In Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) steht eins der wenigen Thermomix-Studios in der Region. Warum dort viele Fans der Küchenmaschine hin pilgern und was dort geboten wird.
Frei nach Loriot könnte der Leitspruch in der Thermomix-Community lauten „Ein Leben ohne Thermomix ist möglich, aber sinnlos“. In Kornwestheim gibt es für „Thermi-Fans“ ein echtes Mekka. Hier steht nämlich eins von nur wenigen Thermomix-Studios in der gesamten Region Stuttgart. Was steckt hinter dem Hype – der an Tupperware, aber auch an Apple erinnert?
In einem Gewerbegebiet im von der Straße abgewandten Hausteil ist es zu finden. Ania Naß hat in den schmucken Räumen ihr Büro. Die Rutesheimerin ist die Bezirksleiterin Ludwigsburg und für einen Bereich zwischen Weil der Stadt, Bönnigheim und Echterdingen zuständig.
Rund 250 Menschen sind ihr unterstellt. Meist sind das selbstständige Thermomix-Vertreterinnen, die im Direktvertrieb die Haushaltsgeräte verkaufen. Den Thermomix gibt es – außer bei Vorwerk-Filialen selbst – nicht in Geschäften zu kaufen. Berater präsentieren die Küchenmaschine bei Veranstaltungen und sogenannten Thermomix-Partys.
Thermomix wie Apple: Viele sind mehr als Nutzer
Das aktuellste Modell kam erst vor ein paar Monaten auf den Markt und Naß spricht mit großer Begeisterung vom TM7. Sie sorgt seit 20 Jahren mit dafür, dass die Küchenhelfer an den Mann und die Frau gebracht werden.
Ein wichtiger Punkt dabei ist das Kornwestheimer Studio. Im größten Raum befindet sich eine voll ausgestattete Küche mit Plätzen für Dutzende Zuschauer. Laut Naß finden hier täglich auch mal mehrere Kochkurse hintereinander statt.
Naß’ Liebe für das Gerät geht tief. „Ich optimiere Sachen gerne und mag es, dadurch Zeit für die schönen Dinge zu gewinnen“, sagt sie. Das Gerät erhitzt, wiegt, mixt und kocht. Dabei sorgt es mit einem großen Display für genaue Anweisungen.
Der Thermomix gilt zwar für viele als Wundergerät – doch es gibt auch immer wieder kritische Stimmen. Küchenexperten werfen dem Gerät vor, den Koch und Verbraucher zu bevormunden, etwa durch die strikte Schritt-für-Schritt-Führung. Zusätzlichen Unmut löste die Einführung des TM7 aus: Das neue Modell kam wohl überraschend auf den Markt, ohne vorherige Ankündigung. Einige Kunden, die sich kurz zuvor einen TM6 zugelegt hatten, fühlten sich getäuscht und waren enttäuscht.
Naß ist dennoch überzeugt. Ob sie Menschen verstehen könne, die bislang noch kein solches technisches Wunderwerk ihr Eigen nennen: „Eigentlich nicht“, schießt es aus Naß heraus. Der Thermomix verkauft sich auch durch seinen Ruf und viele Geräte-Influencer. „Wir haben Fans wie Apple“, vergleicht Naß.
In gewisser Weise hat sie damit recht. Es ist schon ein wenig wie eine Glaubensfrage: mit oder ohne Thermomix? Fast so wie Apple oder Android-Smartphone. Weltweit wurden 2024 etwa 1,2 Millionen Thermomix-Geräte verkauft, das neue Modell TM7, das seit April geliefert wird, wurde bis Mitte Juni schon mehr als 300.000 Mal verkauft, Stückpreis 1549 Euro.
Neue Rampe für besondere Thermomix-Kochkurse
Dass das Wuppertaler Unternehmen Vorwerk auf sein Aushängeschild Thermomix baut, wird auch in Kornwestheim deutlich. Eigens für das vor zwei Jahren eröffnete Studio wurde das Interieur komplett erneuert.
„Sie müssen so einen Kochkurs einfach mal erlebt haben“, wirbt Naß beim Thermomix-losen Reporter. Eigene Partys, eigener Direktvertrieb, selbstständige Beraterinnen – vielleicht ist Thermomix doch eher Tupperware als Apple. Dabei ist ein Ende des Hypes erst mal nicht in Sicht. Die Modelle entwickeln sich immer weiter – mittlerweile dem Zeitgeist entsprechend, mit sehr großem Display und in schicker schwarzer Optik.
In der durchgestylten Küche in Kornwestheim mit Beamer, großem Spiegel und zwei neuen TM7 sticht ein kleines Detail etwas konträr heraus: Eine analoge Uhr. Naß und ihr Mann haben einen Thermomix-Aufsteller mit einem Uhrwerk versehen. „Das bewundern viele“, sagt Naß stolz. Die Liebe zum Produkt ist groß – wer hat schon eine Tupperdose als Uhr.