Foto: pixaby/Inactive account – ID 472 - pixaby/Inactive account – ID 472

In der Regel wird eine Wohnung zweimal übergeben: beim Einzug und beim Auszug. Während der Einzug ein freudiges Ereignis ist, auf das man hin fiebert, weil man endlich den Schlüssel in den Händen halten will, ist der Auszug manchmal mit Bauchschmerzen verbunden. Je nachdem, wie lange man als Mieter in den vier Wänden gewohnt hat, macht man sich Gedanken über eventuelle Mängel und Abnutzungserscheinungen und befürchtet, dass der Vermieter diese mit der Kaution verrechnet und man nicht sein ganzes Geld wiederbekommt.

Privater Vermieter oder Hausverwaltung?

Ob es Probleme gibt, hängt manchmal davon ab, ob man bei einem privaten Vermieter untergekommen ist (die häufig Altbauten vermieten) oder mit einer Wohnungsbaugesellschaft oder einer Hausverwaltung zu tun hat.

Bei einer Hausverwaltung und größeren Wohnungsgesellschaften läuft die Übergabe der Mietsache in der Regel professionell ab. Als Mieter kann man sich darauf verlassen, ein Übergabeprotokoll zu bekommen. Dadurch sind beide Seiten abgesichert und können sich auf das Papier im Zweifelsfall berufen. Die Grand City Property fasst in ihrem Ratgeber zur reibungslosen Wohnungsübergabe kurz zusammen, was es zu beachten gilt.

Ein privater Vermieter verzichtet unter Umständen auf ein Protokoll. Um sich für die Zukunft abzusichern, sollte trotzdem eines angefertigt werden.

Ein Übergabeprotokoll anfertigen

Auch wenn es zum Thema Übergabeprotokoll keine gesetzlichen Vorschriften gibt und man die Anfertigung nicht einklagen kann, ist es jedoch immer sinnvoll, auf das Ausfüllen zu bestehen. Oft befindet sich im Mietvertrag eine entsprechende Klausel, auf die man sich berufen kann. Nur anhand des Protokolls kann man im Nachhinein nämlich beweisen, in welchem Zustand die Mietsache war. Je detaillierter das Protokoll gestaltet ist, umso besser. Die folgenden Informationen sollten mindestens enthalten sein:

- Wie lauten die Zählerstände von Wasser, Heizung, Gas und Strom?

- Welche Schlüssel wurden übergeben, sind sie vollzählig?

- Sind die Heizungen, Wasserhähne usw. funktionsfähig?

- Sind die Wände und Böden in Ordnung oder muss gestrichen werden?

- Funktionieren Türen, Fenster und Türschlösser?

Am besten nutzt man ein Muster, etwa vom Mieterschutzbund.

Die Übergabe sollte man zeitlich so planen, dass ausreichend Zeit für eventuell noch notwendige Reparaturen oder Renovierungen bleibt. Erst nachdem die Wohnung ausgeräumt wurde, lässt sich feststellen, welche Mängel oder Schäden vorhanden sind. Will eine der Parteien partout kein Protokoll unterschreiben, kann es auch gemeinsam mit einem Zeugen erstellt und durch Fotos dokumentiert werden.

Wer haftet für Mängel und Schäden in und an der Wohnung?

Der Vermieter ist in der Pflicht, die Wohnung in einem vertragsgemäßen Zustand zu erhalten, während er sie vermietet. Er haftet für Mängel an der Mietsache, sowohl für solche, die bei der Übergabe bereits vorhanden sind, als auch für die, welche erst später auftreten. Damit er das tun kann, muss ihn der Mieter jedoch auch auf alle Mängel unverzüglich hinweisen. Dazu ist er laut BGB verpflichtet, da der Vermieter sonst keine Möglichkeit hat, von einem Mangel an einem vermieteten Objekt überhaupt zu erfahren. Verschweigt der Mieter einen Schaden und steht damit der Instandhaltung im Weg, kann er auch keine Schadensersatzansprüche oder Mietminderung geltend machen.

Für Schäden, die durch seine Nutzung verursacht wurden, haftet der Mieter – aber nur teilweise. Die normalen Abnutzungserscheinungen muss er nicht beseitigen, wenn sie durch den „vertragsgemäßen Gebrauch“ entstanden sind. Die Klauseln bezüglich der Schönheitsreparaturen im Mietvertrag müssen natürlich beachtet werden. Ein Mieter kann nicht nach zehn Jahren Mietdauer ohne jegliche Renovierung ausziehen – ebenso wenig kann ein Vermieter nach zwei Jahren verlangen, dass alle Räume renoviert werden.

Diese Gebrauchsspuren müssen nicht beseitigt werden

Wenn ein Mieter auszieht, fallen Vermieter manchmal aus allen Wolken, denn die Wohnung befindet sich in einem Zustand, den sie nicht hinnehmen wollen. Kratzer auf dem Parkett, Nasen vom Streichen oder angegraute Armaturen sorgen für Diskussionen. Es ist jedoch klar, dass ein Mietobjekt durch das Bewohnen abgenutzt wird, sodass Vermieter nach einiger Zeit bestimmte Objekte erneuern oder instandsetzen müssen. Solche Gebrauchsspuren müssen also hingenommen werden:

1. Selbst streichen, anstatt einen Maler zu beauftragen

Dass Räume in bestimmten Abständen gestrichen werden müssen, ist klar. Niemand kann den Mieter jedoch dazu verpflichten, für diese Aufgabe einen professionellen Maler zu engagieren – er kann die Aufgabe in Eigenregie übernehmen.

2. Kratzer im Fußboden

Möbel, Schreibtischstühle und das „ganz normale Leben“ hinterlassen auch auf einem Boden ihre Spuren. Kratzer, Dellen oder Druckstellen gehören jedoch zur normalen Abnutzung und müssen vom Mieter nicht korrigiert werden. Gibt es allerdings grobe Spuren wie Brandlöcher, dann sieht das Ganze schon anders aus. In diesen Fällen muss der Mieter ausbessern. Ein grober Schaden an der Mietsache ist jedoch ein Fall, für den die Versicherung des Mieters einspringt. Sie muss nur zeitnah benachrichtigt werden, wenn das Malheur passiert ist.

3. Spuren an Armaturen und Einrichtungsgegenständen

Mit der Zeit nutzen sich die Dinge ab, es bleiben hartnäckige Kalkspuren zurück oder es fehlt irgendwo ein Teil. Das ist je nach Mietdauer ganz normal und muss vom Vermieter hingenommen werden. Das gilt ebenfalls für Spuren im Bad wie schadhafte Fugen oder kleine Kratzer.

4. Was bedeutet besenrein?

Besenrein ist ein gern gewählter Begriff, um den Zustand bei der Übergabe zu beschreiben. Mieter können ihn wörtlich nehmen und müssen die Wohnung beim Verlassen nur grob fegen. Klebereste müssen entfernt werden, das Putzen der Fenster können sie sich jedoch sparen.

Möchte ein Vermieter Schadenersatz anmelden, dann sollte er die Einzelheiten bei der Übergabe genau protokollieren. Generell funktioniert es mit dem Mietverhältnis am besten, wenn beide Seiten auch die Bedürfnisse des Gegenübers im Auge haben. Mieter sollten eine Wohnung so behandeln, als würde sie ihnen tatsächlich selbst gehören.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: