Ein Uhu hat seine Leibspeise auf dem Pfosten schon fast zwischen den Krallen. Foto: factum/Andreas Weise

In Mannheim konkurrieren ein Uhu, drei Falken und eine Ringeltaube um einen Nistplatz im Turm der Konkordienkirche.

Mannheim - Seit fast 30 Jahren schon nisten im Turm der Mannheimer Konkordienkirche regelmäßig Wanderfalken und ziehen dort ihre Jungen groß. Nicht schlecht staunte der Naturschutzbeauftragte der Stadt, Gerhard Rietschel, daher, als dort Ende Dezember auf einmal ein Uhu auftauchte und den bisherigen Mietern ihren Platz streitig machte. „Doch der Uhu ist der Chef“, erklärt Rietschel. „Gegen ihn ziehen die Wanderfalken den Kürzeren. Sie mussten weichen.“

Ein Uhu wechselt die Konfession

Nicht schlecht staunte man auch in der evangelischen Stadtkirche, als klar wurde, wo der neue Bewohner herkam: Der war, ausweislich des Rings an seinem Fuß, im vergangenen Jahr auf dem Südostturm des weltberühmten, bekanntermaßen katholischen, Doms zu Speyer auf die Welt gekommen. Mit dem Umzug über den Rhein in das nur etwa 20 Kilometer entfernte Mannheim hatte er nicht nur den Wohnort sondern auch die Konfession gewechselt. Anne Ressel, die Gemeindepfarrerin von Konkordien, wollte sich zwar über den Neuzugang im Kirchenbuch nicht allzu lauthals freuen, aber ein fröhliches Lob konnte sie sich nicht ganz verkneifen: „Ein konvertierter Uhu ist der beste Uhu der Welt“, verkündete sie in einer Pressemitteilung.

Lautstarke Balz im Kirchturm

Schon im Januar gesellte sich dann ein Weibchen zu dem jungen Männchen. „Er hat gebalzt wie ein Wilder und sich gar nicht mehr eingekriegt, tagelang war Geschrei“, schildert Rietschel, der das Treiben dank der schon lange im Turm installierten Kamera gut beobachten konnte. Er habe seine Angebetete verwöhnt, sie mit Beute versorgt. Das Weibchen habe ihn im Gegenzug „ziemlich schlecht behandelt“; doch das sei nicht unüblich bei Uhus, versichert der Experte. Seit Anfang Februar ist das Weibchen dann allerdings nie mehr im Kirchturm gesichtet worden. Wo es abgeblieben sein könnte, weiß keiner. Allzu große Hoffnungen, dass es nochmals auftaucht, hat Rietschel nicht. „Es ist gut möglich, dass es nicht mehr lebt und an einer vergifteten Ratte gestorben ist, die ja an vielen Stellen in der Stadt bekämpft werden“ erklärt er.

Turmfalken wollen den Turm besetzen

Der junge Uhu hingegen hat die Hoffnung auf die Rückkehr seiner bisherigen oder die Ankunft einer neuen Partnerin noch nicht aufgegeben. „Er kommt fast jede Nacht im Turm vorbei und ruft“, berichtet Rietschel. Doch inzwischen hat er dort Konkurrenz bekommen: Während des Tages bevölkern seit Kurzem zwei Turmfalken den Nistplatz in dem mit 96 Metern Höhe höchsten Kirchturm Mannheims. „Sie wollen den Platz übernehmen und paaren sich schon“, hat Rietschel beobachtet. Vor einigen Tagen ist dann auch der alte „Besitzer“, der Wanderfalke, der den Nistplatz zu Konkordien in den vergangenen drei Jahren innehatte, wieder vor Ort aufgetaucht und hat die Turmfalken in die Flucht geschlagen. Zu guter Letzt hat sich nun sogar noch eine Ringeltaube eingefunden, die offenbar auch gern mit Blick auf die Mannheimer City brüten würde.

Unruhige Wochen um den heiß begehrten Nistplatz

Mit einer Artgenossin, die sich dort vor einigen Jahren einnisten wollte, haben die Wanderfalken nach Angaben Rietschels damals kurzen Prozess gemacht. Es könnten also unruhige Wochen werden rund um die heiß begehrte Turmwohnung. Falls der Uhu noch ein Weibchen findet, sähe es vermutlich nicht allzu gut aus für die anderen Interessenten. „Die Wanderfalken würden wohl an den Fernsehturm ausweichen, da ist noch ein Nistplatz frei“, erklärt der Naturschutzbeauftragte: „Es ist ein Krimi; wer da am Ende die Oberhand behält, weiß man noch nicht.“ Weitaus friedlicher geht es derweil in Speyer zu. Dort haben die Eltern des Mannheimer Uhus allem Anschein nach wie gewohnt ihr Paarungsgeschäft gestartet, berichtet Sven Ofer, der dortige ehrenamtliche Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfzell.