Wer sich an diese sogenannte 60-Tage-Regelung nicht hält, wird im Arbeitsland besteuert. Ein Umzug in die Schweiz verkürzt den täglichen Arbeitsweg, sollte allerdings gut bedacht sein. Denn in der Schweiz ist einiges anders als in Deutschland. So gibt es zum Beispiel entscheidende Unterschiede bei der Krankenversicherung.
Achtung: Die 60-Tage-Regelung wird bei Teilzeit oder beim Start einer Arbeit im laufenden Kalenderjahr entsprechend angepasst.

Obligatorische Krankenpflegeversicherung: Medizinische Grundversorgung für alle

Seit 1996 ist die Kranken- und Unfallversicherung in der Schweiz für jeden Bürger verpflichtend. Versicherungen bieten hierfür die sogenannte Grundversicherung an. In diese muss eine Versicherung jeden Menschen aufnehmen. Diese obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) soll die medizinische Grundversorgung aller Schweizer sichern. Die drei Begriffe Krankenversicherung, OKP oder Grundversicherung werden in der Schweiz synonym verwendet. Die OKP übernimmt Kosten für Untersuchungen, Behandlungen und Medikamente aufgrund von Krankheit, Unfall, Entbindung oder Abtreibung. Eine Ausnahme bildet die zahnärztliche Behandlung. Nur mit Zusatzversicherungen lassen sich eventuelle Kosten absichern.

Während die meisten Krankenhäuser – Spitäler – die Kosten direkt mit den Krankenkassen abrechnen, zahlen die Versicherten andere Leistungen zunächst. Wie in Deutschland bei einer privaten Versicherung werden die unterschiedlichen Unterlagen rund um die Behandlung für eine Erstattung bei der Krankenkasse eingereicht.

Info: Im Juni 2019 wurde die OKP auf die asylsuchenden und ausreisepflichtigen Menschen in der Schweiz ausgeweitet. Wer sich in den Bundesasylzentren der Schweiz aufhält, wird von der Krankenversicherung CSS aufgenommen.

Kosten der OKP

Innerhalb der gesetzlichen Auflagen legen die Krankenkassen die zahlbare Prämie frei fest. Das Bundesamt für Gesundheit legt je nach Region und Altersgruppen eine sogenannte Einheitsprämie fest. Aktuell ist die Schweiz in 43 unterschiedliche Prämienregionen unterteilt. Bei den Altersgruppen wird unterschieden zwischen:

  • Kinder (0 bis 18 Jahre)
  • Erwachsene (19-25 Jahre)
  • Erwachsene (ab dem 26. Lebensjahr)

Der Versicherte kann seine Beiträge durch unterschiedliche Bonusmodelle senken. Zusatzversicherungen – wie beispielsweise für die Zahnversorgung – sind in der Schweiz recht gängig. Da die Angebote der unterschiedlichen Versicherungen hier weit auseinandergehen, ist der vorherige Vergleich sehr wichtig. Je nach Kanton, persönlicher Lebenssituation und eigenem Anspruch können die Unterschiede bei den Prämien sehr hoch ausfallen.
Tipp: Die Seite Gidu.ch Vergleich gibt einen umfassenden Überblick über unterschiedliche Versicherungsmodelle samt Leistungen und Prämien in der Schweiz.

Was leistet die OKP?

Bei der OKP geht es um eine medizinsche Grundversorgung. Was als Grundversorgung bezeichnet wird, ist im Bundesgesetz über die Krankenversicherung (kurz: KVG) genau festgehalten. Es gibt für den Versicherten stets eine Selbstbeteiligung. Diese wird von einer Franchise und dem Selbstbehalt gebildet. Mit Franchise wird ein jährlicher Festbetrag bezeichnet, den der Versicherte festlegt. Unterhalb dieses Betrags sind alle Kosten vom Versicherten zu zahlen. Dabei gilt: Umso höher die Franchise, desto niedriger der monatliche Versicherungsbetrag. Als Selbstbehalt wird die anteilige Beteiligung an den verursachten Kosten bezeichnet. Dieser liegt gewöhnlich bei 10 Prozent des gesamten Rechnungsbetrags. Allerdings steigt der Behalt auf 20 Prozent, wenn pharmazeutische Originalpräparate zum Einsatz kommen, obwohl entsprechende Generika verfügbar sind. Der Selbstbehalt ist allerdings auf das Jahr gerechnet begrenzt. Bei einem erwachsenen Schweizer kann er maximal 700 Franken betragen. Für Kinder und Jugendliche dürfen auf das Jahr gerechnet höchstens 350 Franken Selbstbehalt anfallen.

Gibt es eine Familienversicherung?

In Deutschland ist das Modell der Familienversicherung relativ bekannt und beliebt. Hierbei sind Kinder oder nicht arbeitende Mitglieder einer Familie über ein anderes Familienmitglied kostenlos mitversichert. Das kann für Familien mit Kindern, im Fall eines Studienabbruchs oder während der Elternzeit eine finanzielle Entlastung für die Familie sein. In der Schweiz gibt es eine Familienversicherung jedoch nicht. Jede Person wird dort einzeln versichert. Je nach Alter und Lebenssituation bieten die Versicherungen unterschiedliche Modelle für die Beitragsberechnung an.

Kündigung? Nur einmal im Jahr möglich

Wer in der Schweiz seine Versicherung wechseln möchte, kann ausschließlich zum 31.12. jedes Jahres wechseln. Eine Kündigung gilt bei einem solchen Wechsel bis zum 30.11. als fristgerecht. Lediglich Personen mit einer ordentlichen Franchise können die OKP ebenfalls zum 30.06. wechseln. Bei der freiwilligen Zusatzversicherung wird die Kündigungsfrist vertraglich festgelegt. Hier lohnt sich bei einem Wunsch nach einem Wechsel der Blick auf das Kleingedruckte.

Wie hoch ist der Anteil des Arbeitgebers?

Bei abhängig Beschäftigten ist die Regelung in der Schweiz bezüglich der Beiträge für die Krankenversicherung anders. Der Arbeitgeber trägt – anders als in Deutschland - nichts zur Krankenversicherung bei. Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es eine sogenannte Prämienverbilligung, die beim Wohnortskanton beantragt werden kann. Wer Anspruch auf eine Prämienverbilligung gar, das ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich.

Was ist die Gesundheitsförderung Schweiz?

In der Schweiz gibt es die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz. In jeder Prämie einer OKP ist eine Abgabe für diese Stiftung enthalten. In die Kritik geraten ist dieser Umstand, da ein großer Teil der Gelder in die Verwaltung der Stiftung geht und nicht in die finanzierten Projekte zur Verbesserung des Gesundheitssystems in der Schweiz.

Vorher informieren und vergleichen zahlt sich aus

So positiv eine obligatorische Krankenpflegeversicherung erst einmal klingt: Der Teufel liegt im Detail. Attraktive Prämienprogramme und unterschiedliche Zusatzleistungen machen die Angebote einiger Krankenkassen in der Schweiz attraktiver. Ein individueller Vergleich ist dabei sinnvoll, da die Attraktivität der Angebote oft für unterschiedliche Lebenssituationen sehr verschieden ist.