Haben viel Interessantes zum VfB zu sagen: Ulrich Ruf, Guido Buchwald, Alexander Wehrle und Moderator Alexander Welschenbach (von links). Foto: Markus Brändli

Guido Buchwald, Alexander Wehrle und Ulrich Ruf gratulieren G.u.S. Köngen zum 30. Geburtstag mit vielen Anekdoten.

In Sachen Kontinuität kann sich der VfB Stuttgart von seinem Fanclub G.u.S. Köngen eine Scheibe abschneiden. „Wir haben seit 30 Jahren denselben Präsidenten“, erklärte Alexander Welschenbach den gut 200 zumeist in weiß-rot gekleideten Anhängern im Gustav-Werner-Haus zu Köngen. G.u.S.-Mitglied Weschenbach saß auf der Bühne gemeinsam mit dem VfB-Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle, Ex-Finanzchef Ulrich Ruf und Ehrenspielführer sowie Weltmeister Guido Buchwald, um den 30. Geburtstag des Fanclubs zu feiern. Besagter Präsident Thomas Böttle, den alle nur Paule nennen, nahm bestens gelaunt mit seinen anwesenden Mit-Gründungsmitgliedern einen entsprechenden Wimpel entgegen, aus den Händen von Stuttgarts Fanbeauftragtem Ralph Klenk, der ihm vor 30 Jahren auch schon die Urkunde als offizieller Fanclub übergeben hatte – vor einem Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln.

Die Begegnung mit den Kölnern hatte der VfB mit 0:1 verloren. Die – damals wie heute – 35 G.u.S.-Mitglieder haben seither weiter mit ihrem Herzensclub gelitten, ihn in die 2. Bundesliga begleitet und zuletzt zurück an die Bundesligaspitze und nach Europa. Warum der VfB mittlerweile gut dasteht, darum ging es an dem Abend. Es war ein Thema, das Spaß machte – nicht nur, weil Wehrle kompetent Einblicke in die Arbeit auf der Geschäftsstelle gab und Buchwald und Ruf ihre Sicht der Dinge schilderten. Natürlich gab es auch Anekdoten zuhauf.

Schwäbischer Umgang mit Geld

Seriöse Arbeit, ein ruhiges Umfeld mit einem funktionierenden Team um das Team, in Sebastian Hoeneß der passende Trainer und schwäbischer Umgang mit dem Geld – das sind zusammengefasst die Erfolgsfaktoren an der Mercedesstraße. Es heißt aber nicht, dass der VfB automatisch auf Dauer erfolgreich sein wird, denn eine Reihe von Konkurrenten hat größere finanzielle Möglichkeiten. „Profifußball kann man nicht bis ins letzte Detail planen“, erklärte Wehrle, dann aber auch, welche Stellschrauben helfen. „Wir haben versucht, als VfB ein bisschen nahbarer zu sein“, sagte er zudem und bekam auch für diese Aussage Applaus: „Das Wichtigste ist: Es macht einfach Spaß, bei uns zuzuschauen.“

Das Lob für Wehrles Arbeit übernahmen Buchwald und Ruf. „Die Basis für den Erfolg ist, Ruhe in den Verein und die besten Personen an die richtige Position zu bringen“, sagte Buchwald, „es ist was Wunderschönes, dass man nach zehn Spieltagen nicht nach dem Abstieg schauen muss.“ Zurzeit ist der VfB Vierter. Ruf zollte seine Anerkennung für die Verpflichtung von Hoeneß, der, das haben einige fast vergessen, im April 2023 erst einmal den Klassenverbleib bringen musste: „Ich habe das als Außenstehender als mutig empfunden.“

Mit der Straßenbahn nach Degerloch

Ruf, bis zum Jahr 2015 für die Finanzen des Clubs zuständig und Ehrenmitglied von G.u.S, erzählte natürlich auch anschaulich, wie das damals war mit der Verpflichtung und Entlassung von Trainern wie Winfried Schäfer, Giovanni Trapattoni und Armin Veh – und wie sich das ganze Drumherum im Bundesliga-Business verändert hat: „Früher haben wir den Scouts eine Straßenbahnkarte bezahlt und sie sind hoch nach Degerloch zu den Kickers gefahren.“ Walter Kelsch, Jürgen Klinsmann, Fredi Bobic kamen von den Blauen zu den Weiß-Roten und wurden dort zu Stars – und Buchwald. Die G.u.S.-Mitglieder hingen Ruf an den Lippen und freilich Buchwald, wie er erzählte, wie das damals war, als er auf Werben von Jupp Heynckes schon fast bei Borussia Mönchengladbach unterschrieben hatte, „weil mich der VfB nicht wollte“, und er dann nach einem Anruf des damaligen VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder an einem späten Sonntagabend doch in Cannstatt landete. „Gott sei Dank“, warf Ruf ein – wieder Applaus.

Der Kopfball zur Meisterschaft

Und natürlich ließ Moderator Welschenbach das frisch gebackene Hall-of-Fame-Mitglied des deutschen Fußballs „nicht vom Haken“, ohne dass er erzählte, wie das war 1990 mit Diego Maradona und dem WM-Titel in Italien und dem Kopfball 1992 in Leverkusen, der dem VfB die deutsche Meisterschaft brachte. Buchwald erzählte und erfreute auch mit dem Satz: „Vielleicht werden wir mal wieder Meister.“ Vorstandschef Wehrle zuckte höchstens leicht zusammen.

Später, in der „Bruschdring-Stuab“ des G.u.S. beim gemeinsamen Länderspielgucken mit Buchwald und Ruf, war auch Präsident „Paule“ Böttle glücklich und zufrieden: „Ich fand es informativ und lustig.“