Der Landkreis Ludwigsburg hat erstmals ein kommunales Klimaforum veranstaltet. Dabei gab es auch Exkursionen, unter anderem zum Demeter-Hof Bay in Erdmannhausen. Welche Strategien hat er, um sich an den Klimawandel anzupassen?
Bei seiner Eröffnungsrede zum ersten kommunalen Klimaforum des Landkreises Ludwigsburg brachte Landrat Dietmar Allgaier das Ziel der Veranstaltung gleich auf den Punkt: „Klimaschutz ist unser Auftrag – lassen Sie uns gemeinsam dafür arbeiten!“ Gemeinsamkeit wünscht sich Allgaier dabei aber nicht nur mit den zahlreichen Bürgermeistern unter den gut 200 Gästen, sondern auch mit Regionen aus anderen Ländern, mit denen der Landkreis ohnehin kooperiert. Anwesend waren etwa Vertreter aus der Schweiz, Italien und Israel, der Vorsitzende der Region Oberes Galiläa, Giora Salz, übermittelte zudem eine Videobotschaft.
„Bei unseren regelmäßigen Treffen können wir nicht so in die Tiefe gehen“, so Allgaier. Dabei könne man viel voneinander lernen und Ideen entwickeln – auch und gerade im Hinblick auf den Klimaschutz. Italien beispielsweise habe schon viel mehr Erfahrung im Umgang mit Hitze und Trockenheit. Um den Klimawandel so weit wie möglich einzugrenzen, dürfe man sich nicht immer nur auf die Vorgaben der großen Politik verlassen, betonte der Landrat: „Man muss auch von unten nach oben gehen.“
Vogelperspektive und Arbeit an der Basis
Dass die Politik eher die Vogelperspektive einnimmt, machten die Umweltministerin Thekla Walker und der ehemalige Ministerpräsident und EU-Kommissar Günter Oettinger deutlich. Walker betonte, man müsse Klimaschutz und Klimaanpassung als Chance sehen, Umwelttechnologie sei ein wichtiger Wachstumsmarkt. Oettinger betonte, man solle den Schwellenländern partnerschaftlich dabei helfen, die Fehler der Industrieländer nicht zu wiederholen, statt sie von oben herab zu belehren.
Direkt an der Basis, beim Boden, setzt sich der landwirtschaftliche Betrieb Bay in Erdmannhausen für den Klimaschutz ein – und passt sich zugleich an die veränderten Wetterbedingungen an. Der Hof von Uwe und Joachim Bay, auf dem seit 1980 nach Demeter-Richtlinien gearbeitet wird, war deshalb eines der Ziele der verschiedenen Exkursionen, die die Teilnehmer des Klimaforums am zweiten Tag unternahmen. „Wir haben früher auch Feldgemüse wie Möhren angebaut“, erzählte Joachim Bay. „Aber weil der Niederschlag nicht mehr so gleichmäßig fiel, gab es weder gute Qualität noch guten Ertrag.“
Anderes Klima ermöglicht andere Ernten
Eine Bewässerung wäre für den Familienbetrieb keine Option gewesen. „Bei einem Kubikmeterpreis von zwei Euro ist das finanziell nicht möglich.“ Also hieß es umstellen. Gemüse bauen die Bays heute nicht mehr an, statt dessen führen 1400 Legehennen in zwei großen Freigehegen mit mobilen Ställen, die möglichst wenig Energie verbrauchen, ein glückliches Hühnerleben. Anders als früher bekommen die Tiere nicht nur Körnermais zu futtern, sondern auch Soja. Der Klimawandel macht’s möglich, dass die Bohnen auch hierzulande heranreifen können. Das wiederum schützt das Klima, weil weniger Soja importiert wird. Bei den Bays allerdings wird ohnehin fast das gesamte Futter selbst erzeugt.
Dennoch: Mehr als eine Hauptkultur kann Bay jährlich nicht anbauen. Das überraschte eine Teilnehmerin aus Israel, wo man im Jahr dreimal ernten kann. Dass es hier weniger ist, liegt nicht nur am anderen Klima. „Wir können in einem Biobetrieb nicht so viel Stickstoff erzeugen, wie wir zum Düngen bräuchten“, erklärte der Landwirt. Eine Biolandwirtschaft sei deshalb nie eine Maximallandwirtschaft.
Hinzu kommt, dass der Weizen in breiteren Reihen gesät wird. Dazwischen wächst Klee. Er bietet Schutz für Bodenbrüter, Nahrung für Insekten, die wiederum von Rebhuhn und Feldlerche gefressen werden, und Schutz vor Bodenerosion bei zunehmendem Starkregen, weil der Klee über den Winter stehen bleibt.
Was tut der Kreis fürs Klima?
Initiative
Vom Weideland für Wasserbüffel bis zum Klimamobilitätsplan – der Landkreis Ludwigsburg hat etliche Projekte angestoßen und will sie fortführen. 2024 hat der Landkreis zudem zum Klimaschutzjahr ausgerufen.
Klimaschutzforum
Zu dem dreitägigen Kongress „Partnerships for Climate Action“ trafen sich mehr als 200 Fachleute aus verschiedenen Kommunen und Regionen, um in Workshops und bei Exkursionen voneinander zu lernen und gemeinsam Ideen zu entwickeln – für den Klimaschutz, aber auch für den Umgang mit dem Klimawandel. Am dritten und letzten Tag wurde die Diskussion auch für Vereine, Initiativen und Personen aus der organisierten und nicht organisierten Zivilgesellschaft geöffnet, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.