Exakte Handarbeit ist gefragt: Katrin Hübner (links) und Judith Klett-Schmidt beim Auffrischen der großen Skulptur. Foto: Gottfried Stoppel

Die große Skulptur vom Korber Kopf soll im Haus der Geschichte gezeigt werden. Weil sie aber mit zwei Tonnen zu schwer ist, arbeiten Ehrenamtliche und Geflüchtete jetzt an einem kleineren Werk.

Aus Groß mach Klein – vor dieser Herausforderung steht eine Gruppe Kreativer um den Korber Freundeskreis Asyl-Integration-Vielfalt. Ihr vor fünf Jahren für den Skulpturenrundweg am Korber Kopf geschaffenes Kunstwerk „Hand in Hand auf neuen Wegen“ soll in der im Oktober beginnenden Ausstellung „Liebe“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg gezeigt werden.

Es entsteht ein zweites Kunstwerk

Eine schöne Anerkennung, freut sich Ruth Messer vom Organisationsteam, doch die große Skulptur aus Porenbeton wiegt mit einem Sockel von 1,80 auf 1,80 Metern und einer Höhe von 2,50 Metern rund zwei Tonnen und ist damit viel zu schwer für das Museum. Auf dem Betriebshof der Gemeinde am neuen Friedhof in Korb laufen deshalb die Arbeiten am Fortsetzungsprojekt: Unter der künstlerischen und handwerklichen Leitung von Jo Nagel aus Althütte entsteht ein zweites Kunstwerk, das mit einem Sockel von 0,8 auf 0,8 Metern und etwa 1,20 Metern Höhe deutlich kleiner ist.

Was später den Transport und die Platzierung in der Sonderausstellung leichter macht, verlangt jetzt von den Ehrenamtlichen besondere Präzision beim Übertragen der Schriften und Symbole. „Die Kanten müssen viel schärfer sein“, erklärt Jo Nagel, „damit die Zeichen auch auf der kleineren Fläche gut zu erkennen sind.“ Das bedeutet exakte Handarbeit mit Säge, Raspel und Stechbeitel für Rose Schaaf, Katrin Hübner, Judith Klett-Schmidt und Daniela Lüdecke, die mit Jo Nagel sowie Bleon und Jamal, zwei Jugendlichen aus dem Kreis der in Korb lebenden Geflüchteten, an beiden Kunstwerken arbeiten. Denn gleich neben der neuen, kleineren Skulptur wird die große neu mit Wandfarbe bemalt und soll dann im Herbst vor der katholischen Kirche in Korb einen neuen Platz erhalten.

Das Thema Liebe spielt eine große Rolle

Das Kunstwerk stehe beispielhaft für ehrenamtliches Engagement und gelungene Integration im Land, sagt Sebastian Dörfler vom Haus der Geschichte. „Wir legen das Thema Liebe ja eher weit aus“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter und Kurator der Ausstellung, „da gehören dann auch Solidarität und Gemeinschaft dazu.“ Und genau für eine solche Willkommenskultur fänden sich in der Symbolik des Kunstwerks aus Korb jede Menge Hinweise, die zum Thema der Ausstellung passend seien.

Ausgehend von einem X als Grundform haben Kriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak sowie Bürgerinnen aus Korb vor fünf Jahren eine Kopfskulptur aus zwei sich verflechtenden Mauerteilen geschaffen, deren vier Seiten zu den Themen Friede, Gemeinschaft, Liebe und Hand in Hand gestaltet worden sind. „Da stecken viele persönliche Gedanken, Ideen und Erfahrungen drin“, erzählt Rose Schaaf vom Freundeskreis, die bereits im Jahr 2017 zur Kreativgruppe gehört hat und jetzt wieder dabei ist.

Ein Zeichen des Friedens

Die stilisierte Wiege ist so ein Beispiel – zum einen Zeichen des Friedens, zum anderen Ausdruck der Hoffnung und Erinnerung daran, dass bei der Arbeit 2017 in Jamals Familie das jüngste der sechs Kinder zur Welt gekommen ist. Und weil sein Vater an diesem Sonntag nicht kann, steht jetzt Jamal mit Walze und Pinsel vor dem Kunstwerk und setzt dieses Engagement fort.

Das Wort „Syrien“ steht auf der Seite, an der Jamal gerade weißelt, links davon ein Boot mit einem Ausrufezeichen als Mast und einem Fragezeichen als Segel. „Viele Flüchtlinge sind mit dem Boot zu uns gekommen“, erklärt Rose Schaaf, „und sie haben Menschen ertrinken sehen.“ Doch die Hoffnung überwiege, Schmetterlinge und Zweige seien Zeichen dafür.

Anfang August wird Rose Schaaf mit George Nakoul und Rami Marrawi für Interviews zu Sebastian Dörfler ins Haus der Geschichte fahren. Die beiden Syrer, der eine aus einem christlichen, der anderen aus einem muslimischen Dorf, haben in Korb eine neue Heimat gefunden und erzählen über ihr Ankommen und über die Arbeit an dem Kunstwerk. Die Interviews werden dann, ergänzt durch Fotos, ebenfalls in der Ausstellung gezeigt.

Ein Ausdruck der Hoffnung

„Besonders schön war für mich“, hat Rami Marrawi vor fünf Jahren in der Broschüre geschrieben, „dass wir unsere Geschichte in den Stein hauen konnten.“ Alle Seiten der Skulptur sind mit einem umlaufenden Band am Sockel verbunden, auf dem Hände und Efeu Ausdruck der Hoffnung sein sollen, dass die Gemeinschaft über Krieg und Hass siegt.

Trilogie der Emotionen

Landesausstellung
„Liebe. Was uns bewegt“ ist der Titel der großen Landesausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, die vom 14. Oktober bis 23. Juli 2023 zu sehen sein wird. Sie ist der abschließende Teil der Ausstellungstrilogie zu den drei Emotionen „Gier. Hass. Liebe.“ Und sie will laut Ankündigung zeigen, „wie Liebe die Menschen im Land zusammenhält und stärkt, aber auch verboten oder fanatisch sein kann“.

Wirkung von Liebe
Die Geschichten erzählen vom Kampf gegen Vorurteile und von Zeichen der Hoffnung, von Liebe über soziale oder politische Grenzen hinweg und von blinder Vaterlandsliebe. Die Ausstellung fragt auch nach der gesellschaftlichen Wirkung von Liebe: Wie hilft sie gegen Ausgrenzung und Entwertung von Menschen? Wie stärkt sie Gerechtigkeit und freiheitliche Werte? Und wie kann sie vor Spaltung und Zerfall schützen?