Eine Spinne hat die Künstlergruppe „Hakle bunt“ Matthias Dold auf die Eingangstür des „Trafo“ gesetzt. „Das hat damit zu tun, dass auch ich ein Netzwerker bin“, sagt der Jugendhausleiter. Foto: Bulgrin Quelle: Unbekannt

Von Elisabeth Maier

Mit dem Bau eines Gemeinwesenhauses geht für den Köngener Jugendhauschef Matthias Dold ein Traum in Erfüllung. „Vor sieben Jahren haben wir unsere Vision zum ersten Mal im Gemeinderat vorgestellt“, erinnert sich der 51-Jährige mit den langen braunen Haaren. Damals habe manch einer der Gemeinderäte ungläubig den Kopf geschüttelt. Jetzt steht der Architektenwettbewerb zu dem Gebäude, das neben der Burgschule errichtet werden soll, kurz vor dem Abschluss. „Es wird ein Leuchtturmprojekt“, schwärmt der Sozialpädagoge über den Neubau, der neben der Mensa für die Gemeinschaftsschule auch einen Bereich für das Jugendhaus sowie Räume für das Ehrenamt und für die Vereine beherbergen soll. Seit 25 Jahren leitet Dold nun das Köngener „Trafo“ - und die frischen Ideen gehen dem Jugendhauschef noch lange nicht aus.

„So viele kreative Ideen“

Dass die Gemeinde einen Wettbewerb finanzierte, freut Dold sehr. „So viele kreative Ideen“, die in das Projekt einfließen könnten, fördere dieses Verfahren zu Tage. Von den sechs ausgezeichneten Entwürfen der Architekturbüros, die jüngst in der Eintrachthalle vorgestellt wurden, verspricht sich der Jugendhauschef „viele gute Impulse“. Wichtig ist dem erfahrenen Jugendhauschef, dass die künftigen Nutzer des Gebäudes selbst am Bau des Gemeinwesenhauses mitwirken. Nur so könnten sie sich mit dem neuen Gebäude, das mehr als fünf Millionen Euro kosten soll, identifizieren.

„Hämmern und Sägen lernen die Köngener Kinder schon von klein auf bei den Projekten des Abenteuerspielplatzes“, sagt Dold, der die beliebte Ferienfreizeit in diesem Jahr zum 26. Mal leitete. Ihm schwebt vor, „dass die Jugendlichen ihre sanitären Räume selbst unter fachkundiger Aufsicht fliesen könnten“. Dann könnten sie sich aus seiner Sicht auch besser mit dem Gebäude identifizieren. Um der Gemeinde Geld zu sparen, kann sich Dold vorstellen, dass die künftigen Nutzer sich auch um Strom und Wasser kümmern. „Etliche unserer einstigen Jugendhausbesucher sind heute Elektriker, Ingenieure oder Sanitärexperten.“ Er wünscht sich, dass die Kommune die künftigen Nutzer möglichst viel partizipieren lässt.

Menschen zu vernetzen, ist eines der großen Talente des 51-Jährigen. Deshalb hat die Köngener Künstlergruppe „Hakle bunt“ um den fantasievollen Landschaftsgärtner Jochen Maier ihm eine Spinne aus Metall über den Eingang gesetzt. „Das passt ganz gut“, findet Dold. Vor allem aber kann er Menschen aller Generationen mitreißen und für seine Projekte begeistern.

Nach zwei Wochen Abenteuerspielplatz hat Dold diese Woche noch seine Stapel im Büro abgearbeitet, denn daran ist während der Freizeit hinter der Burgschule nicht zu denken. Dann zieht es den leidenschaftlichen Gleitschirmflieger nach Kroatien in die Wildnis. Da entspanne er sich am besten, sagt der sportliche Vater dreier erwachsener Söhne. Nebenbei arbeitet er als Gleitschirmfluglehrer. Sein Wissen weiterzugeben, macht dem kommunikativen Jugendhauschef Freude. Erlebnispädagogische Projekte haben in seinem Haus einen ganz hohen Stellenwert.

Jung und Alt unter einem Dach

Die Jugendarbeit hat sich in den 25 Jahren, in denen Dold das „Trafo“ leitet, stark gewandelt. Ganz spontan nennt der Experte ein Stichwort: „Inzwischen arbeiten wir meist mehrgenerativ“, erklärt er. „Es geht mehr denn je darum, Jung und Alt zusammenzubringen.“ Daher sei das Gemeinwesenhaus, in dem sich die Generationen begegnen, so wichtig. Dass sich Jugendhausbesucher und ehrenamtlich engagierte Senioren in die Quere kommen, glaubt Dold nicht. Früher sei die Jugend unter sich geblieben, aber das sei schon sehr lange nicht mehr so.

Die Bereiche seien ja klar voneinander getrennt. Dennoch verspricht er sich wichtige Synergien - nicht zuletzt mit Blick auf die Schulsozialarbeit, die ebenfalls im neuen Gemeinwesenhaus ihr Domizil finden soll. Köngener Senioren arbeiten an der Burgschule zum Beispiel als Paten für Schüler, die eine Lehrstelle suchen. Dold freut sich auf die Möglichkeiten, die das neue Gebäude für seine vielfältigen sozialpädagogischen Projekte eröffnet. „Mit den vielen kreativen und aktiven Menschen, die in Köngen leben und arbeiten, ist das alles gar kein Problem.“ Da denkt er ganz besonders an sein Jugendhausteam, „das beim Jubiläum der Feuerwehr die Bar gerockt hat.“ Das wäre aus seiner Sicht nicht in allen Kommunen möglich. Umgekehrt stehen die Feuerwehrleute jedes Jahr bereit, wenn die Holzbauten des Abenteuerspielplatzes in einem großen Lagerfeuer aufgehen. „Viele von ihnen waren früher selbst Teilnehmer des Abenteuerspielplatzes.“