Petra Benesch berät Frauen vor oder in den Wechseljahren. Was macht sie genau, welche Tipps gibt sie Betroffenen – und wie findet sie den Hype um die Menopause derzeit?
Mythen und Fakten rund um die Wechseljahre – darum soll es beim ersten so genannten Menotalk in Stuttgart-Süd gehen. Die Veranstaltung passt in eine Zeit, in der das Thema Menopause omnipräsent scheint. Die Wechseljahreberaterin Petra Benesch, die die Reihe mitorganisiert, erzählt, mit welchen Anliegen Frauen zu ihr kommen – und welche Risiken und Chancen in der neuen Aufmerksamkeit für die Wechseljahre liegen.
Frau Benesch, Wechseljahre – das ist gerade ein sehr präsentes Thema in Büchern, Podcasts, auf Sozialen Medien. Bekommen Sie mehr Anfragen für eine Beratung?
Ich merke diese Entwicklung schon. Als ich vor fünf Jahren anfing, hatte ich mal eine Anfrage pro Monat, mal gar keine. Heute sind es deutlich mehr.
Wer kommt in Ihre eineinhalbstündige Beratung?
Frauen zwischen 40 und Anfang 60, vorrangig solche, die unter Wechseljahre-Symptomen leiden. Von ihrem Arzt und dem Umfeld haben sie oft zu hören bekommen: „Das ist normal, da musst du halt durch!“ Das finde ich schade.
Bei dem Thema denk man sofort an Hitzewallungen. Ist das wirklich das größte Problem?
Tatsächlich kommen viele Frauen mit diesem Symptom zu mir. Allerdings gibt es nicht die Wechseljahre und die eine Lösung dafür. Für eine Frau ist Schwitzen nicht so schlimm, für eine andere sehr. Generell gilt: Ein Drittel der Frauen bekommt von den Wechseljahren symptomatisch kaum etwas mit. Ein Drittel hat zwar Symptome, kommt aber gut klar. Das letzte Drittel leidet wirklich. Interessanterweise sind das oft jene, die früher schon starke Menstruationsbeschwerden hatten.
Was raten Sie gegen Hitzewallungen?
Zunächst frage ich, wie sich diese bei einer Frau äußern, und ob das Thema bereits von ärztlicher Seite her abgeklärt, zum Beispiel die Schilddrüse überprüft wurde. Auch, was die Frau dagegen unternommen hatte. Bei manchen bollert ein Backofen in der Körpermitte, bei anderen wird der Kopf heiß und es läuft schweißig herunter. Ich frage dann zum Beispiel nach den Ess- und Lebensgewohnheiten sowie ihrem Stressmanagement, wie das Schlafzimmer eingerichtet ist, ob es gut belüftet und kühl ist, aus welchen Materialien die Bettwäsche und Kleidung besteht. Außerdem zeige ich, was es an Hitzewallungssprays gibt, informiere welche aromatherapeutischen Möglichkeiten oder therapeutische Kräutertees es gäbe. Es gibt auch Schüßlersalze, Globuli und natürlich Hormontherapie. Dazu verweise ich die Frau dann auf die Frauenärztin oder Homöopathin ihres Vertrauens.
Über welche Symptome sprechen Sie noch mit den Frauen?
Erst mal kläre ich in einer Anamnese, was sich die Frau von der Beratung erwartet, ob es eine Krankengeschichte gibt, sie Medikamente nimmt und wer therapeutisch bereits einbezogen wurde. Dann gehen wir die Liste mit möglichen Symptomen durch. Neben den Klassikern stehen darauf unter anderem Vergesslichkeit, Ängstlichkeit, Gelenk- oder Muskelbeschwerden, Trockenheit der Scheide, Haarausfall. Die Klientin bewertet deren Stärke. Wenn ich das Gefühl habe, hinter den Symptomen, zum Beispiel Herzstolpern, könnte eine andere Erkrankung stecken, schicke ich die Frauen weiter, um das medizinisch abzuklären. Außerdem erkläre ich, wie der weibliche Zyklus funktioniert.
Wissen das Frauen nicht?
Ich war erstaunt, wie wenig manche wissen! Wie der Zyklus den Hormonstatus von Progesteron und Östrogen stark beeinflusst. Progesteron entsteht zum Beispiel hauptsächlich ab der Zyklusmitte aus der leeren Eihülle. Wenn der Eisprung nicht mehr regelmäßig stattfindet, nimmt also auch der Spiegel dieses Hormons ab. Das hat dann Folgen zum Beispiel für die Vaginalschleimhaut. Was viele auch nicht wissen: Wenn ich keinen Eisprung mehr habe, brauche ich 350 bis 400 Kilokalorien weniger, also insgesamt deutlich unter 2000 pro Tag. Deshalb sollten manche auch ihre Essgewohnheiten umstellen.
Wie denn?
Tendenziell auf mediterrane Küche – auf frische Lebensmittel, vor allem viel Gemüse und Obst, dafür wenig Kohlenhydrate. Außerdem baut sich etwa ab dem Alter von 30 Jahren die Muskulatur langsam ab. Ich muss also darauf achten, über die Nahrung Proteine und Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen. Und natürlich sind Sport und tägliche Bewegung ein absolutes Muss, sonst wird Bauchfett angesetzt. Das wirkt sich wieder negativ auf den Hormonhaushalt aus und fördert Entzündungsprozesse im Körper. Auch mit Alkohol sollte man aufpassen. Der besteht hauptsächlich aus Zucker und schädigt das Gehirn, was sich auf die Merkfähigkeit und Konzentration auswirken kann. Deshalb ist es wichtig, genug ungesüßte Flüssigkeit zu trinken: 250 Milliliter pro zehn Kilogramm Körpergewicht täglich.
