Gegen 11 Uhr fand gestern das Abschlusskonzert vor dem Haupttor der Kommandozentrale Africom in den Kelley Barracks statt. Bereits ab 6 Uhr blockierten Demonstranten die Einfahrt. Foto: dpa Quelle: Unbekannt

Stuttgart (red) - Orchestermusiker und Sänger des Netzwerks Lebenslaute haben gestern Vormittag mit einer Konzertmahnwache alle Zufahrten zur US-Kommandozentrale für Afrika (Africom) in Möhringen blockiert. Nach Angaben der Friedensaktivisten richtete sich die Aktion mit dem Titel „Schlussakkord dem Drohnenmord“ gegen die Drohneneinsätze der Vereinigten Staaten in Afrika.

Bereits ab 6 Uhr blockierten die Demonstranten die Zufahrten. Das Problem: Die Kundgebung war erst ab 10 Uhr angemeldet gewesen. Da der Eingang in der Ohnholdtstraße zugleich ein Rettungsweg ist, wurde die dortige Versammlung geräumt. Rund 35 Personen, die sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht entfernten, mussten von den Einsatzkräften weggetragen beziehungsweise weggeführt werden. Durch Verkehrsteilnehmer, die aufgrund der Blockade nicht in die Kaserne einfahren konnten, kam es zu erheblichen Staus. Die weitere Kundgebung verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ihr Ziel hat die Gruppe Lebenslaute dennoch erreicht. „Uns ist wichtig, die Zugänge zu dem Lager zu stören“, sagte Sprecher Marcus Beyer. „Hier in der Africom werden Menschen auf Todeslisten gesetzt und dann aus der Entfernung angegriffen. Wer sich in der Nähe des mutmaßlichen Terroristen aufhält und getroffen wird, der gilt als Kollateralschaden.“ In Afrika würden Menschen ohne Gerichtsverfahren getötet. „Das ist gegen das Völkerrecht, gegen das Grundgesetz.“

Einer der Demonstranten, Gerald Williams, ist selbst US-Bürger und singt im Chor der Aktion. Er kritisierte, die USA gäben in der internationalen Politik den Ton an, und die deutsche Regierung mache stillschweigend mit. „Dabei plant die Bundeswehr, sich in Zukunft selbst Drohnen anzuschaffen“, so der 74-Jährige aus Brandenburg.

Lebenslaute

Unter dem Namen Lebenslaute engagieren sich seit 1986 bundesweit Musiker einmal jährlich in Chor- und Orchesterstärke. Ansonsten sind sie regional in kleineren Ensembles im Einsatz. Als offene Aktionsgruppe bringen sie überwiegend klassische Musik gerade dort zum Klingen, wo dies nicht erwartet wird: auf Militärübungsplätzen und Abschiebeflughäfen, vor Atomfabriken und Raketendepots. Die Idee entstand Mitte der 80er-Jahre auf einer Demonstration gegen die Stationierung der Pershing II Raketen in Deutschland. Weitere Infos unter www.lebenslaute.net.

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