Jetzt sind wieder Ehrenamtliche gefragt, die Kröten und andere Amphibien einsammeln und sicher über die Straßen bringen. Foto: Stefanie Schlecht

Wenn die Tage jetzt etwas wärmer werden, machen sich Kröten und andere Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Die Hilfe wird vom Nabu koordiniert, doch von Jahr zu Jahr werden es weniger Tiere.

Noch ein paar Tage warmes Wetter und Feuchtigkeit, dann machen sich die Kröten und Amphibien wieder auf den Weg zu ihren Laichgewässern, weiß der Biologe Alexander Pieh, Vorstand beim Amphibien-Reptilien-Biotopschutz Baden-Württemberg und Ansprechpartner bei fachlichen Fragen zu Amphibien und Feuchtbiotopen. Das ist auch die Zeit, in der die Kommunen dringend Helfer suchen, welche die Tiere einsammeln an den Schutzzäunen, um sie sicher über die Straße zu bringen. Dazu hat Pieh auch dieser Tage eine Krötenretter-App vorgestellt, in der sich Hilfswillige und Kommunen schnell zusammenschließen können.

Das ist eine Aufgabe, die jedes Jahr um diese Zeit anfällt. Das heißt, in den betreffenden Kommunen wissen viele Bescheid, was jetzt zu tun ist. In Filderstadt allerdings gebe es keine Bäche oder Seen, die als Laichgewässer in Frage kommen. Oder diese sind fernab von gut befahrenen Straßen, die solche Hilfsaktionen nötig machen. Anders in Leinfelden-Echterdingen: „Hier werden die Alte Poststraße in Echterdingen, die Häfner-Steige in Musberg und die Zufahrt zur Knochenmühle in Stetten mit dem Schild „Achtung Krötenwanderung“ versehen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Und mehr noch: Um den Durchfahrtsverkehr von und nach Waldenbuch zu stoppen, wird die Alte Poststraße schon seit einigen Jahren mit einer Schranke gesperrt. Zuvor habe es da fürchterlich ausgesehen auf dieser Straße vor lauter Tierleichen, erinnert sich Wolfgang Haug, seit mehr als 40 Jahren Gemeinderat in Leinfelden-Echterdingen.

Alte Poststraße ist gesperrt

Schutzzäune werden nur noch entlang der Bonländer Straße aufgestellt, also der Verbindung zwischen Echterdingen und Stetten. Das sind etwa zwei mal 50 Meter, und hier sind keine Helfer notwendig, da die Tiere durch zwei Dolen unter der Straße geleitet werden. So kommen sie sicher auf die östliche Wiesenseite mit den Seen dort, also auf die Ausgleichsflächen nach der Flughafenerweiterung. „Diese Flächen haben sich mittlerweile zu wunderschönen Feuchtbiotopen entwickelt und werden sehr gerne von den Amphibien angenommen“, heißt es in der Mitteilung. Dafür gibt es andere Straßenabschnitte auf der Gemarkung, in denen tätiger Amphibienschutz durch helfende Hände dringend notwendig wäre, doch dafür findet sich niemand. Das sind Straßen, auf denen sich viele Fahrer nicht an die gegebenen Tempolimits halten und so die Helfer in Gefahr bringen. Denn die Amphibien gehen nun einmal bevorzugt in der Dämmerung auf Wanderschaft und lieben dann noch regnerisches Wetter. Und in dieser Situation die Straßenseite zu wechseln mit Eimern voller Kröten in der Hand, das ist doch vielen zu riskant. Der Naturschutzbund (Nabu) Fildern sieht sich da außerstande, Helfer bereitzustellen.