Muskelabbau, Konzentrationsprobleme, Bauchfett – hört sich beängstigend an!
Das ist es aber nicht! Das sind ganz normale Prozesse, mit denen man umgehen kann. Es ärgert mich, dass vor allem auf den Sozialen Medien Ängste geschürt werden, auch in manchen Bestsellern zu dem Thema. Es werden Horrorszenarien verbreitet von der alten, faltigen, unleidigen, schwitzenden Frau, deren Scheide schrumpft, wenn sie keine Hormontherapie macht! Das finde ich schräg.
Sind Sie dagegen, Hormone zu nehmen?
Nein, keinesfalls. Aber ich sehe sie als letzten Joker, wenn alles andere bei der Frau zu wenig Wirkung zeigte. Man sollte aber nicht glauben, dass Hormone eine Wunderpille sind, mit der sich alle Probleme lösen. Das verengt das Thema. Als gehe es nur darum, den Körper wieder ins Lot zu bringen. Es gibt ja auch noch eine psychische Komponente. In diese Lebensphase spielt vieles hinein.
Was zum Beispiel?
Es stellen sich in diesem Alter Sinnfragen, etwa, ob die Lebensumstände noch stimmig sind, wie es weiter gehen soll. Es gibt das Empty Nest Syndrom, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Hat die Frau nicht oder wenig gearbeitet, ist ein Thema, wie es beruflich weiter geht. Die Themen, mit denen man in der Lebensmitte konfrontiert wird, sind oftmals komplex, der Körper ein feines Uhrwerk, das sich nicht nur durch einen Hebel einstellen lässt. Generell finde ich es sehr wichtig, dass das Thema Menopause nicht mehr so schambehaftet ist und in die Öffentlichkeit, auch auf der politischen Ebene, kommt.
Geraten Frauen dadurch nicht unter Druck: Tu was, damit du wieder „normal“ funktionierst?
Es gibt schon die Gefahr, dass vermeintlich einfache Wege aufgezeigt und schnelle Versprechungen gegeben werden. Dass es nur darum geht, attraktiv und sexy zu bleiben. Davon profitiert die Kosmetik- und Schönheitsindustrie. Aber es gibt eben auch die Chance, dass jetzt Netzwerke entstehen, dass Arbeitgeber das Thema aufgreifen oder die Krankenkassen.
Wie sollte so ein Netzwerk aussehen?
Meine Vision ist, dass Ärztinnen und Ärzte mit Wechseljahreberaterinnen und weiteren beratenden wie auch therapeutischen Stellen, etwa aus dem Bereich Ernährung oder Psyche, kooperieren und Krankenkassen solche Leistungen im Sinne der Prävention auch in Teilen bezahlen. Es gibt bereits Arbeitgeber, die Frauen in diesen Jahren im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements Beratung anbieten oder mit Teilzeitangeboten entgegen kommen. Es zeigt sich in Studien: Wer über das Thema Bescheid weiß, kommt besser mit den Symptomen zurecht.
Schadet es Frauen nicht, wenn betont wird, dass sie in bestimmten Phasen einfach weniger leistungsfähig sind?
Das trifft ja auch Männer, deren Hormonspiegel verändert sich im mittleren Alter ebenfalls. Sie brauchen mehr Ruhepausen, bekommen teils Konzentrationsprobleme, haben Ängste, ob sie dem Leistungsdruck noch gewachsen sind. Damit muss man umgehen als Arbeitgeber.
Apropos: Kommen auch Männer in die Beratung?
Bislang nicht, aber gerade für Partner wäre es spannend und sinnvoll zu wissen, was in diesen Jahren bei ihren Partnerinnen passiert. Ich arbeite ja auch als Therapeutin und sehe: Langjährige Paare hören sich oft nicht mehr zu, nehmen sich nicht mehr wahr. Denen gebe ich dann die Aufgabe mit, sich in ruhiger Atmosphäre wertschätzend einfach mal gegenseitig etwas zu erzählen. Dabei ist wichtig: Wenn der eine redet hört der andere aufmerksam zu. Dabei kann auch die Menopause ein Thema sein.
Viele Frauen im mittleren Alter haben Kinder, teils noch kleinere, teils in der Pubertät. Sollte man mit denen auch über das Thema sprechen?
Es ist zumindest einen Versuch wert. Die Wechseljahre werden die zweite Pubertät genannt. Es gibt Parallelen: Die Stimmungsschwankungen, dieses Flatternde, sich Verändernde. Es kann sein, dass Kinder und Mütter in dieser Zeit Ähnliches erleben. Sind die Kinder in der Pubertät und die Frau in den Wechseljahren, ist es vorprogrammiert, dass es kracht. Aber es ist auch eine Chance, sich gegenseitig besser zu verstehen.
Menotalk im Müze
Petra Benesch
, Petra Benesch , Jahrgang 1966, ist ausgebildete Krankenschwester, Auditorin im Gesundheitswesen, Heilpraktikerin für Psychotherapie und zertifizierte Wechseljahreberaterin. Sie ist Mutter eines Kindes und lebt und arbeitet in Stuttgart-Botnang: www.benesch-midlifecare.de
Menotalk im Müze
Zusammen mit Marion Pfitzenmayer (Yogalehrerin, Fitness-/ Entspannungstrainerin) und Alea Melchior (Diätassistentin und