Wie Roland Bernhard die vorzeitige Verlagerung des Leonberger Kreißsaals nach Böblingen begründet. Eine Analyse, auch von Mehrheitsverhältnissen in den Kreisgremien.
Die urplötzlich verkündete Schließung der Geburtshilfe im Leonberger Krankenhaus zum Ende des März hat neben all dem Frust und der Wut in der Bevölkerung und in der Kommunalpolitik noch eine spannende Frage aufgeworfen: Können ein Aufsichtsratsvorsitzender – in Gestalt von Landrat Roland Bernhard – und ein Geschäftsführer in persona Alexander Schmidtke einfach so das Aus für ein elementares Angebot in einem großen Einzugsgebiet beschließen? Ganz ohne Aussprache im Kreistag und ohne entsprechenden Mehrheitsbeschluss?
Der Landrat ist ein routinierter Politprofi. Er weiß, wie man womöglich unschöne Diskussionen, die bei einer Aussprache im Kreistag zu befürchten gewesen wären, elegant umgeht: Vor mehr als einem Jahr hat das Parlament des Landkreises Böblingen ein sogenanntes Medizinkonzept beschlossen.
Die Verlagerung der Klinik ist formal entschieden
Darin enthalten ist die Verlagerung der Leonberger Geburtshilfe nach Böblingen, wenn dort die Flugfeldklinik eröffnet. Nach jetzigem Stand ist das für das letzte Quartal des Jahres 2028 geplant.
Diese Verlagerung, so schlussfolgert Roland Bernhard, ist also formal schon entschieden, sie werde nun lediglich vorgezogen. Und dafür reiche ein entsprechendes Votum des Aufsichtsrates.
Es ist nicht bekannt, ob der nicht unbeträchtliche Zeitraum des Vorziehens, immerhin deutlich mehr als zwei Jahre, im Gremium kontrovers diskutiert wurde. Der Aufsichtsrat tagt nicht öffentlich. Und hinter verschlossenen Türen, das ist wenig verwunderlich, lassen sich gerade umstrittene Themen deutlich leichter auf den Weg bringen.
So dürfte das baldige Ende der einst so hoffnungsvoll gestarteten hebammengeführten Geburtshilfe unabwendbar sein. Damit scheinen jene Pessimisten recht zu behalten, die schon seit Jahren ein kontinuierliches Herunterwirtschaften des Klinikstandortes Leonberg befürchten. „Die guten Leute“, so deren Beobachtung, gehen angesichts mangender Perspektiven oder werden herausgeekelt. Die mentalen wie physischen Belastungen für das verbleibende Personal werden derweil immer größer.
Könnte es beim Krankenhaus eine Trendwende geben?
Dass die wohnortnahe Medizinversorgung der Menschen im Raum Leonberg sowohl im Aufsichtsrat des Klinikverbundes wie auch im Kreistag kein zentrales Anliegen ist, war schon mehrfach zu beobachten. Den Kreisräten aus Böblingen und Sindelfingen ist es natürlich willkommen, wenn sie ein modernes Krankenhaus vor die Tür gestellt bekommen. Die Lokalpolitiker aus Herrenberg wiederum mussten gerade erleben, dass ihr eigenes Krankenhaus quasi mir nichts dir nichts geopfert wurde. Dass sich im Gäu das Mitgefühl für Leonberg in Grenzen hält, ist menschlich sogar nachvollziehbar.
Doch selbst in Leonberg gibt es Kreisräte, die den kompromisslosen Zentralisierungskurs des Klinikverbundes für richtig halten. Politische Mehrheiten für eine Trendwende sind unter diesem Umständen kaum zu erwarten.