Kinderbetreuung ist eine Aufgabe, die nicht nur die Stadt Rutesheim herausfordert. (Symbolbild). Foto: Monika Skolimowska/dpa

Die Kinderbetreuung in Rutesheim ist auf einem hohen Niveau, und die Stadt plant für die Zukunft. Doch immer mehr Kinder benötigten Sprachförderung. An Eltern geht ein klarer Appell.

Was die Kinderbetreuung betrifft, ist die Stadt Rutesheim in einer komfortablen Situation. „Aktuell kann jedes angemeldete Kind einen Betreuungsplatz bekommen. Eine Warteliste gibt es nicht“, sagte der Erste Beigeordnete Martin Killinger, der in Abwesenheit der erkrankten Bürgermeisterin Susanne Widmaier die jüngste Gemeinderatssitzung leitete und den Vertreterinnen und Vertretern des Stadtparlaments die fortgeschriebene Bedarfsplanung vorstellte. Diese wurde dann auch beschlossen.

Mehr Kita-Plätze nötig wegen Wohnen auf früherem Bosch-Areal

Mit dem geplanten neuen Wohngebiet auf dem ehemaligen Bosch-Areal, wo etwa 250 Wohnungen entstehen sollen, würden bis 2028/2029 zusätzliche Kita-Plätze benötigt. „Bis dahin reichen die vorhandenen Kapazitäten“, sagte Killinger. „Bis zum Herbst 2026 sind nun die freien Reserven und mögliche bauliche Lösungen zu prüfen“, sagte Killinger. Werden die Wohnungen bezogen, könnten rund 40 neue Plätze für Kinder über drei Jahre sowie 20 Betreuungsplatze für Kinder unter drei Jahren notwendig werden.

Gebäude wird generalsaniert – Übergangslösung nötig

Das Gebäude des Kindergartens Scheibbser Straße stammt noch aus den 1980er Jahren und soll energetisch generalsaniert oder neu gebaut werden. Aber nur unter der Prämisse, wenn für die Bauzeit eine gute Übergangslösung gefunden wird. Sollte es der zunehmende Bedarf für Ganztagesbetreuung erfordern, sei zu gegebener Zeit beim Kindergarten Goethestraße ein Anbau mit Schlafräumen zu prüfen. In Perouse decke der 2022/2023 neu erweiterte Kindergarten den Bedarf derzeit gut ab.

Personal: Bei Bedarf springen Ruheständlerinnen ein

Wenn ab September der neue Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder greift, wird zusätzlicher Raum für den Hort im Schulhaus Hindenburgstraße erforderlich sein. Daher wurde bereits im vergangenen Jahr beschlossen, dass das ehemalige Lehrerwohngebäude, das 1925/26 errichtet wurde, abgerissen wird und an seiner Stelle ein Schülerhort errichtet wird. Baubeginn ist für das Frühjahr 2026 geplant.

 

Martin Killinger betonte, dass die Stadt hohe Ansprüche an Qualitätsmanagement und Ausbildung lege. „Wir können den Personalbedarf noch gut erfüllen, bilden aber auch intensiv aus“, so der Erste Beigeordnete der Stadt. Zudem könnten sich die Einrichtungen immer wieder auch auf Ruheständlerinnen verlassen, die bei Bedarf einspringen.

Fritz Schlicher, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sprach der Verwaltung ein Lob aus: „Wir sind stolz auf unsere Einrichtungen, die weiteren Herausforderungen nehmen wir an.“ Auch Harald Schaber (Unabhängige Bürger Rutesheim) ist mit der Betreuungssituation zufrieden: „Es ist gut, dass wir alle Kinder unterbringen können.“

Die Zahl der verhaltensauffälligen Kindern steigt

Ein Thema beschäftigt die Stadt zunehmend. „Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass in Deutschland bereits mehr als 50 Prozent der Kinder im Kindergartenalter einen besonderen Sprachbedarf haben und die Zahl der sehr verhaltensauffälligen Kinder stetig zunimmt“, sagt Martin Killinger. In Rutesheim liege diese Zahl bei mehr als 30 Prozent. Einen besonderen Sprachgebrauch hätten dabei längst nicht mehr nur die Kinder mit Migrationshintergrund. Auf der Suche nach Ursachen appelliert der Erste Beigeordnete vor allem an Eltern, die Nutzungshäufigkeit des Handys zu überprüfen. „Das beansprucht in der Hand von Eltern oder Bezugspersonen zu oft in der Gegenwart von Kindern die ganze Aufmerksamkeit des Erwachsenen.“ Das sei auch in Rutesheim oft zu sehen. Auf dem Spielplatz, im Auto, beim Spazierengehen.

Das ehemalige Lehrerwohngebäude in der Hindenburgstraße macht Platz für einen Schülerhort. Foto: Simon Granville

„Die Kinder lernen die Sprache aber vor allem durch persönliche Zuwendung und Kommunikation. Legen Sie mal das Handy weg und lesen Sie Ihrem Kind eine Geschichte vor, am Tisch beim gemeinsamen Essen hat das Handy auch nichts zu suchen.“ Killinger betont aber auch, dass er uneingeschränkt zur Digitalisierung stehe und sie sehr engagiert unterstütze. „Mir geht es um mögliche Ursachen der zugenommenen Probleme bei vielen Kindern und Jugendlichen.“