Das Medienteam der Burgschule mit Konrektorin Kathrin Kromer, Rektor Martin Raisch und Bürgermeister Otto Ruppaner (2. bis 4. von links). Foto: oh Quelle: Unbekannt

Von Elisabeth Maier

Digitales Lernen gewinnt an Schulen immer mehr an Bedeutung. Aber oft fehlt die technische Ausstattung. Die Computer an der Burgschule in Köngen sind zehn Jahre alt. Rektor Martin Raisch und sein Team wollen die Geräte aber nicht einfach ersetzen. Sie haben für die Gemeinschaftsschule ein Medienkonzept entwickelt. Jeder Schüler soll ein eigenes iPad bekommen. Dieses innovative Konzept kam im Gemeinderat sehr gut an.

In der jüngsten Sitzung stellten Raisch und sein Team ihre Vision vom digitalen Lernen an der Gemeinschaftsschule vor. Ab dem Schuljahr 2018/19 soll jeder der 316 Schüler ein iPad bekommen. „In allen Berufen sind digitale Medien heute unverzichtbar“, skizzierte Raisch kurz die Motivation des Kollegiums. Da die Schule die in die Jahre gekommenen Computer ohnehin austauschen müsse, haben er und seine Konrektorin Kathrin Kromer mit einem Team von Lehrern ein Medienkonzept entwickelt, das die Nutzung von iPads im Unterricht einschließt.

Bürgermeister Otto Ruppaner stellte klar, „dass Kopfrechnen, Schreiben und Bücher lesen weiter auf dem Lehrplan stehen“. Das iPad werde ergänzend eingesetzt. „Immer mehr Schulen arbeiten mit digitalen Medien“, sagt Corina Schimitzek, die Leiterin des Staatlichen Schulamts Nürtingen. Allerdings sind die Projekte meist auf einzelne Klassen beschränkt. Daher begrüßt sie die Köngener Initiative. An der Wendlinger Uhland-Schule arbeitet ein Jahrgang der Gemeinschaftsschule mit Tablets. Auch die Realschule Neuffen hat eine Tablet-Klasse, eine zweite folgt ab September.

Um Chancen und Risiken des digitalen Lernens abzuwägen, haben sich die Pädagogen intensiv mit der Technik auseinandergesetzt. „Individualisierte Bildung kommt nicht nur im Konzept der Gemeinschaftsschule zum Tragen“, sagte der Lehrer Thomas Wiesner. Mit iPads haben die Schüler aus seiner Sicht eher die Möglichkeit, individuell ihren Lernplan zu verfolgen und das, was sie noch nicht verstanden haben, zu vertiefen. Er verwies darauf, dass Informatik in der Gemeinschaftsschule Pflichtfach werde. Auch deshalb sehen die Lehrer die Schule unter Zugzwang.

Immer mehr Lehrbücher integrieren nach Eva Teichmanns Worten digitale Medien - außerdem werden verstärkt digitale Lehrbücher vermittelt. Dass Lehrer mit Büchern unterrichten müssen, „in denen Horst Köhler Bundespräsident ist“, würde dann nicht mehr passieren. Um auszuloten, ob der Unterricht mit iPads in der Praxis überhaupt funktioniert, haben die Köngener Pädagogen die Messelbergschule in Donzdorf im Kreis Göppingen besucht. „Da bewährt sich das Konzept sehr gut“, hat Wiesner bei Besuchen an der Gemeinschaftsschule erfahren (siehe Infobox). Den Schülern mache das Lernen mit ihren iPads Spaß. Parallel lernen sie aber weiterhin mit Schulheften und Büchern. Als „Ergänzung“ wollen die Köngener Pädagogen das Lernen mit iPads verstanden wissen.

Die Geräte könnten von einer Firma auf drei Jahre geleast werden. Danach gibt es neue Geräte. „So wären wir technisch auf dem neuesten Stand.“ Um Lernmittelfreiheit zu gewährleisten, ist die Nutzung im Unterricht kostenlos. Wer das iPad privat nutzen möchte, zahlt 5 bis 8 Euro pro Monat. Auf die Gemeinde kämen Kosten zwischen 200 000 und 285 000 Euro pro Jahr zu. Dem steht eine erhebliche Papierersparnis gegenüber, weil Kopien und Bücher wegfallen.

Bedenken wegen des Datenschutzes

Obwohl die Gemeinderäte einstimmig für das Projekt votierten, gab es kritische Stimmen. „Verlernen die Kinder dann das Schreiben und Kopfrechnen?“ wollte Stefan Eisenhardt (CDU) wissen. Thomas Kuttler (Freie Wähler) hat Bedenken wegen des Datenschutzes. „Außerdem birgt das Internet Gefahren.“ Diese Sorgen zerstreute der Lehrer Stefan Raaf, „denn wir haben eine Cloud, die nur auf die Schule beschränkt ist“. Zudem wolle man den verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien zum Bestandteil des pädagogischen Konzepts machen: „Wir zeigen den Kindern die Gefahren und passen auf, dass sie ihnen nicht erliegen.“ Bernd Vogel (SPD) legt Wert darauf, „dass die Jungen und Mädchen „den Umgang mit der Tastatur üben, denn das brauchen sie im Beruf“. Einen Computerraum mit 30 Arbeitsplätzen wird es an der Burgschule weiterhin geben.

Lob für den Einsatz gab es von Günther Hoffelner (Freie Wähler): „Dass wir als kleine Gemeinde da eine Vorreiterrolle einnehmen, finde ich gut.“ Auch Gerhard Gorzellik (SPD) freut sich über den innovativen Vorstoß des Kollegiums.

Digitales Lernen an der Messelbergschule

Digitalisierung: „Mobile Endgeräte sind im Alltag omnipräsent - an den Schulen in Baden-Württemberg werden sie immer noch zu wenig eingesetzt“, sagt Erich Ege, der Rektor der Donzdorfer Messelbergschule. Die Gemeinschaftsschule mit 374 Schülern hat ein pädagogisches Gesamtkonzept für die Digitalisierung der Schule erarbeitet. Federführend ist der Pädagoge Jan Albrecht. Alle Kinder haben ein eigenes iPad. Außerdem gibt es eine Lernplattform, in der Eltern die Fortschritte ihrer Kinder kontrollieren können. „Da stecken wir allerdings noch in der Entwicklung“, sagt Ege. Schreiben und Kopfrechnen stehe weiterhin auf dem Plan, stellt der Rektor klar.

Realisierung: „Unter den Eltern gab es nur wenige Kritiker“, sagt Erich Ege. Sie zahlen in Donzdorf einen festen Betrag pro Monat. Dafür erhalten die Kinder dann ein iPad, das sie im Unterricht wie auch privat nutzen können. Von den Schülern bekomme er durchweg positive Resonanz, sagt Ege. Wenn sie entsprechende Lernfortschritte machen, können sie sich über die Lernplattform „Freiheiten“ verdienen. „Man darf dann zwischendurch auch mal zum Bäcker“, erzählt ein Schüler in einem TV-Beitrag, der über die Schule gedreht wurde.

Förderung: „Wir haben viel Unterstützung von der Stadt bekommen“, sagt Schulleiter Erich Ege. Bürgermeister Martin Stölzle habe das Projekt von Anfang an unterstützt und auch selbst vorangetrieben. Der Rektor hätte sich aber dennoch gewünscht, auch vom Staat oder vom Land eine Förderung für das Projekt zu bekommen. Da sieht er die Politik in der Pflicht, die Schulen beim digitalen Wandel zu unterstützen. Der Förderverein der Messelbergschule unterstützt das innovative Medienprojekt ebenfalls.

www.messelbergschule.de

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