Gibt es Hoffnung in Krisenzeiten? Der Russland-Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig auch die Fellbacher Friedenskonferenz ist. Foto: dpa/ Oesterle

Der Fellbacher Verein Ndwenga organisiert für 22. Juni die inzwischen sechste Friedenskonferenz. Es geht dabei auch darum, was jeder selbst tun kann für eine harmonischere Welt.

Dass der Fellbacher Verein Ndwenga eine Friedenskonferenz plant und zeitgleich Krieg herrscht, das gab es so noch nicht. Oder doch? Raphael Plato, der die sechste Auflage der Veranstaltung mit Talkgästen federführend organisiert, hat eine differenzierter Meinung. „Es stimmt schon, mit der Ukraine ist der Krieg sehr viel näher gerückt, aber in Afrika haben wir die Situation schon jahrelang“, sagt der 29-Jährige, der sein soziales Engagement quasi in die Wiege gelegt bekommen hat und in die Vereinsarbeit hineingewachsen ist.

Die Mutter ist seit Jahrzehnten integriert und aktiv

Seine Mutter, Cathy Nzimbu Mpanu-Mpanu-Plato, wurde in Kinshasa geboren, kam mit 20 Jahren nach Deutschland und ist mehr als angekommen. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Ndwenga und auch sonst sehr aktiv in Fellbach und dem Rems-Murr-Kreis. Die erste Friedenskonferenz hat sie konzipiert, viele weitere folgten. „Diese erste Konferenz fiel damals in die Fiestawoche. Da hatten wir eine Friedensglocke dabei“, erinnert Raphael Plato. Anfangs hätten sie mit der „Bell Amani Friedens-Stiftung“, einer gemeinnützigen Stiftung des bürgerlichen Rechts, zusammengearbeitet. Die Zusammenarbeit hörte zwar später auf, aber das Engagement für den Frieden blieb, sagt Raphael Plato – der in Fellbach aufwuchs und nun bei Luginsland wohnt.

Wer sitzt auf dem Podium?

Dass er die diesjährige Konferenz organisiert, hat einen besonderen Grund. Das Thema „Welchen Beitrag leistet der Sport für den Frieden?“ liegt ihm am Herzen. „Ich habe lange aktiv Judo gemacht, auch in der ersten Bundesliga. Sport ist mir sehr wichtig und hat mir Frieden gebracht.“ Judo habe ihm Werte wie Fairness, Mut und Ernsthaftigkeit vermittelt. Seine Meinung ist klar: „Sport ist fundamental für den Frieden, weil Sport Persönlichkeiten ausbildet.“ Ein Mensch, der durch eine gute Sportbildung wichtige Werte vermittelt bekommen habe, „kann eine bessere Welt schaffen“, sagt er.

Die Veranstaltung zum Zusammenhang von Sport und Frieden findet am Mittwoch, 22. Juni, von 18.30 bis 21 Uhr im neuen Stadtteil- und Familienzentrum Fellbach statt. In der Veranstaltungsreihe wird jeweils ein Themenschwerpunkt beleuchtet und dessen Beitrag für den Frieden in der Stadt und in der Welt besprochen.

Geplant ist die Friedenskonferenz als Podiumsdiskussion mit Publikum – das sich mit Fragen einbringen kann. Dabei berichten die Gäste in einem moderierten Gespräch über ihre Berührungspunkte und Ansichten zum Thema. Dieses Mal wird Elvira Menzer-Haasis, die Präsidentin des Landessportvereins Baden-Württemberg, auf dem Podium sitzen. „Wir wollen verschiedene Perspektiven abbilden, und auch Fragen aus dem Publikum sollen ermöglicht werden“, sagt Raphael Plato. Nico Russ, Leichtathlet und Unternehmer, der einen nachhaltigen Schuh entwickelt hat, ist auch dabei. „Frieden durch Sport entsteht auch durch nachhaltigen Konsum“, erklärt Raphael Plato, der zudem den Ex-Fellbacher Rüdiger Heid aufs Podium holen konnte. Er hat die Gesamtleitung der interkulturellen Straßenfußball-Liga „Bunt kickt gut“ inne, die jungen Leuten durch Sport eine sinnvolle, friedliche Beschäftigung geben möchte. Sven Heinle, Sportsoldat und Nationalkämpfer im Judo, musste wegen eines Wettkampfs absagen. Stattdessen bereichert nun der Footballer und Sky-Reporter Dennis Bayer die Gesprächsrunde.

Und so sieht der geplante Ablauf der Veranstaltung aus: Die Saalöffnung mit Streetfood ist für 18.30 Uhr geplant, bevor es dann um 18.55 Uhr eine musikalische Begleitung sowie eine Tanzaufführung geben wird. Um Punkt 19 Uhr findet dann die offizielle Begrüßung durch den Verein Ndwenga im Stadtteil- und Familienzentrum statt.

Die Geschichte des Vereins Ndwenga

Der Fellbacher Verein hat sich einst gegründet, um die Schulbildung in Afrika zu unterstützen. In den Jahren 1993 bis 1994 haben sich drei Frauen in Kinshasa (Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo) zusammengeschlossen, um eine Schule zu gründen. Dieses Ansinnen war eine von vielen Antworten auf das immer größer werdende Analphabetentum im Kongo. Die drei Frauen wollten einen Beitrag zur Bildung und somit zur Verbesserung der Lebensumstände vieler Menschen leisten. 1994 erreichte Cathy Nzimbu Mpanu-Mpanu-Plato ein Brief mit der Bitte, zu helfen. Daraufhin war sie auf der Suche nach Mitstreitern, und im November 1996 konnte der gemeinnützige Verein „Lernen mit Zaire“ gegründet werden. Im Jahr 1997, als Laurent Désiré Kabila das Land eroberte und ihm den alten Namen Kongo wiedergab, musste der Name geändert werden – und die Entscheidung fiel auf den Namen der Schule: Ndwenga.

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Auf der Friedenskonferenz von Ndwenga diesen Mittwoch ist für 19.20 Uhr der Start des moderierten Gesprächs zum Thema „Welchen Beitrag leistet der Sport für den Frieden?“ geplant. Die Moderation übernimmt Christian Bauer, im Vorstand des SV Fellbach und diplomierter Sportökonom. „Ich habe mal bei einem Projekt mitgemacht, da war er auch Moderator und hat das dynamisch und locker gemacht. Das wollen wir nun wieder aufleben lassen“, sagt Plato.

Im Anschluss werden Fragen und Beiträge aus dem Publikum beantwortet. Gegen 21 Uhr klingt der Abend mit Musik sowie einem Ständerling aus. „Die Leute können sich dann weiter austauschen. Wir wollen vermitteln, dass jeder im Kleinen einen Beitrag für den Frieden leisten kann“, sagt Plato. „Klar, die Schlagzeilen sind negativ, aber die Welt macht auch viele positive Entwicklungen, dazu wollen wir beitragen.“

Der Verein hat einen Flyer mit den wichtigsten Daten und Fakten erstellt. Er ist unter anderem im i-Punkt Fellbach erhältlich sein. Über eine Anmeldung über den QR-Code auf dem Flyer freuen sich die Veranstalter, da es schwer abzuschätzen sei, wie viele Personen kommen. Die Anmeldung ist unverbindlich und auch kein Zutrittskriterium.