Über 1500 Personen haben in Nellingen für einen besseren Klimaschutz demonstriert

 Foto: Theermann

Während der offiziellen Schulzeit haben rund 1500 Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums, des Heinrich-Heine-Gymnasiums und der Riegelhof-Realschule gegen die Klimapolitik ihrer Stadt demonstriert.

OstfildernDas hat der Ostfilderner Stadtteil Nellingen vermutlich so noch nicht gesehen – rund 1500 Jugendliche und Erwachsene ziehen in einem Protestzug vom Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) zum Rathaus. Schüler, Eltern und Lehrer von drei Schulen sind am Freitag für den Klimaschutz auf die Straße gegangen – doch, anders als bei den ursprünglichen Fridays-for-Future-Demos, hat dazu keiner den Unterricht schwänzen müssen.

Die Klima-Demonstration ist vielmehr der Abschluss der „Klimatage“, einer zweitägigen Aktion, die Schüler- und Lehrerschaft des OHG gemeinsam ausgerichtet haben. „Ich war sehr beeindruckt von den Fridays for Future und bin auch selbst auf eine solche Demo gegangen“, sagt Schülersprecherin und Organisatorin Henriette Müller am Rande der Demonstration. „Dann habe ich überlegt, wie das an unserer Schule funktionieren kann.“ Gemeinsam mit dem Sport- und Englischlehrer Robert Mattes beschloss die Schülermitverwaltung, das Thema Klima auf den Lehrplan zu setzen. „Erst hieß es, wir machen keine eigene Demo, sondern fahren alle nach Stuttgart, aber das war schwierig mit dem Transport“, so Müller. „Darum haben wir das hier gemacht.“

Und „das“ beeindruckt die Nellinger. Entlang der Strecke, die die Schüler nehmen, öffnen sich mehr und mehr Fenster. Die Menschen schauen sich die Demonstration an, holen ihre Handys heraus – machen Bilder von den Transparenten mit Sprüchen wie „Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten noch Zeit“ oder „Die Umwelt kotzt“ und filmen den Protestmarsch. „Die können jetzt nicht mehr wegschauen“, sagt der Vater einer der beteiligten Schülerinnen stolz.

Mit einer Polizeieskorte ziehen die jungen Aktivisten in Richtung Rathaus – verstopfen dabei die Hauptverkehrsadern und zwingen Autofahrer und Fußgänger zum Warten. Im Gepäck haben die Schüler eine Mappe mit 20 Forderungen. „Die übergeben wir dem Oberbürgermeister Christof Bolay. Ich habe ihm vorher eine E-Mail geschrieben und er sagte, er trifft sich mit uns.“

Tatsächlich empfängt OB Bolay den Klimazug vor dem Rathaus, steht anschließend neben der 17-jährigen Organisatorin und hört sich geduldig die Auflistung an. Punkt für Punkt ruft Müller in ihr Mikrofon. Der erste: „Wir fordern eine klimaneutrale Stadt Ostfildern bis 2035.“ Um das zu erreichen, behandeln die Forderungen verschiedenste Themen: Verpflichtendes Anbringen von Solarzellen auf Neubauten, Begrünung von Seitenstreifen und Ackerrändern, eine Rubrik mit Klimatipps in der Stadtrundschau, die Ernennung eines Klimabeauftragten und Ausbau der Radwege- und Nahverkehrsnetze. „Der maximale Fußweg zur nächsten Haltstelle der öffentlichen Verkehrsmittel darf höchstens sieben Minuten betragen“, so Müller.

Bolay zeigt sich von den Jugendlichen beeindruckt. „Meine Hochachtung, dass ihr so viele so konkrete Forderungen aufgeschrieben habt“, so der Verwaltungschef. „Ich kann jetzt schon zusagen, dass wir zwei Punkte direkt umsetzen werden.“ Frenetischer Jubel seiner jungen Zuhörer begleitet die Zusicherung des Oberbürgermeisters. Die Begrünung der Seitenstreifen sowie die Klimarubrik in der Stadtrundschau würden in Kürze umgesetzt. „Für die anderen Themen braucht es Beschlüsse des Gemeinderates“, erklärte er. „Aber ich kann versprechen, dass wir nach der Sommerpause auch diese Anliegen noch in diesem Jahr in den Gemeinderat bringen.“

Wenn die Demonstration, die an die Fridays-for-Future-Aktion angelehnt ist, eines zeige, so Bolay im Anschluss an die Kundgebung, dann sei es, dass die Jugend sehr wohl politisch interessiert sei. Auch bei den Zuschauern des Klimazuges ist diese Meinung zu vernehmen. „Noch vor einem Jahr hätte ich gesagt, die Jugend kümmert sich um nichts und niemanden“, so eine Passantin. „Ich bin froh, dass ich mich geirrt habe.“

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