Hier sind die Helfer in Gefahr

Schutzzäune werden repariert

Der Nabu Stuttgart ist für die Aufteilung der Helfer in der Landeshauptstadt tätig. Da ist es so, dass die Schutzzäune das ganze Jahr über an ihren Plätzen bleiben und eben jetzt zu Saisonbeginn erneuert und instandgesetzt werden. An vier Stellen ist das der Fall in Stuttgart: an der Falkenstraße auf einer Länge von etwa 250 Meter, bei der Solitude etwa 1500 Meer, an der Waldebene Ost etwa 1950 Meter und am Frauenkopf etwa 1780 Meter. Dann gibt es aber auch noch einige Stellen, an denen die Bürger in eigenem Engagement den Amphibien helfen. Das ist der Fall etwa in Riedenberg entlang der Eichenparkstraße oder in Schönberg entlang der Rotwiesenstraße. „Alle Strecken mit Amphibienwanderung über Straßen oder Wege sind mit entsprechenden Hinweisschildern ausgestattet. Diese Schilder werden alljährlich in und nach der Wanderzeit wieder zugeklappt“, so Harald Knitter, Sprecher der Stadtverwaltung. Hier würden mehrere Ämter gut miteinander zusammenarbeiten. „Das Tiefbauamt beteiligt sich etwa mit temporären Straßensperrungen zum Beispiel in der Bachhalde in Mühlhausen“, ergänzt Knitter.

Tunnels unter den Straßen

Die größten Amphibienwanderungen auf Stuttgarter Gemarkung finden statt entlang des Schattengrunds, des Steinbachsees und der Magstädter Straße. Dort sind keine Helfer mehr notwendig, seit 2016 gibt es dort Straßentunnels, die von den Tieren offensichtlich auch gut angenommen werden. Den Helfereinsatz konkret an den bereits genannten Stellen in der Stadt beschreibt Susanne Zhuber-Okrog vom Nabu Stuttgart so: „Die Zäune werden von Mitte Februar bis Mitte Mai täglich morgens von 50 bis 60 Ehrenamtlichen kontrolliert. Die Tiere, die da in die bereitgestellten Eimer gefallen sind, werden über die Straße getragen. Da kontrollieren wir auch, welche Arten und wie viele Tiere wir aufgesammelt haben“. Und dieses Resultat ist ernüchternd bis schockierend: „Es sind in den letzten Jahren deutlich weniger Tiere geworden“, so Zhuber-Okrog: „An der Solitude konnten wir 2016 noch 1500 Amphibien weiterhelfen, 2024 waren es nur noch 200“.

Das deckt sich mit den Beobachtungen, die der Amphibien-Reptilien-Biotopschutz Baden-Württemberg landesweit macht. Da sind etwa 900 Wanderstellen im Land bekannt, an denen Helfer aktiv sind. Pieh: „2021 wurde festgestellt, dass der Bestand an Fröschen, Kröten und Molchen um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist, an manchen Stellen sogar um 90 Prozent.“ Was ihm besonders zu schaffen macht, ist der starke Rückgang von einst sehr populären Arten wie dem Grasfrosch. Da sei die Population in den vergangenen 50 Jahren um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Auch bei den Erdkröten sei der Schwund auffallend nach den vergangenen trockenen Jahren.

Populationsrückgang um bis zu 90 Prozent

Maßnahmen zum Schutz der Amphibien

Sperrungen
Im Naturschutzgebiet „Unteres Feuerbachtal“ wird während der Nächte in der Hauptwanderzeit die Verbindungsstraße zwischen Zazenhausen und Mühlhausen gesperrt. Busse der Linie 53 wenden an der Haltestelle Zazenhausen Steigle, während die Haltestellen Bachhalde, Schloss und Mühlhausen nicht bedient werden. Weitere lokale Sperrungen betreffen den Oeffinger Scillawald, Grünen Heiner und nach Dämmerung die Zufahrt zum Sportplatz Uhlbach.

Hinweisschilder
Die gibt es unter anderem an folgenden Straßen: Weg zum Aktivpark Bergheide am Robert-Bosch-Krankenhaus auf dem Burgholzhof, Gustav-Barth-Straße und Hintere Weingärten in Heumaden, Onstmettinger Weg in Möhringen, Roßhaustraße in Degerloch, Wernhaldenstraße in Stuttgart-Süd, Christian-Belser-Straße in Kaltental und Sonnenberg, Musberger Straße in Vaihingen, die Greutterstraße in Weilimdorf, Rotwiesenstraße in Schönberg sowie die Eichenparkstraße in Riedenberg.

Tempolimit
In der Eichenparkstraße, der Roßhaustraße und am Sportplatz in Uhlbach werden während der Wanderzeit die Geschwindigkeit des Durchfahrtverkehrs auf zehn Stundenkilometer beschränkt. dl