Girlpower pur in der queeren Komödie „Booksmart“: Für Molly (Beanie Feldstein, links) und Amy (Kaitlyn Dever) beginnt ein turbulenter Ritt. Quelle: Unbekannt

Mit den Schwul-lesbischen Filmtagen der „Rosa Zwiebel“ fing vor 30 Jahren alles an – heute zählt das Queer-Film-Festival des Kommunalen Kinos Esslingen zu den renommiertesten Szene-Veranstaltungen seiner Art.

EsslingenIn großen Städten wie München oder Berlin sind Queer-Film-Festivals zur Selbstverständlichkeit geworden. Das Angebot an nicht-heterosexuellen Filmen ist groß und das thematische und stilistische Spektrum ist breit gefächert – und das gilt es in solchen Szene-Festivals abzubilden. Das älteste seiner Art in Deutschland steigt alle Jahre wieder in Esslingens Kommunalem Kino. Vor 30 Jahren hatten dort engagierte Film-Liebhaber aus den Reihen der „Rosa Zwiebel“ die ersten Schwul-lesbischen Filmtage aus der Taufe gehoben. Und sie konnten nicht ahnen, dass sie damit den Grundstein für ein Festival gelegt hatten, das heute zu den wichtigsten in der Szene gehört. Mittlerweile ist aus den Schwul-lesbischen Filmtagen das Queer-Film-Festival entstanden, das in diesem Jahr vom 7. bis 13. November steigt.

Im Englischen bedeutet das Wörtchen „queer“ so viel wie „seltsam“ oder „schräg“ – und es wurde gerne genutzt, um homo- und bisexuelle Menschen herabzuwürdigen. Doch die schwul-lesbische Szene hat sich diesen Begriff selbstbewusst angeeignet und ihn damit ins Positive gewendet – auch im Kino. Geschichten aus diesem Genre sind längst gesellschaftsfähig geworden – entsprechend umfangreich und differenziert ist das „queere“ Filmschaffen. Viele dieser Produktionen laufen heute ganz selbstverständlich in Kinos und auf Festivals. Das heutige Selbstbewusstsein zeigt sich auch vor Ort. „Nach gut drei Jahrzehnten kontinuierlicher Arbeit ist das Queer-Film-Festival Esslingen zum festen Bestandteil des örtlichen Kulturangebots geworden, das sich nicht mehr offenen Anfeindungen ausgesetzt sieht und längst auch keine reine Special-interest-Veranstaltung mehr ist“, betonen die Organisatoren: „Angesichts der Stimmung in unserem Lande ist es ein besonderes Bedürfnis, daran zu erinnern, dass diese veränderte Wahrnehmung alles andere als selbstverständlich ist und dass man keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen sollte, um Vielfalt, Buntheit und Akzeptanz zu feiern.“

Was queeres Filmschaffen zu bieten hat, kann man vom 7. bis 13. November im Kommunalen Kino erleben. Die Veranstalter wollen ihrem Publikum ein Forum für gesellschaftlich engagierte, diskussionswürdige und anspruchsvolle Filmkultur bieten und neben ihrem qualitativ hohen Anspruch auch Spaß und kurzweilige Unterhaltung nicht gering schätzen. Einige der Filme werden als Preview noch vor dem offiziellen Kinostart gezeigt, andere ganz aktuell in der ersten oder zweiten Spielwoche und wieder andere wurden vom Veranstalter speziell für das Esslinger Festival nach Deutschland geholt, wo sie vielleicht sonst nirgendwo in den Kinos zu sehen sind. Zu den Klassikern zählt einmal mehr das Kurzfilmprogramm, dessen Vorstellungen in aller Regel ausverkauft sind.

Das Repertoire des Queer-Film-Festivals spannt diesmal den Bogen vom hochbrisanten Drama aus Guatemala bis zur federleichten und leicht klamaukigen Komödie aus Frankreich, vom anrührenden Dokumentarfilm über Intersexualität bis zum traumhaft schön ausgestatteten Historiendrama, vom frechen Independent­streifen bis zum kritischen Polit-Dokudrama, und von der romantischen Liebesgeschichte bis zum Musical-Drama aus Südafrika. Die Geschichten spielen in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika. Und die Veranstalter versprechen: „Die Protagonistinnen und Protagonisten in der Altersspanne von 12 bis 70 Jahren tummeln sich in 16 Lang- und ebensovielen Kurzfilmen und werden sich in die Herzen der Besucherinnen und Besucher schleichen, sie unterhalten, berühren, aufwühlen, nachdenklich stimmen, überraschen, zum Lachen bringen und bezaubern.“

www.koki-es.de

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