Die Elektromobilität hat auch in Plochingen Einzug gehalten. Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt Bürgermeister Frank Buß (links) und Harald Zimmermann von der EnBW an einer der ersten Ladesäulen in der Stadt. Archivfoto: Katja Eisenhardt Foto:  

Der gemeinderätliche Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt hat sich erklären lassen, wo Plochingen beim Klimaschutz steht: Ein Experte hat den Steckbrief für die Stadt am Neckarknie erläutert. -

Plochingen - Die Stadt Plochingen unterstützt die Vereinbarung zum Klimaschutzpakt zwischen dem Land Baden-Württemberg und den kommunalen Landesverbänden. Das hat der Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt jetzt beschlossen. Sie setzt sich damit zum Ziel, bis 2040 eine weitgehend klimaneutrale Verwaltung zu erreichen. Sie ist da auch schon auf einem guten Weg: Seit Jahren betreibt sie ein erfolgreiches und auch schon ausgezeichnetes Energiemanagement mit ihrem Rathausmitarbeiter Thomas Silberhorn und einem Contractingpartner. Das bescheinigte auch Helmut Bauer im Namen des Instituts für Energie- und Umweltforschung der Runde. Ihn hatte Bürgermeister Frank Buß eingeladen, weil das Heidelberger Büro gemeinsam mit dem Ingenieurbüro ebök aus Tübingen das integrierte Klimaschutzkonzept für den Landkreis Esslingen entwickelt hat, zu dem neben der neuen Klimaschutzagentur auch Klimaschutz-Steckbriefe aus den einzelnen Kommunen gehören.

Den Plochinger Steckbrief haben die Gemeinderäte im Februar 2020 bekommen. Jetzt sollte Bauer genauer erläutern, wo die Stadt energie- und klimapolitisch steht, wo sie noch Handlungsbedarf hat und was sie von der Klimaschutzagentur zu erwarten hat. Denn mit ihrem Beitritt in den Kommunalen Klimaschutzverein hatte auch Plochingen im vergangenen November wie andere Städte und Gemeinden im Kreis die Gründung der Agentur unterstützt.

Es hapert noch in der Umsetzung

Bauers Datenmaterial stammt aus dem Jahr 2016 – danach ist in Plochingen auch noch einiges passiert. So betreibt die Stadt mittlerweile zwei Fotovoltaikanlagen – eine auf dem Rathaus, die andere auf dem neuen Kinderhaus am Johanniterpark. Und man ist dabei, 450 konventionelle Straßenlampen gegen LED-Leuchten auszutauschen. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Das wollte der Bürgermeister Frank Buß freilich nicht als Ruhekissen, aber doch als solide Basis verstanden wissen, um den Klimaschutz weiter voranzubringen.

Helmut Bauer lobte: „Sie liegen im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis und dem Bundesschnitt relativ gut, in manchen Bereichen auch besser.“ Dennoch gibt es durchaus noch Luft nach oben. Denn er attestierte den Plochingern zwar „sehr viel Konzeptarbeit“ für den Klimaschutz. Aber in der Umsetzung habe man noch relativ wenig abhaken können. Mit dem Energiemanagement ihrer eigenen Gebäude steht die Stadt gut da. Das Problem: Die Stadtverwaltung hat nahezu schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Bilanz der städtischen Gebäude zu optimieren. Aber die sind nur der allerkleinste Teil im Kuchen, verglichen mit den vielen Privathaushalten, Firmen und Betrieben. Mit mehr Öffentlichkeitsarbeit bei ihnen für mehr Klimaschutz werben, Klimaschutzprojekte in Schulen und Kindergärten ins Leben rufen, Konzepte zügig umsetzen, Anreize schaffen, Förderprogramme publik machen, entsprechende Vorgaben fürs Bauen beschließen und Quartierskonzepte: Das sind aus Bauers Sicht durchaus Bausteine, mit denen eine Stadt auch über ihre eigenen Gebäude hinaus Einfluss auf Bürger, Industrie und Gewerbe nehmen kann.

Selbstkritik im Gremium

Dafür sollte es auch einen Ansprechpartner im Rathaus geben. Buß: „Wir müssen den Klimaschutz im Rathaus institutionalisieren – aber als Querschnittsaufgabe.“ Auf die neue Klimaschutzagentur als Ansprechpartnerin müsse man wohl eher selbst aktiv zugehen. Er habe jedenfalls nicht den Eindruck, „dass sie durch den Kreis fleucht.“ SPD und Grüne hatten eine deutlich nüchternere Einschätzung der klimapolitischen Bemühungen in der Stadt, als sie der Steckbrief nahelegte.

Dass Plochingen dort in Sachen Verkehr ziemlich gut abschneidet, war für Stefan Kirchner (OGL) zum Beispiel nicht so recht nachvollziehbar. Das gesamtstädtische Verkehrskonzept MOVE 2035 sei ja noch in der Mache, und die möglichen Umsetzungen „werden uns die nächsten zehn Jahre beschäftigen.“ Und voraussichtlich auch umstritten sein. Kirchner weiter: „Unsere Anträge zur Verbesserung des ÖPNV sind jedenfalls mehrfach gescheitert.“ Joachim Hahn (SPD) meinte, wohl durchaus auch selbstkritisch: „Wir hätten schon mehr erreichen können, wenn wir mutigere Entscheidungen getroffen hätten.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: