In der Ganztagsschule haben Kinder Unterricht – aber nicht nur. Foto: Uwe Anspach/dpa

Die Einführung der Ganztagsgrundschule ist kein einfaches Unterfangen. Das jedenfalls stellen Eltern in Korntal-Münchingen fest. Das Thema treibt sie massiv um.

Die Stadt Korntal-Münchingen führt die Ganztagsschule ein, und das treibt viele Eltern um. Zwar hat ihr Protest bereits dazu geführt, dass die Stadtverwaltung erst ihre Bedarfe abfragt, ehe sie die pädagogischen Konzepte für die Grundschulen weiter erarbeitet. Doch „die Umfrage ist sehr komplex und wirft viele Fragen auf, die teilweise nicht geklärt sind“, stellt Judith Schmid fest. Sie befasst sich seit Wochen mit dem Thema – und hat zum Informationsaustausch eine Whatsapp-Gruppe gegründet, in der sich bereits fast 230 Mütter und Väter vernetzt haben.

Jetzt blicken die Eltern so gespannt wie erwartungsvoll auf die Fragerunden in Münchingen (6. August, 18 Uhr, Mensa) und Korntal (7. August, 18 Uhr, Mensa), zu der sich Schulleitung und Stadtverwaltung nach eigener Aussage „kurzfristig“ entschieden haben. Was die Eltern überrumpelt, berichtet Judith Schmid: „Die Kurzfristigkeit gibt ihnen kaum Zeit, sich vorzubereiten, zumal der Termin in den Schulferien liegt“, sagt sie, selbst Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Sie sammelt die Fragen von Eltern, die nicht teilnehmen können.

Judith Schmid befasst sich seit Wochen intensiv mit dem Thema Ganztagsschule. Foto: privat

„Die Angebote der offenen Fragerunden sind eine Idee der Schulleitungen, nachdem viele Fragen und auch Verunsicherungen an diese herangetragen wurden“, erläutert die Rathaussprecherin Benita Röser. Die Eltern würden so die Möglichkeit erhalten, ihre Fragen direkt an die Beteiligten zu richten und sich im Dialog auszutauschen – „nachdem sie sich auch durch die Umfrage bereits intensiv mit dem Thema Ganztagsschule beschäftigt haben“.

Ganztagsschule kommt ein Jahr später

Viel Klärungsbedarf, so Schmid, hätten die Eltern wegen der Umfrage. In Kombination mit den Infoveranstaltungen im Juli würden weitere Fragen aufkommen: „Themen, die man teilweise ohne Kenntnis der Bedarfe für Korntal und Münchingen nicht antragskonform beantworten kann.“ Die pädagogischen Konzepte seien schon sehr weit ausgeprägt und in einigen Fällen nicht mehr auf dem neusten Stand – „im Vergleich mit dem Konzept, wie es die Universität Heidelberg für das ab 26/27 geltende Recht auf Ganztag als Basis des Antrags vorsieht“. Die Eltern hätten die Zeit genutzt, sich mit „diesem aus meiner Sicht genialen Konzept der Uni“ auseinanderzusetzen.

Korntal-Münchingen plant mit der Ganztagsschule ab dem Schuljahr 27/28. Bis dahin erfüllt die Stadt den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für zunächst Erstklässler über den Hort. Ihren Antrag muss die Kommune spätestens zum 1. Oktober 2026 beim Schulamt einreichen, das ihn binnen eines Jahres prüft. Der Antrag muss unter anderem das jeweilige pädagogische Konzept zur Umsetzung des Ganztagsbetriebs enthalten. Als Richtschnur gilt der „Qualitätsrahmen Ganztagsschule Baden-Württemberg“ des Kultusministeriums. Er entstand „in enger Abstimmung“ mit Anne Sliwka, Bildungswissenschaftlerin und Professorin an der Uni Heidelberg. Sie stellt die Kinder und ihre Lebenschancen in den Mittelpunkt aller professionellen Entwicklungen.

Der Optimismus bleibt

Judith Schmid gibt sich trotz der Herausforderungen optimistisch. Sie setze auf Zusammenarbeit, „weshalb ich auch versucht habe, die Entscheidungsträger zeitnah auf Ungereimtheiten aufmerksam zu machen“. Die Verwaltung habe die Thematik des Rechtsanspruchs jetzt erst an die Betroffenen gebracht. Deshalb sei das Tempo „sehr hoch und erfordert ein Umdenken, wenn man mit den Anträgen wenigstens für 27/28 erfolgreich sein will“.