In Bewegung bleiben – das ist nie verkehrt. Foto: dpa/Sven Hoppe

In zwei neuen Sachbüchern erläutern Wissenschaftler, warum und vor allem wie Sport und Ernährung uns gesund erhalten – und was die Welt im Innerstenzusammenhält.

Der Virologe Klaus Stöhr hat kürzlich darauf hingewiesen, dass uns in der gegenwärtigen Phase der Pandemie die Maßstäbe für Gesundheitsrisiken abhandengekommen sind. Er sehe immer noch Radfahrer mit Maske, aber ohne Helm. Der Autor dieser Zeilen wurde selbst kürzlich von einem übergewichtigen Mittfünfziger heftig beschimpft, weil er die Maske nicht ganz ordnungsgemäß getragen hatte. Nach seinem Wutausbruch musste sich der Empörte erst einmal beruhigen – mit einer Zigarette. Und da war noch die junge Frau, Mitte 20, die schreckliche Angst vor Long Covid hatte, aber eine Packung Zigaretten am Tag raucht. Die unangenehme Wahrheit lautet: Statistisch betrachtet entstehen die größten Gefahren für die Gesundheit der allermeisten Menschen durch das, was Mediziner „lebensstilbedingte Krankheiten“ nennen. Damit meinen sie schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, Alkohol und Rauchen.

Für all jene, die ihr gesundheitsbewusstes Verhalten auf das Tragen von FFP2-Masken und die Denunziation ihrer Mitmenschen beschränken, hat der Sportwissenschaftler Ingo Froböse daher eine ernüchternde Botschaft: Wer sich vor allem in seiner zweiten Lebenshälfte wirklich vor Gesundheitsrisiken schützen will, muss erheblich aktiver werden. Die „zweite Lebenshälfte“ hat Froböse immerhin optimistisch angesetzt. Sein Buch „Der Stoffwechselkompass. Was uns in der zweiten Lebenshälfte fit, schlank und wach hält“ (Spiegel-Bestseller Sachbuch Paperback Platz 13, Ullstein, 304 Seiten, 19,90 Euro) richtet sich vornehmlich an Leserinnen und Leser über 50. Das ist jenes Alter, in dem der Körper anfängt abzubauen. In manchem Fällen, zum Beispiel der Denkgeschwindigkeit, fängt es früher an; bei anderen, etwa beim Immunsystem, lässt sich der Niedergang mehr Zeit. Aber sicher ist: Wer nichts tut, bei dem geht es in etwa ab diesem Alter spürbar abwärts.

Verlust von Muskelmasse

So hält das Insulinsystem dem Bombardement von Zucker und schnellen Kohlenhydraten nicht mehr stand und entwickelt eine Typ-II-Diabetes. Hormonelle Veränderungen und Abbaumechanismen im neuromuskulären System führen zur Sarkopenie, dem Verlust von Muskelmasse. Ein einfacher Anhaltspunkt für die Fitness im Alter ist die Gehgeschwindigkeit (weniger als 80 Zentimeter in der Sekunde deuten auf Sarkopenie). Wer in seiner zweiten Lebenshälfte feststellt, dass er immer öfter nur noch dahinschlurft, sollte das zum Anlass nehme, mehr für seine Gesundheit zu tun.

Froböse, Jahrgang 1957, ist Professor an der Sporthochschule Köln und befasst sich seit vielen Jahren mit Prävention. Sein aktuelles Buch hebt sich von gängigen Ratgebern ab, weil er darin die Stoffwechselvorgänge im Detail erläutert. Dabei bleibt er stets verständlich, selbst wenn dem Leser auf einigen Seiten der Kopf schwirrt vor lauter Hormonen und Zellstrukturen. Während die Vorgänge im Körper jedoch komplex sind, lassen sich die Gegenmaßnahmen knapp zusammenfassen: Bei der Ernährung muss man Mäßigung üben bei Kohlenhydraten, Fetten und Genussmitteln und viel Wert auf Protein legen; bei der Bewegung ist mehrmals in der Woche sowohl Krafttraining als auch Ausdauertraining angesagt. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Froböses wissenschaftlich untermauerte Erläuterungen machen es den Muffeln aber schwer, mal wieder irgendwelche Ausreden zu finden.

Und die kognitive Gesundheit?

Nicht vergessen sollte man die kognitive Gesundheit. Sich mit kniffligen Fragen zu beschäftigen hält das Gehirn fit. Für manchen Menschen ist Physik an sich schon knifflig. Der Astronaut und Diplom-Physiker Ulrich Walter antwortet auf einige physikalische Alltagsfragen in seinem nett zu lesenden Buch „Die verrückte Welt der Physik“ (Spiegel-Bestseller Sachbuch Paperback Platz 8, Komplett Media, 272 Seiten, 18 Euro). Zum Beispiel warum Flugzeuge fliegen und Mikrowellen nicht gefährlich sind. Außerdem gibt er einen faszinierenden Einblick in die unserer Vorstellungsfähigkeit entzogene Welt der Astro- und der Teilchenphysik, wo Masse, Geschwindigkeit und Anziehungskräfte ziemlich durcheinandergeraten. Nervig sind leider zwei Dinge: Erstens erklärt Walter vor allem im ersten Teil oft Phänomene und Begriffe nicht, sondern verweist auf eines seiner früheren Bücher. Zweitens lässt er stellenweise zu deutlich durchblicken, dass er Nichtnaturwissenschaftler für Halbidioten hält. Das ist schon deshalb unangebracht, weil es genug Wissensbereiche gibt, in denen sich der Astronaut und Diplom-Physiker Walter vermutlich selber verdammt schlecht auskennt.