Wer kommt in Flixbussen so alles über die Grenze nach Kornwestheim – und was haben die Passagiere dabei? Das haben Polizei und Zoll am Montag überprüft – mit erfreulichem Ergebnis.
Keine Drogen, keine Hehlerware, keine illegalen Grenzgänger – „nur“ zwei Verstöße gegen das Waffengesetz und zwei unerlaubte Waren aus dem Ausland. Das ist die Bilanz einer groß angelegten Kontrollaktion von Polizei und Zoll von drei Flixbussen mit Zielort Kornwestheim. Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb wertet die Polizei die Aktion als Erfolg.
Gleich geschafft. Noch ein paar Minuten sind es bis zur Kornwestheimer Fernbus-Haltestelle, bevor es weitergeht nach Berlin. Doch zu früh gefreut: Auf einmal biegt der Reisebus rechts ab, gelotst von einem Motorrad der Polizei. Vor einem Großaufgebot von Polizisten, ein paar Diensthunden und reichlich Streifenwagen hält der Bus schließlich an – und dann heißt es: aussteigen, mitkommen, abwarten.
Grenzüberschreitende Busse im Visier
Was für die Passagiere diverser Flix-Reisebusse am Montag eine eher unerfreuliche Abwechslung gewesen sein dürfte, ist aus Sicht der Polizei ein wichtiger Schritt, mehr Licht in das „Dunkelfeld“ des doch sehr regen Fernreiseverkehrs zu bringen, der regelmäßig Kornwestheim passiert. Über allem steht die Frage: Sind das nur harmlose Reisende, oder haben manche von ihnen mehr auf dem Kerbholz?
„Uns interessieren vor allem die grenzüberschreitenden Busse, die mehrere Länder durchqueren“, erklärt Jan Farger, Leiter des Polizeireviers Kornwestheim. „An der Grenze werden die Fahrzeuge oft schon kontrolliert, aber eher oberflächlich.“ Vieles laufe da eher stichprobenartig. Am Montag aber wird wirklich alles auf Herz und Nieren geprüft.
Ob Waffen, Drogen, gefälschte Ausweise oder ausstehende Haftbefehle: Jeder Passagier und jedes Gepäckstück werden genauestens durchleuchtet – im Falle des Gepäcks sogar im wahrsten Sinne: mithilfe eines mobilen Scanners, wie man ihn vom Flughafen kennt. Bereits im Vorfeld schnuppern die drei Diensthunde einmal alles gründlich ab, um Drogen oder Sprengstoff aufzuspüren. Sogar die Verkehrstüchtigkeit des Busses und die Busfahrer selbst, ob zum Beispiel die Ruhezeiten eingehalten wurden, werden kontrolliert.
Der erste Bus, den es erwischt, kommt gerade aus Frankreich und ist auf dem Weg nach Berlin. Mit nur 20 Passagieren ist er verhältnismäßig leer. „Das wissen wir vorher natürlich nicht, deshalb sind wir immer mit ausreichend vielen Kolleginnen und Kollegen vor Ort“, erklärt Jan Farger. Schließlich weiß man auch nie, wie die Menschen reagieren, wenn sie plötzlich von der Polizei aus dem Bus gelotst werden, ihre Ausweise und ihr Gepäck vorzeigen müssen.
„Die Verständigung ist auch nicht immer einfach“, so Farger. Denn die Reisenden kommen oft aus den unterschiedlichsten Ländern. „Ich bin richtig begeistert, dass wir mit unseren 60 Kollegen allein acht Sprachen abdecken konnten, damit hatte ich gar nicht gerechnet.“ In diesem Fall ist vor allem Polnisch gefragt, es ist die Muttersprache der Busfahrer.
In diesem Fall verläuft zum Glück alles friedlich. Ja, nicht mal Beschwerden kommen dem Revierleiter zu Ohren. „Obwohl ich das durchaus nachvollziehen könnte“, ergänzt er. Schließlich dauere die Kontrolle selbst bei einer so kleinen Gruppe ungefähr eine Stunde, bei einem vollen Bus oder wenn es etwas zu beanstanden gibt, deutlich länger.
Erste Kontrolle komplett ohne Beanstandungen
„Das stößt bei den Mitfahrenden auf nicht viel Gegenliebe“, weiß Steffen Grabenstein, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Und auch die Busfahrer können sich wahrlich Schöneres vorstellen. Das kann der Fahrer des betroffenen Flixbusses nur bestätigen. Für ihn ist es die erste Kontrolle in dieser Größenordnung. „Für die Reisenden ist das natürlich unschön“, sagt er. „Wir haben jetzt eine Stunde und 15 Minuten Verspätung – und am Bahnhof warten schon die nächsten Passagiere auf uns.“
Immerhin: Nach der genannten Stunde ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Und zu beanstanden gibt es: nichts. Überhaupt nichts. Selbst der Bus ist tipptopp in Ordnung, und die Busfahrer, die sich abwechseln, haben die Ruhezeiten vorbildlich eingehalten. Ist das dann also eine erfolgreiche Kontrolle oder eher ein Reinfall? Aus Sicht der Polizei ist die Antwort klar: „Eigentlich ist das doch der Idealfall, wenn es nichts zu beanstanden gibt und sich alle an die Vorschriften halten“, findet Steffen Grabenstein.
Zwei illegale Messer dabei
Die Kontrollen am Nachmittag verlaufen ähnlich unspektakulär. Vor allem die Busse sind, bis auf zwei kleinere Mängel, völlig in Ordnung. Zwei Passagiere haben sich im Ausland allerdings ein paar Vapes gekauft, also E-Zigaretten. Die sind in Deutschland nicht grundsätzlich illegal. Diese speziellen Vapes sind aufgrund der größeren Füllmenge hier allerdings nicht zulässig. Der Zoll kümmert sich jetzt darum.
Die einzigen etwas größeren Verstöße betreffen das Waffengesetz. Zwei Mitreisende haben Messer dabei. Grundsätzlich dürfen in Bussen keine Messer getragen werden, in diesem Fall aber dürfen bereits die Waffen an sich, ein Springmesser und ein Einhandmesser, in Deutschland gar nicht geführt werden. Die Betreffenden erwartet jetzt eine dreistellige Geldstrafe.