Die Kliniksanierung in Leonberg wird komplett neu geplant, ein Gesundheitscampus soll endlich Formen annehmen
Noch vor Jahresfrist war der Klinikverbund Südwest in aller Munde. Die Kreistage in Böblingen und Calw hatten kurz vor Weihnachten ein neues Medizinkonzept für den kompletten Verbund verabschiedet. Es sieht eine Fusion der bisher den beiden Landkreisen zugeordneten Krankenhausgesellschaften vor. Die im Bau befindliche Großklinik am Flugfeld bei Sindelfingen soll 2026 eröffnet werden und den Charakter einer Uniklinik bekommen. Die anderen Häuser bleiben erhalten, nur Herrenberg verliert den Status eines klassischen Krankenhauses. Leonberg bekommt neben der Inneren Klinik mit Darmzentrum und Bauchchirurgie mit der Altersmedizin einen weiteren medizinischen Schwerpunkt. Seither ist es ruhig geworden um die Neuaufstellung des Klinikverbundes. Hier ein Überblick zu den wichtigsten Fragen.
Was ist mit der Klinik-Sanierung?
Vor knapp einem Jahr hatte der Klinikverbund die Sanierungen der Krankenhäuser in Leonberg und Herrenberg auf Eis gelegt. Begründung damals: Zunächst sollten die Details der Reform des Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) abgewartet werden. Mit der Überarbeitung des eigenen Medizinkonzeptes hatten Klinikverbund und Kommunalpolitik dann aber die Zügel selbst in die Hand genommen.
Jetzt, da feststeht, dass die Leonberger Klinik als Haus der Grundversorgung mit 195 Betten weitergeführt und in Herrenberg ein „integriertes Gesundheitszentrum“ entstehen soll, werden die Baustopps aufgehoben. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard kündigte jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung an, dass für beide Standorte eine neue Planung aufgestellt wird. In Leonberg soll sie gleichsam ein „zweiter Aufschlag“ für einen Gesundheitscampus am Krankenhaus sein.
Wie sieht es mit dem Campus aus?
Schon seit mehreren Jahren gibt es den Vorschlag des Landrats, direkt am Krankenhaus Arztpraxen anzusiedeln, um so den gesamten Standort aufzuwerten. Die Resonanz der niedergelassenen Ärzte war überschaubar, geschehen ist in diese Richtung noch nichts. Anfang Januar hatte die SPD-Fraktion im Leonberger Gemeinderat angeregt, am Klinikum ein medizinisches Versorgungszentrum einzurichten, um insbesondere dem Mangel an Kinderärzten zu begegnen. Der Vorschlag ist parteiübergreifend auf Zustimmung gestoßen. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) berichtete jüngst von einem Gespräch mit einem Stuttgarter Kieferchirurgen, der nach einer neuen Praxis suchen würde. Dem habe er Leonberg schmackhaft gemacht. Der OB könnte sich sogar die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft unter städtischer Regie vorstellen, um weitere Interessenten zu werben.
Was bedeutet die Fusion?
Bisher gab es innerhalb des Klinikverbundes zwei Gesellschaften – eine für die Häuser im Kreis Böblingen, eine für jene im Kreis Calw. Nicht nur wegen der unterschiedlichen Strukturen der Kreise war das Miteinander nicht immer gegeben. „In den vergangenen Jahren wurde es viele Male deutlich, dass es auch in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Landräten knirscht“, merkt der CDU-Fraktionschef Helmut Noë an und appelliert an die Vertreter der Gesellschafter, „im Geiste dieser Einigung gut und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.“ Damit dieser Appell „nicht nur ein solcher bleibt“, fordert die CDU, dass das neue Medizinkonzept laufend bewertet wird. Jährlich sei dem Kreistag über die Umsetzung zu berichten.
Tatsächlich gab und gibt es in den beiden Landkreisen unterschiedliche Interessenlagen, Insider berichten zudem von nicht immer harmonischen Dialogen zwischen den Landräten. Zuletzt haben sich Roland Bernhard und Helmut Riegger aus Calw nach außen immer friedlich-freundlich gezeigt.