Der 33-jährige Khaled Naim ist ein gefragter Redner auf Konferenzen. Foto: eva-photography.com

Khaled Naim ist ein echtes Urgestein der professionellen Gaming-Szene. Mit seinen verschiedenen Consulting-Agenturen hat er bis heute weit mehr als 50 Vereine zur Positionierung auf dem digitalen Unterhaltungsmarkt beraten – darunter der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg.

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Esslingen - Herz, Emotionen, Leidenschaft. Khaled Naim muss nicht lange überlegen, als er nach der Bedeutung des E-Sports für sein Leben gefragt wird. „Ich habe den größten Teil meines Lebens damit verbracht, habe dabei so viel erlebt, habe über die Jahre so viele Kämpfe kämpfen müssen, um dort zu landen, wo ich heute stehe. Ich würde für die digitale Welt sterben“, sagt Naim. Das ist freilich ziemlich überspitzt formuliert, doch wenn man den 33-Jährigen über Gaming, über E-Sport und das Digitale sprechen hört, dann wird da eine ganz besondere Energie transportiert. Eine Energie, die dem Zuhörer klar und deutlich vermittelt, dass da jemand redet, der weiß, was er will und wovon er spricht.

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Kurz gesagt: Khaled Naim lebt und atmet E-Sport. Sein Platz in der grellen und schnelllebigen digitalen Unterhaltungswelt ist allerdings nicht mit dem Controller in der Hand vor dem Bildschirm, Naim ist kein professioneller Zocker. Er ist Berater, einer der Konzepte für die ganz großen Player der E-Sport-Szene und auf dem Digitalmarkt entwickelt hat. Er hat mit dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg zusammengearbeitet, zudem ist er ein gefragter Speaker.

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Mittelohrentzündung ebnet den Weg zum Gaming

Der Weg dorthin war für Naim allerdings alles andere als leicht. 1991 flüchtete er als Dreijähriger zusammen mit seinen Eltern und seinen vier Brüdern vor dem Krieg in seinem Heimatland Afghanistan nach Deutschland, genauer gesagt nach Nagold im Landkreis Calw. Ende der 90er-Jahre fand der damals Elfjährige schließlich auf kuriose Weise den Zugang zum Gaming – dank einer Mittelohrentzündung. „Wir hatten kurz zuvor den ersten eigenen Computer bekommen und ich konnte, eben weil ich krank war, nicht zur Schule gehen“, erinnert sich Naim an seine ersten Schritte. „Also habe ich gezockt.“ Er spielte „Anno 1602“, einen Aufbaustrategie-Klassiker, bei dem es darum geht, eine bisher unerforschte Inselwelt zu entdecken und zu besiedeln. „Mir sind dabei leider immer die nötigen Rohstoffe ausgegangen, also habe ich begonnen, hinter die Fassade des Spiels zu blicken und mir durch Veränderungen des Codes unendlich große Mengen Holz und andere Waren verschafft“, erklärt der Familienvater.

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Erste Firmengründung mit 16

Er fand gefallen am Zocken, entdeckte Spieleklassiker wie „Half Life“ oder „Counter-Strike“ für sich, trat Clans bei. Zum Profi reichte es aber nicht. Im Gegenteil. „Ich war immer ein begeisterter, aber eher miserabler Spieler“, sagt Naim lachend. Er sei aber ein durch und durch digitales Kind gewesen, erinnert sich Naim und ergänzt: „Ich habe verstanden, wie die digitale Welt funktioniert. Es gibt keine Barrieren, keine Grenzen. Ich habe mich dort besser zurecht gefunden, als in der realen Welt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“ Die Konsequenz: Er ging bereits mit 16 mit seiner erste E-Sport-Consulting-Firma auf den Markt. Das brachte ihm viel Ärger und viele Diskussionen mit seinen Eltern, aber auch mehr und mehr Anerkennung in der Gaming-Industrie ein. Dafür musste Naim aber hart kämpfen. „Machen wir uns nichts vor: Natürlich wird man als Jugendlicher, der neu in der Branche auftaucht und mit etablierten Unternehmen ins Gespräch kommen will, zunächst nicht ernst genommen“, sagt der 33-Jährige. „Diese Unternehmen wussten aber gleichzeitig auch, dass das Business auf jüngere Leute ausgerichtet ist. Und ich war jung, ich wusste, wie die Zielgruppe denkt – also habe ich eine Chance bekommen.“    

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Große Visionen für die Zukunft

Später war Naim für die E-Sport-Agentur „Level99“ tätig und gründete die Agentur „STARK Esports“, mit der er mehr als 50 Vereine zum Thema digitales Entertainment beriet. Heute hat der „Großvater des E-Sports“, wie Naim häufig bezeichnet wird, in Nagold sein eigenes Consulting-Unternehmen – mit großen Visionen für die Zukunft: „Aus meiner Sicht gibt es kaum eine Industrie, in der man nichts mit dem Thema E-Sport machen kann. Das möchte ich den Firmen erfolgreich vermitteln.“ Mit Herz, Emotionen und Leidenschaft.

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