Pasa Bleile von der Copythek am Pliensauturm gibt täglich Pakete heraus. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Auf Umwegen können sich die Betreiber von Geschäften den Online-Handel zunutze machen. Mit Paketshops verdienen immer mehr Händler etwas Geld nebenbei.

EsslingenIm Zeitalter der Online-Versandhandel gehören Paketsendungen mit Waren aus dem Internet für viele inzwischen zum Alltag. Doch wird zum Beispiel das neue Paar Schuhe in der falschen Größe oder beschädigt geliefert, heißt es – Retoure mit dem Paket. Einen lästigen Gang zur nächsten Poststelle können Paketshops ersparen, die in den vergangenen Jahren in vielen Kleingeschäften wie Kiosken und Schreibwarenläden eingezogen sind und immer flächendeckender vorkommen.

Diese Paketshops werden von unterschiedlichen Paketdiensten verwaltet – zum Beispiel DHL, Hermes oder GLS. Sie bieten unterschiedliche Leistungen an. In der Regel nehmen die Shops Pakete für Privatkunden an, die nicht zu Hause anzutreffen sind. Bei zahlreichen Paketshops können die Kunden allerdings auch ihre eigenen Pakete verschicken.

„Wir möchten unseren Kunden ein Paketshop-Netz bieten, bei dem sie – ohne große Entfernungen zurücklegen zu müssen – an ihre Sendung kommen“, sagt zum Beispiel Hermes-Pressesprecher Sebastian Kaltofen auf EZ-Anfrage. Ein weiterer Pluspunkt im Buch der Paketdienste: Die Geschäfte, in denen sie ihre Paketshops ansiedeln, haben in der Regel länger geöffnet als die Filialen der Paketdienste selber. „Das spielt neben der Erreichbarkeit eine entscheidende Rolle“, so Kaltofen.

Hermes lässt in der Stadt Esslingen derzeit 13 Paketshops betreiben. Mehr sind aber geplant. Bis zum Ende des Jahres sollen nach Aussage des Pressesprechers bundesweit 16 000 Hermes-Paketshops zur Verfügung stehen – derzeit sind es 15 800. Bei den Mitbewerbern sieht es ähnlich aus. Die Deutsche Post verfügt über ihre Tochter DHL aktuell über 11 000 Paketshops, Tendenz steigend. Elf davon sind in Esslingen. Die niederländischen General Logistics Systems (GLS) liegen mit drei Paketshops in Esslingen deutlich hinter der Konkurrenz. Auch bundesweit hat GLS weniger Paketshops als die Mitbewerber: 5000 sind es derzeit in ganz Deutschland.

Für die Ladenbesitzer sind die Paketshops ein Zubrot – wenn auch nur ein kleines. Das sagt zum Beispiel Birgit Schweigl, die in der Copythek am Pliensauturm arbeitet. Seit rund vier Jahren ist im Laden ihres Mannes ein Hermes-Paketshop angesiedelt. „Das Copyshop-Geschäft ist ein hart umkämpftes Pflaster, da braucht man ein zusätzliches Standbein“, sagt sie. In der Gegend habe es zu der Zeit noch keine derartige Annahmestelle gegeben, da sei die Entscheidung leicht gefallen. Inzwischen haben andere Geschäfte nachgezogen.

Die Paketdienste versprechen „Umsatzsteigerung durch mehr Laufkundschaft“ oder „Steigerung von Gelegenheitskäufen aus Ihrem Kernsortiment“. Was bei einigen Geschäften – zum Beispiel Imbissstuben – durchaus logisch klingt, ergibt bei anderen keinen Sinn. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Geiger Transport. „Ob sich so ein Paketshop rentiert, ist relativ“, sagt Mitarbeiterin Pasa Bleile. In ihrem Geschäft sei es nicht sehr wahrscheinlich, dass Paketkunden spontan etwas „aus dem Kernsortiment“ kaufen. „Wir sind halt ein Transportgeschäft, da kommt das quasi nicht vor“, so Bleile.

Ähnlich sieht das beim Möbel- und Küchenstudio Uzun aus. Aber: „Die Kunden entdecken unser Geschäft oft durch den Paketshop“, sagt Inhaber Mushin Uzun. Seit knapp drei Jahren gibt es in dem Möbelladen drei Paketshops – von GLS, UPS und DPD. Damit sei allerdings eine Menge Aufwand verbunden. „Wir müssen halt schon mehr auf die Sicherheit achten“, so Uzun. „Damit wir die Pakete an die richtigen Leute herausgeben, müssen wir auch bei laufendem Betrieb immer den Personalausweis kontrollieren“, so Uzun. Dazu kommen gelegentlich Probleme mit den Waren. „Wir hatten es mal, dass jemand Sirup bestellt hat, der in dem Paket ausgelaufen ist. Die Sauerei haben dann natürlich wir. Aber zusammen mit dem Kunden haben wir das gut geregelt.“ Meistens laufe das Geschäft aber reibungslos. Uzun und seine Mitarbeiter profitieren in Bezug auf die Paketshops vor allem von der Werbewirkung. „Wir sind Online in den Filialfindern der Paketdienste aufgeführt, das hilft uns schon“, sagt er.

Das glaubt auch Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Durch die Paketshops kämen „neue Kundinnen und Kunden in den Laden, die dann nicht nur Pakete holen oder bringen, sondern vielleicht auch noch etwas einkaufen“, schreibt er in einem Statement an die EZ. Einzelhändler hätten zu kämpfen, um sich gegen die Online-Riesen durchzusetzen. Um ein Geschäft zukunftsfähig zu machen, sei es ratsam, zu diversifizieren. „Jedes zusätzliche Standbein kann für stationäre Einzelhändler positiv sein“, so Schmalzl.

Ein Paketshop könne darüber hinaus direkte Erträge bringen. Wie viel genau die Ladenbetreiber an den Paketshops verdienen, hängt laut Muhsin Uzun sowohl vom Anbieter als auch vom Verhandlungsgeschick des Ladeninhabers ab. „Zwischen 30 und 70 Cent pro Paket sind üblich, finanziell lohnt sich das für uns also nicht wirklich“, sagt er. Dennoch möchte er seine Paketshops – und vor allem deren Werbewirkung – nicht missen.

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