Maximilian Kreft und Barbara Engler sind die neuen Stadträte in den Reihen der Grünen-Fraktion. Beim Gespräch im Café berichten die beiden, warum sie sich kommunalpolitisch engagieren.
Das Gefühl, dass es nicht überall fair und gerecht zugeht, war für Maximilian Kreft ein wichtiger Grund für sein politisches Engagement. Der 20-Jährige ist in Leinfelden-Echterdingen aufgewachsen, hat am Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium Abitur gemacht. Dass dies möglich war, sei keine Selbstverständlichkeit gewesen, erinnert sich Kreft. Er könne nur sehr eingeschränkt sehen. Dass er trotzdem das Gymnasium an seinem Wohnort besuchen konnte, habe er viel eigenem Engagement sowie der Hilfe anderer zu verdanken. Die Inklusion hinke aber noch hinterher, sagt Kreft. Normale Schulen seien oft nicht auf Schüler eingestellt, die besondere Bedürfnisse hätten.
Das Thema Barrierefreiheit ist mit seinen vielen Facetten einer seiner Schwerpunkte, für die er sich einbringen möchte. Darüber hinaus wolle er sich für mehr Angebote für jüngere Bewohner in der Stadt stark machen, beispielsweise für weitere Treffpunkte im öffentlichen Raum. „Junge Leute können sich nicht immer im Café treffen“, sagt er. Und als Grünen-Mitglied liegt ihm natürlich auch der Natur- und Umweltschutz am Herzen.
Mitglied bei den Grünen sei er schon kurz nach dem Abitur geworden. Er ist der Kreissprecher der Grünen Jugend im Kreis Esslingen und studiert derzeit Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Tübingen, wohnt aber weiter in Echterdingen.
Barbara Engler lebt seit 16 Jahren in Leinfelden, zuvor in Musberg. In die Region sei sie über das Studium an der Universität Hohenheim gekommen. Inzwischen arbeitet die 48-jährige promovierte Agraringenieurin und Mutter von zwei Teenagern im Landwirtschaftsministerium in Stuttgart. Sie kann sich noch gut an ihren Entschluss erinnern, sich politisch zu engagieren. Zum einen sei es der Klimawandel gewesen, der immer deutlicher auch in der Region zu spüren war. „Es wird dramatische Entwicklungen geben, wenn man jetzt nicht gegensteuert“, ist sie überzeugt. Die Anpassung der Stadt an die neuen klimatischen Bedingungen sei eine der wichtigen Aufgaben des Gemeinderats. Darüber hinaus sei es das Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland gewesen, das sie zum Parteieintritt bewogen habe. „Man muss auch mal Farbe bekennen“, sagt sie. Sie habe die „Beobachterperspektive“ verlassen wollen.
Von der Arbeit im Gemeinderat haben die beiden neuen Stadträte schon genaue Vorstellungen. Bereits vor der Kandidatur habe man sich mit den Fraktionsmitgliedern im Ortsverband ausgetauscht, berichten sie. Kreft betont außerdem, dass er sich im jüngsten Oberbürgermeisterwahlkampf, bei welchem auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende David Armbruster kandidiert hatte, intensiv mit der Kommunalpolitik befasst habe.
Zu entscheiden gibt es einiges in den kommenden Jahren. „Es wird spannend“, vermutet Engler schon heute. Viel Arbeit findet in einem der beiden Ausschüsse des Gemeinderates, dem Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKS) sowie im Technischen Ausschuss (TA), statt. Während Kreft gerne im VKS mitarbeiten möchte, will sich Engler im TA einbringen. Eine grundsätzliche Frage ist in der Stadt stets die Verwendung der knappen Flächen. Soll Landwirtschaft betrieben, neue Unternehmen angesiedelt oder Wohnungen gebaut werden? Das aktuelle Beispiel der Rötlesäcker verdeutlicht, wie schwierig die Abwägung sein kann. Die Grünen stimmen der Entwicklung des Gewerbegebiets zu, aber nur mit Bauchschmerzen. Kreft ergänzt, dass auch die Frage, wie gebaut werde, ein entscheidender Punkt sei.
Schade findet der 20-Jährige, dass die neue Amtsperiode erst nach der Sommerpause richtig losgeht. Gerne würde sich Kreft sofort in die kommunalpolitische Arbeit stürzen. Er sei optimistisch, die anstehenden Veränderungen gut gestaltet werden können. Dass ihm mit der Gemeinderatswahl nun die Möglichkeit geboten werden, daran aktiv teilzuhaben, erfülle ihn auch mit Dankbarkeit. Ähnlich sieht es Krefts neue Fraktionskollegin Engler: „Ich freue mich und bin gespannt.“
Die Grünen im Gemeinderat Leinfelden-Echterdingen
Fraktion
Die Grünen im Gemeinderat verändern sich mit der neuen Legislaturperiode personell. Im neuen Gremium sind sie mit sechs Räten vertreten. Außer dem Fraktionsvorsitzenden David Armbruster und der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Ingrid Grischtschenko wurden neben Kreft und Engler die
Gemeinderat
Insgesamt gibt es 26 stimmberechtigte Gemeinderäte. Die Stadträte gehören sieben unterschiedlichen Parteien oder Vereinigungen an. Neben den Grünen, der CDU und der SPD gibt es noch zwei Fraktionsgemeinschaften: Die Freien Wähler/FDP sowie die Fraktion L.E. Bürger/Demokratie in Bewegung. pib