Kultur und Tourismus scheinen wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch in Ludwigsburg. Den Verantwortlichen schwant jedoch nichts Gutes.
Der Job von Mario Kreh war schon mal einfacher – und mehr Spaß gemacht hat er dem Chef der Tourismus und Events Ludwigsburg (TELB) auch schon mal. Auf Stadtfeste strömen die Menschen zwar wieder, Angst davor, sich dort mit Corona anzustecken, scheint niemand mehr zu haben. Gleiches gilt für Konzerte im Freien, und auch drinnen ist man einigermaßen sorglos – und zur Normalität zurückgekehrt.
Die Konzerte, die eigentlich schon vor zwei Jahren hätten stattfinden sollen und nun nachgeholt werden, sind auf dem Papier meist ausverkauft. Tatsächlich bleiben an den Abenden dann zwar meist einige Plätze frei, aber das sei überschaubar, sagt Kreh. „Allerdings gibt es bei den Events, die jetzt in den Vorverkauf gehen, eine gewisse Zurückhaltung“, konstatiert Kreh. Das sei nicht nur in Ludwigsburg so.
Was passiert im Herbst?
Über die Gründe können die Veranstalter nur mutmaßen. Neben der Angst vor Covid, spielten auch die generellen Preissteigerungen eine Rolle, glaubt Kreh. „Wenn ich nicht weiß, wie ich mit dem Heizen durch den Winter komme, dann tue ich mich mit Konzertkarten natürlich schwer.“ Gleiches gelte für diejenigen, die bereits fünf Tickets für Events in der Schublade liegen hätten, die noch nachgeholt werden sollen.
Die TELB visiert 80 bis 100 Veranstaltungen pro Jahr in der MHP-Arena an. Auch wenn bis in den März fast nur Sport stattfand, gingen im ersten Halbjahr 48 Events über die Bühne. „Stand jetzt, würden wir unser Ziel erreichen“, sagt Kreh. Den Konjunktiv wählt er dabei bewusst, denn er und seine Kollegen blicken bereits einigermaßen besorgt in den Herbst – und darüber hinaus in die nahe Zukunft. „Bis vor zwei, drei Jahren waren die Probleme, die wir hatten hausgemacht“, sagt Kreh. Was er meint: Die städtische Tochter war insgesamt nicht gut aufgestellt. Der Terminkalender war unzureichend gefüllt, die touristischen Angebote reichten nicht aus, im Team stimmte es auch nicht. Immerhin: an all dem konnte man arbeiten, die Probleme waren greif- und lösbar. Mittlerweile sieht Kreh den Betrieb eigentlich auf einem guten Weg. Was aber im Herbst passiert, das weiß niemand.
Steigen bald die Ticketpreise?
Mit Revolverheld hat die erste namhafte deutsche Band ihre Tour für das kommende Jahr schon jetzt abgesagt – weitere könnten folgen. „Das kann schon Unsicherheit schüren“, sagt Kreh. Die TELB kann die Arena oder das Forum aber nicht einfach billiger an die Veranstalter vermieten, will sie weiterhin einigermaßen kostendeckend arbeiten. Folglich werden über kurz oder lang die Ticketpreise steigen. Welche Auswirkungen das auf die Künstlerszene hat, ist noch nicht absehbar. Kreh und Kollegen werden deshalb künftig genauer hinschauen, welche Veranstaltung sich rentiert und welche nicht. Zumal hybride Formate immer wichtiger werden und stärker nachgefragt sind. Die Abwägung für oder gegen Events hängt auch damit zusammen, dass die Dauerschäden, die Corona hinterlassen hat, immer deutlicher zutage treten.
Festmachen kann man das insbesondere beim Personal. Vor allem in der Veranstaltungstechnik hat die Krise ihre Spuren hinterlassen. Viele Beschäftigte, auch Freischaffende, arbeiten inzwischen in einer anderen Branche. So viele Veranstaltungen wie vor Corona zu stemmen, sei derzeit nicht möglich, sagt Kreh. Seine Mitarbeiter müssten deshalb deutlich mehr leisten. Während anderswo Konzerte und Co. wegen fehlendem Personal – Probleme gibt es etwa mit der Security oder dem Catering – komplett abgesagt wurden, konnte man das in Ludwigsburg bislang verhindern. „Aber wir müssen uns darauf einstellen“, sagt der TELB-Chef.
Engpässe, Preissteigerungen und Corona als Unsicherheitsfaktoren
MHP-Arena
Die steigenden Energiepreise könnten bei der MHP-Arena dazu führen, dass sich die Neuanschaffungen früher amortisieren als geplant. Vor Kurzem wurde damit begonnen, die Lichtanlage auf LED umzurüsten, um Energie zu sparen – auch das Lautsprechersystem wird erneuert. Lieferschwierigkeiten habe es bislang nicht gegeben, so Mario Kreh. „Aber wir hoffen jeden Tag, das alles klappt.“
Forum
Kleinere Maßnahmen wie bei der Dimmerbeleuchtung, in der Küche oder an den Bühnenzügen sind erledigt. Nun wird an vielen Stellen im Forum am Schlosspark überprüft, wo dringend grundlegender saniert werden muss. Kreh rechnet im Spätherbst mit einer ersten Kostenschätzung. Die Bauarbeiten sollen frühestens im Sommer 2025 beginnen.
Weihnachtsmarkt
Die Planungen laufen. Stand jetzt gibt es genügend Bewerber. Garantieren, dass der Weihnachtsmarkt stattfindet, kann und will Mario Kreh nicht. Man plane „mehrgleisig“.