Kaum unbesetzte Stellen, keine Warteliste, keine eingeklagten Rechtsansprüche auf einen Kitaplatz: Die Gemeinde Hemmingen steht im Vergleich ausgesprochen gut da.
Fehlendes Kitapersonal, fehlende Betreuungsplätze, reduzierte Öffnungszeiten, geschlossene Gruppen: Die Kitakrise ist in vielen Kommunen allgegenwärtig. Nicht so in Hemmingen. Die Verwaltung hat auf Antrag des CDU-Ortsverbands einen Rundumschlag gemacht. Der zeigt: Die Kommune steht im Vergleich ausgesprochen gut da. Derzeit sind ein, zwei Stellen unbesetzt. Es gibt seit jeher weder Wartelisten noch mussten Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz einklagen. Allenfalls kam der Nachwuchs nicht in der Wunscheinrichtung unter. Und die Ganztagsbetreuung wurde vor zwei Jahren vor allem deshalb zurückgefahren, weil seit der Coronapandemie weniger Eltern die Betreuung bis 17 Uhr nutzen. Was ist Hemmingens Erfolgsgeheimnis? Erklärungsversuche.
„Was sicherlich wesentlich ist, ist die Schnelligkeit“, meint der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU). Interessenten würden „ruckzuck“ eingeladen, sobald ihre Bewerbung ins Rathaus flattert. Außerdem sei es Standard geworden, dass Bewerber erst mal in einer Kita hospitieren und dann rückmelden, wie es ihnen gefällt. Das sei heute der Wunsch vieler Anwärter.
Fast alle Azubis werden übernommen
In die Ausbildung steckt die Gemeinde viel Zeit und Geld. Das zahlt sich aus. Waren es vor sechs Jahren drei, sind es mittlerweile 14 Azubis – „und wir übernehmen fast alle“, sagt Thomas Schäfer und auch, die Gemeinde sei offen für sämtliche Wege, die es gibt, um Erzieher zu werden. Überwiegend mit Azubistellen könne die Gemeinde denn auch die natürliche Fluktuation ausgleichen.
Laut dem Bürgermeister zieht es Ausbildungswillige besonders dank Mundpropaganda in die Kitas im Ort. Thomas Schäfer sagt dazu lachend: „Unsere Mitarbeitenden haben wohl keinen schlechten Eindruck von ihrem Träger. Scheinbar haben wir uns einen ganz ordentlichen Ruf erarbeitet. Das spricht sich rum.“ Man müsse mehr tun, als die Angestellten bloß zu verwalten. „Unser Personalamt kümmert sich verstärkt und versucht, die Mitarbeiter gefühlt in allen Lebenslagen zu begleiten“, so Schäfer. Ein gutes Klima führe dazu, dass die Beschäftigten zufrieden sind und sich damit auch die Azubis wohlfühlen. Beim „Übernahme-Café“ erhalten sie traditionell ihr Zeugnis. Eingeladen sind auch die Anleiter beziehungsweise Ausbilder. „Als Zeichen der Wertschätzung“, sagt Thomas Schäfer. Im Bauhof findet jedes Jahr ein Mitarbeiterfest statt, die Gemeinde bezuschusst den Besuch im Fitnessstudio.
Bürgermeister: Kinderbetreuung muss bedarfsgerecht sein
In den Hemminger Kitas sind derzeit etwa 145 Mitarbeiter in der pädagogischen Arbeit tätig. Hinzu kommen unter anderem Praktikanten und Bufdis. Die Gemeinde hat acht kommunale Kitas mit etwa 540 Plätzen, ein Kindernest und einen Hort. Der wird gerade um 50 auf dann 150 Plätze erweitert, damit die Gemeinde den künftigen Anspruch auf Ganztagsbetreuung von Grundschülern erfüllen kann.
Die Kommune scheut sich nicht, neue Angebote einzuführen – und sie im Zweifel wieder abzuschaffen. Wie den Ganztag light an drei oder fünf Tagen bis 15 Uhr. Er habe „nicht so gezündet“. Die Prämisse sei eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung, erläutert der Bürgermeister. Auf die Bedürfnisse der Eltern oder Impulse aus den Kitas reagiere man schon immer. Dazu gehöre auch, „die Möglichkeiten zu nutzen, die uns der Gesetzgeber gibt“. Womit Thomas Schäfer auf den Erprobungsparagrafen anspielt.
SPD kritisiert das Vorhaben Spielgruppe
Mit der Änderung des Kita-Gesetzes Ende 2023 durch das Land haben Träger mehr Spielraum, um Personalengpässen entgegenzuwirken. Sie können von Personalvorgaben abweichen. Das ist zwar umstritten, erlaubt Hemmingen aber, eine Spielgruppe zu öffnen: Das „niederschwellige Angebot“ zunächst in der Kita Laurentiusstraße erfolgt mit einer Fachkraft plus Nichtfachkräften nach der verlängerten Öffnungszeit bis 16 Uhr. Der Amtsleiter Ralf Kirschner formuliert es so: Man müsse Kinder nicht nonstop mit Pädagogik umgarnen. Eigentlich bräuchte die Spielgruppe keine Fachkraft, doch man wolle so die nächsten zwei Jahre Erfahrungen sammeln.
Die SPD im Gemeinderat kritisiert das Vorhaben. Nichtfachkräfte seien im Krankheitsfall nötig, findet Christiane Denne. Zudem komme das Projekt zum falschen Zeitpunkt: Die Kita befinde sich im Aufbau. Daher habe man die Kita gewählt, entgegnet der Bürgermeister. Er erhofft sich eine Blaupause.