Paul Theis spielt seit seiner Kindheit Orgel. Foto: Rainer Kellmayer

Chorleiter Paul Theis spielt seit 28 Jahren in der Köngener Kirchenmusik eine Rolle. In der Corona-Krise probt der passionierte Musiker auch über Skype mit seinen Chören.

Köngen - Gewaltige Orgelklänge füllen die katholische Kirche „Zum Guten Hirten“ in Köngen: Dichte Akkordfolgen wechseln mit brillantem Laufwerk, das Ganze verschmilzt zu einem beeindruckenden opulenten Klanggemälde. Man merkt schnell: An der Orgel sitzt ein Könner, der Manuale und Pedal meisterhaft beherrscht. Es ist Paul Theis, der bereits seit 28 Jahren die katholische Kirchenmusik in Köngen und Unterensingen wesentlich beeinflusst. „In Köngen habe ich auch mein privates Glück gefunden“, erinnert sich Theis gerne an die Anfangsjahre zurück. Schon damals leitete er als junger Musiker den Köngener Kirchenchor. Schon bald verliebte er sich in eine Sängerin des Chores, bekam mit ihr zwei Töchter und lebt noch heute mit seiner Familie in Köngen: „Ich fühle mich hier sehr wohl“.

Das Studium führte den aus der im Westerwald gelegenen Stadt Betzdorf/Sieg stammenden Musiker einst in die Region Stuttgart. An der Musikhochschule der Landeshauptstadt studierte er bei den Professoren Ludger Lohmann und Willibald Bezler Orgel, bildete sich auch in Ensembleleitung und Gesang weiter und war mehrfach bei Musikwettbewerben erfolgreich. Doch die musikalische Karriere hatte schon wesentlich früher begonnen. In der Zisterzienserabtei Marienstatt erhielt er als Kind ersten Orgelunterricht. „Bereits als Zwölfjähriger spielte ich im Gottesdienst die Orgel“, blickt Theis zurück, der schon während der Schulzeit als Jungstudent in die Orgelklasse von Professor Michael Schneider in Köln aufgenommen worden war.

Die Begegnung mit Menschen ist Paul Theis sehr wichtig. Großen Spaß macht ihm die Arbeit mit den Chören, die er mit seiner lockeren, sympathischen Art begeistert. „Im Zentrum der Proben steht die konsequente musikalische Arbeit, doch auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen“. Diesen Spagat schafft der 55-Jährige problemlos – er überzeugt durch fachliche Kompetenz und seine positive, emphatische Ausstrahlung. Als Sänger ist Paul Theis nicht mehr so oft wie früher zu hören, doch seinem Credo, Menschen mit niveauvoller Musik in Kontakt zu bringen, ist er treu geblieben. Neben der kirchenmusikalischen Arbeit leitet der Dirigent seit 2001 den Jungen Chor Stuttgart, mit dem er ein breites Spektrum abdeckt: Von Renaissance-Madrigalen über romantische Klänge bis hin zu Pop-Arrangements, wobei auch die zeitgenössische klassische Chormusik nicht fehlen darf. „Ich führe Neutönerisches, beispielsweise Chorsätze des estnischen Komponisten Arvo Pärt genauso gerne auf wie Beatles-Songs“. Seit einigen Jahren ist er auch Dirigent der Liederlust Ohmden – eines Gesangvereins, mit dem er ein breitgefächertes Chorrepertoire erarbeitet hat. Neben dem Orgelspiel im Gottesdienst und der Chorarbeit unterrichtet Paul Theis zahlreiche Schüler und ist auch im professionellen Konzertbetrieb aktiv. Als geschätzter Orgel-Partner konzertiert er mit dem Trompeter Bernhard Kratzer regelmäßig im süddeutschen Raum, begeistert nicht nur in Live-Konzerten, sondern auch auf mit Kratzer eingespielten CDs. Da Theis all diese Tätigkeiten freiberuflich ausübt, trifft ihn die Corona-Krise hart: „Keine Gottesdienste, die Chorproben fallen aus, Konzerte sind abgesagt und auch der Unterricht mit den Schülern gestaltet sich schwierig“. Doch deshalb in Lethargie verfallen? Das ist für den agilen Musiker keine Option. Er bleibt optimistisch, unterrichtet teilweise über Skype und probt auch mit der Jugendkantorei übers Internet. Damit die Gemeinde auch in dieser schwierigen Zeit nicht auf Kirchenmusik verzichten muss, stellt Theis Aufnahmen der Jugendkantorei und des Kirchenchors ebenso ins Netz wie Orgelmusik. So bleibt er am Ball, bereitet sich und andere auf die Zeit nach Corona vor. „Mir ist wichtig, dem Publikum Augen und Ohren zu öffnen, auch mit Musik jenseits des Mainstreams“. Dieser Philosophie folgt der Musiker und Pädagoge konsequent. Mehr noch: Er möchte die Menschen nicht nur zu bewusstem Hören bringen, sondern ihnen darüber hinaus vermitteln, wie bereichernd aktives Musizieren sein kann. „Jeder soll seine innere Zufriedenheit finden und mit dem, was er macht, glücklich werden“. Doch nicht nur die Musik erfüllt Paul Theis’ Leben – wichtig sind ihm neben der Familie auch seine Hobbys: Tanzen, Lesen und Radfahren. So lädt er seinen Akku immer wieder auf, findet Kraft und Inspiration für sein vielschichtiges und spannendes Musikerleben.

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