Ahmad Mansour Foto: dpa - dpa

Mitten in der heißen Integrationsdebatte bekennt der Autor und Psychologe Ahmad Mansour klar Farbe: „Wir müssen offen miteinander reden, sonst spielen wir den Rechten in die Hände.“

EsslingenWer in der Integrations-Debatte offen Farbe bekennt, darf sich nicht wundern, wenn ihm der Wind frontal ins Gesicht bläst. Kaum ein Thema ist emotional derart aufgeheizt wie dieses – die sachliche Diskussion fällt oft schwer. Ahmad Mansour kann ein Lied davon singen. Der Autor und Psychologe warnt in seinem Buch „Klartext zur Integration“ (S. Fischer Verlag, 20 Euro) vor falscher Toleranz genauso wie vor Panikmache. Er wirbt für eine aufrichtige Debatte, die Chancen und Risiken der Integration ehrlich benennt und die sich weder in Schwarzmalerei noch in Beschönigung verliert. Für Mansour ist klar: „Wir müssen offen miteinander reden, sonst spielen wir den Rechten in die Hände.“

Ahmad Mansour ist arabischer Israeli, lebt seit 2004 in Berlin – und er ist ein Beispiel für gelungene Integration. Er ist ein Teil unserer Gesellschaft geworden und setzt sich für Demokratie, Gleichberechtigung und ein friedliches Zusammenleben ein. Er sieht sich als Deutscher – und fühlt sich verpflichtet, seinen Beitrag zum Miteinander in dieser Gesellschaft zu leisten. Doch er weiß auch, dass der Weg, den er gegangen ist, nicht für alle Migranten so selbstverständlich ist wie für ihn selbst.

Beispiele nicht gelungener Integration

Und er scheut sich nicht, Beispiele zu nennen, wo Integration nicht gelungen ist. Zum Beispiel bei Nader, dem er ein Kapitel in seinem Buch gewidmet hat: Seit Jahren ist Nader deutscher Staatsbürger, doch er sieht sich allein als Palästinenser und Moslem. Und als solcher hat er sich in einer Parallelgesellschaft eingerichtet. Er ist zuhause in der Familie der Patriarch, arbeitet schwarz und kassiert trotzdem Stütze, und er sagt seinen Kindern klar, was er von ihnen erwartet: „Sie sollen die Ehre der Familie hochhalten. Sie sollen wissen, woher sie kommen, wissen, dass sie Palästinenser sind und sonst nichts, und auf mich hören.“ Das Bemühen, solche Menschen zu integrieren, stößt allzu oft an seine Grenzen.

Quer durch die Republik hat sich Ahmad Mansour mit ganz unterschiedlichen Menschen und Institutionen über ihre Erfahrungen unterhalten. Und sie haben ihn im Positiven wie im Negativen in seiner Einschätzung bestärkt: „Integration gelingt nur dann, wenn wir über Probleme und Differenzen offen sprechen – im Großen und Ganzen, aber auch im Einzelfall. Integration gelingt nicht, wenn eine völlig verunsicherte Gesellschaft alles richtig machen will, sich ihrer Werte unsicher ist und Kompromisse als Fortschritt versteht. Wir müssen uns fragen, wie wir mit Migranten umgehen, was wir von ihnen verlangen dürfen – und sie von uns. Integration ist nicht das Zelebrieren von Unterschieden, sondern die Festlegung von Regeln.“ adi

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