50 Kilogramm Süßigkeiten regneten diesen Dienstag auf dem Kinderfasching in Marbach (Kreis Ludwigsburg) unter dem Motto „fair-rückte Welt“.
Der Wahlkampf ist vorbei, Wahlstände abgebaut und Plakate abgenommen. Trotzdem bleibt es in diesen Tagen chaotisch in Marbachs Straßen. Besonders am Dienstag auf der Schillerhöhe geht es bunt zu, auf dem jährlichen Kinderfasching. Hunderte Elfen, Feen, Spider-Mans und andere bunt kostümierte Figuren allen Alters feiern die fünfte Jahreszeit.
Mit Musik der Sulmanafetza Neckarsulm vor der Stadthalle steigt die Stimmung gleich rasant. Auf wilde Posaunenklänge und Trommelwirbel können sich die Kinder jedoch kaum konzentrieren. Schon gleich nach dem letzten Takt tritt Bürgermeister Jan Trost als Pirat verkleidet auf die Bühne. Mit ein paar Grußworten und einer ersten Handvoll Bonbons eröffnet das Stadtoberhaupt den süßesten Teil des Kinderfestes: den Bonbonregen.
Bonbonregen der Extraklasse
Über 50 Kilogramm Süßigkeiten landen innerhalb der nächsten 10 Minuten in der tobenden Meute. Das Publikum krabbelt begeistert schreiend auf dem Boden herum, um auch das letzte Bonbon in die Taschen zu stecken. Nach dem süßen Tohuwabohu soll dann die Stadthalle fürs Programm geöffnet werden. Jedoch fehlt wie jedes Jahr der Hallenschlüssel. Nach einiger Koordinationsarbeit schreit die Menge gemeinsam so laut sie können „Wir wollen den Schlüssel“ und verdient sich damit vom Stadtoberhaupt das Öffnungsinstrument. Schnell wird das schlüsselförmige Großgebäckstück vertilgt und Eltern und Nachwuchs strömen in die Halle.
„Es ist wirklich wunderschön, vor allem bei dem Wetter“, erklärt Pirat Trost. Schon seit seinem Amtsantritt 2013 freut sich das Stadtoberhaupt immer auf den Kinderfasching. Trost achtet auch darauf, jedes Jahr sich ein neues Kostüm auszudenken. Unter seinem Piratenkostüm trägt er Anzug. „Das ist meine Mittagspause, danach geht es wieder ins Büro zum Schaffen.“
Veränderungen in 30 Jahren Kinderspaß
Am Stadthalleneingang kommt man an einem großen, neongrünen Punker nicht vorbei. Georg Stenkamp, der Leiter des Jugendzentrums Planet X, organisiert schon seit 30 Jahren den Kinderfasching. Früher war er jedoch noch ziemlich anders, berichtet Stenkamp: „Früher war es kleiner, mit Rathaussturm und Bonbonwerfen vom Rathaus. Damals gab es auch noch den Rathausschlüssel.“
Damals war es vom Rathaus mit einem Kinderumzug vom Rathaus zur Stadthalle gegangen. Doch über die Jahre wurde der Umzug immer kleiner. Während Corona hatte man dann beschlossen, den Umzug zu streichen und von Anfang an in der Stadthalle zu bleiben. Das findet Stenkamp auch gut, denn „Wenn man das jetzt sieht mit Mannheim, sind wir auch gottfroh, keinen Umzug zu haben. So können Eltern ohne Sorgen teilnehmen.“
Kinder retten die Welt
Auch ein Motto hat das Spektakel dieses Jahr: „Fair-rückte Welt!“ Damit verweist man sowohl auf die politische Weltsituation als auch auf Marbach als Fair-Trade-Stadt. Den Fair-Trade-Kaffee verkaufen Marbacher Schülersprecherinnen und Schülersprecher.
Das Motto spielt auch auf das Sommerferienprogramm des Jugendhauses Planet X an. Wie jedes Jahr müssen im Sommer in dieser „total verrückten Welt“ die Kinder ihre Zukunft vor den Erwachsenen retten. Das hätte auch einen Realitätsbezug, meint Stenkamp: „Es wird ja auch immer mehr zur Realität. Die Erwachsenen bekommen es nicht gebacken und die Jugendlichen und Kinder müssen gucken, wie sie die Welt von morgen retten, ob Klima, Kriege oder alte, weiße Männer in Regierungsposten.“
Auf der fair-rückten Veranstaltung vergnügen sich Kinder, Eltern und Großeltern mit Programm von den Marbacher Hexen, mehreren Tanzeinlagen, dem Clown Fanelli und einem Kostümwettbewerb. Durch das Programm führen eine Waldfee und zwei verrückte Wissenschaftler, Claudia Freude, Peter Vosseler und Andreas Ludmann. Vosseler organisiert schon im zehnten Jahr den Kinderfasching mit. Am Ende gehen die Feen, Prinzessinnen und Cowboys müde und glücklich nach Hause, nur die Bonbonpapiere blieben still auf der Schillerhöhe zurück.