Mit viel Lust am Experiment ist Stuttgart in das Jahr 2023 gestartet. Jetzt ist Künstliche Intelligenz ein Thema im Kunstmuseum – davon profitiert auch der Technologiestandort.
Ohne Künstliche Intelligenz (KI), ohne den Einsatz automatisierten intelligenten Verhaltens und maschinellen Lernens, geht kaum noch etwas in der Wirtschaftsmetropole Region Stuttgart. Neue digitale Realitäten befeuern aber keineswegs nur Technologiesprünge im Maschinenbau und in der Mobilität. Auch die Künste setzen auf KI – und bestätigen auf ihre Weise die Bedeutung der Landeshauptstadt Stuttgart als Standort eines Höchstleistungsrechenzentrums.
Eben noch Undenkbares wird Realität
Doch bei der Künstlichen Intelligenz geht es längst um mehr als um die Frage, welche Welten etwa im Animationsfilm noch zu erschließen sind, wie sich Klangebenen verschieben lassen oder eben noch bautechnisch Undenkbares in weltweiten Projekten im Südwesten beheimateter Büros realisieren lässt. Und längst auch geht es um mehr als um die Frage wie nachhaltig die Metropolregion Stuttgart als Forschungsstandort für Luft- und Raumfahrt ist oder welche Sprünge in der Medizintechnik in den Innovationszentren Tübingen und Stuttgart noch zu erreichen sind.
„Shift. KI und eine zukünftige Gemeinschaft“ heißt denn auch eine Ausstellung, die am 3. Februar um 19 Uhr im Kunstmuseum Stuttgart eröffnet wird. Untersuchen soll „Shift“ „die bereits bestehende Verschränkung von KI und Lebensrealität“ und „Fragen nach einer ethischen Verantwortung im Umgang mit KI“. Es geht um viel, vor allem um „die verborgenen, ja unsichtbaren Prozesse, die das kooperative Verhältnis von Mensch und Maschine bestimmen und auch nachhaltig verändern“, wie Ausstellungsmacherin Eva-Marina Froitzheim sagt.
Wie viel Künstliche Intelligenz lassen wir zu?
Und tatsächlich sind diese Fragen ja dringend zu klären: Wie unterscheiden sich menschlich-biologische und künstliche Intelligenz voneinander? Wie viel Künstliche Intelligenz wollen wir als Gesellschaft zulassen? Wer glaubt, dies sei eine Frage der Zukunft, irrt. Schon jetzt etwa können KI-Textprogramme eigene Realitäten entwickeln. Künstliche Intelligenz, formuliert deshalb auch Nicolas Flores-Herr, Leiter des Geschäftsbereiches Document Analytics im Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme in Sankt Augustin, sei eine ähnlich weitreichende Revolution wie das Internet.
Sind wir also dabei, unsere Idee von Welt abzugeben? Das wäre die negative Frage. Die positive könnte lauten: Wie kann es gelingen, Arbeitswelten etwa nicht nur formal neu zu denken, sondern auch inhaltlich? Und wie lassen sich hierfür die KI-Fäden im Südwesten insgesamt und in der Metropolregion Stuttgart insbesondere noch enger knüpfen?
Wirtschaft sieht neue Verknüpfungen
Die Kultur zeigt sich als Schrittmacher: Das „Shift“-Begleitprogramm wurde zusammen mit dem Stuttgarter Zentrum für Simulationswissenschaft und dem Cyber Valley Stuttgart/Tübingen entwickelt. Zudem weckt die rasche Folge innovativer Kunstformen wie Experimentalfilmfest Filmwinter im Januar oder aktuell das Experimentalmusikfestival Eclat (1. bis 5. Februar) und „Shift“ auch in der Wirtschaft neues Interesse am übergreifenden Dialog.
Für den Unternehmer Matthias Stroezel, Gründungsmitglied des Media Solution Center Baden-Württemberg, Anlaufstelle und Impulsgeber der Kompetenzen rund um das Höchstleistungsrechenzentrum in Stuttgart-Vaihingen, ist klar: „Spannende Projekte wie ,Shift’ im Kunstmuseum Stuttgart sind in ihren Kooperationen mit Wissenschaft und Wirtschaft ein starkes Argument für den Standort Metropolregion Stuttgart an sich.“
Kultur bringt den Wandel auf den Punkt
Wir alle sind Akteurinnen und Akteure eine tief greifenden Wandels. Die Kultur, das macht „Shift. KI und eine zukünftige Gemeinschaft“ im Kunstmuseum Stuttgart deutlich, hat keine Angst vor den neuen Realitäten. Sie bringt sie im besten Sinn auf den Punkt.