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ANZEIGE - Eigentlich müsste man meinen, dass die Autoindustrie nach dem Dieselskandal gewaltig Schaden genommen hat. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

Eigentlich müsste man meinen, dass die Autoindustrie nach dem Dieselskandal und der Rede um mögliche Fahrverbote gewaltig Schaden genommen hat. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Man kann sogar sagen, dass das Gegenteil der Fall ist. Der KFZ-Industrie geht es so gut wie nie zu vor. Doch was sind die Gründe dafür? Handelt es sich hier nur um einen kurzzeitigen Boom oder ist der Umbruch schon geschafft?

Auswirkungen des Dieselskandals und der bevorstehenden Fahrverbote

Der deutschen Autoindustrie hat der Dieselskandal mit Sicherheit keine Pluspunkte eingebracht. Wie es jedoch scheint, ist der Schaden der Hersteller, - abgesehen von den Strafen und Umrüstungen - nicht so groß wie man meinen würde. Den größeren Verlust haben augenscheinlich Händler und Privatpersonen, die Dieselfahrzeuge verkaufen wollen. Denn jene Autos haben einen nicht unerheblichen Wertverlust erlitten.

Doch es gibt auch Profiteure. In Osteuropa sind deutsche Fahrzeuge überaus beliebt, sodass ein Großteil der alten deutschen Dieselautos dorthin exportiert werden. Die Exportzahlen haben sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 18 Prozent erhöht und bis jetzt ist kein Ende der steigenden Exportzahlen in Sicht. Deutsche Gebrauchtwagen werden wegen ihrer Qualität und ihres sparsamen Spritverbrauches sehr geschätzt . Auf Grund von Neuwagenprämien werden oft zum Verschrotten abgegeben Fahrzeuge an ausländische Händler verkauft, welche diese dann nach Osteuropa transportieren. Ein etwas fragwürdiges neues Geschäftskonzept.

EU-weite Verkaufsrekordzahlen bei Neuwagen im Jahr 2017

Viele hatten befürchtet, dass der Aufruhr der letzten Zeit der deutschen Automobilindustrie Schaden würde. Doch dem war ganz und gar nicht so. Denn da viele alte Fahrzeuge aus den schon genannten Gründen abgegeben wurden, ist es eigentlich auch ziemlich naheliegend, dass wieder mehr Neuwagen verkauft werden müssen. In der gesamten EU wurden 3,4 Prozent mehr Neuwagen zugelassen. Doch wer meint, dass nur die ausländischen Modelle zulegen konnten, der liegt falsch. Die Kunden sind aus verschiedensten Gründen nicht umgestiegen, sodass deutsche Automobilhersteller Rekordverkaufszahlen erzielen konnten. Bei VW und den Tochterkonzernen gab es zwar in Deutschland bei der Neuwagenanmeldung geringe Einbußen, bei den Exporten jedoch nicht. Ein perfektes Beispiel dafür ist Polen.

Einer der größten Gewinner überhaupt war der Konkurrent Daimler, der so viele Autos absetzen konnte wie noch niemals zuvor. Die Hauptmarke Mercedes Benz konnte sage und schreibe 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen und den Umsatz somit um etwa 7 Prozent erhöhen. Der Gewinn von etwa 10,9 Milliarden Euro bedeutet sogar eine Steigerung von 24 Prozent. Auch BMW konnte seine Verkaufszahlen erhöhen. Selbst der Volkswagenkonzern teilte Anfang dieses Jahres mit, dass im Januar die Auslieferungen um mehr als 10 Prozent gesteigert werden konnten und sich dieser Trend fortsetzt

Wie konnte das Geschäft so angekurbelt werden?

Durch verschiedenste Prämien wurden die Verkäufe gezielt gesteigert. Denn nicht nur der Staat vergibt Subventionen beim Kauf von Elektroautos, auch die Hersteller selbst. BMW bezeichnet diese Förderung als „Umweltprämie“ und bezahlt Kunden bis zu 2000 Euro beim Kauf eines Neuwagens. Legt der Kunde sich also einen BMW i3 mit Elektromotor zu, dann erspart er sich mit der staatlichen Beihilfe insgesamt 6000 Euro.

Diese und auch Subventionen anderer Hersteller, haben mitunter dazu beigetragen, dass die Autoindustrie mit der Produktion nicht mehr hinterherkommt. Fahrzeuge wie z. B. der neue E–Golf sind schon für das komplette Jahr ausverkauft Bei den SUVs - dem Seat Ateca oder dem Q2 - kann die Wartezeit sogar länger als ein Jahr betragen.

Wer profitiert neben den Autoherstellern noch von diesem Trend?

Neben den Herstellern und den Händlern, konnte auch die Zulieferbranche höhere Umsätze einfahren. Denn die eigentlichen Autobauer sind viel mehr die Zulieferfirmen, als die Hersteller. Oft werden mehr als 70 Prozent eines KFZs gar nicht mehr im Werk hergestellt. Dieser Anteil wird geliefert und nur noch eingebaut. Seien es bekannte Kfz-Großzulieferer für Radschrauben wie ZF Friedrichshafen, die Elektronik von Bosch oder die Leder- und Textilbezüge von Bayer. Nicht selten stammen nur noch Karosserie und der Motor vom Fahrzeugbauer selbst.

Die Prognosen für die Zukunft

Zwar boomt die deutsche Autoindustrie wie wohl nie zuvor, doch es ist trotzdem Vorsicht geboten. Denn die Konkurrenz aus China und Silicon Valley drängt sich mitunter ziemlich aggressiv in den weltweiten Markt, vor allem im Bereich der Digitalisierung und der technischen Innovationen. Hier gilt es aufzupassen - sowohl für die Autohersteller, als auch für die Zulieferer - nicht komplett überholt und abgedrängt zu werden. Denn eines sollte jedem klar sein: Der Elektromotor wird den herkömmlichen Verbrennungsmotor mit Sicherheit über kurz oder lang ablösen. Ein weiterer Punkt ist auch die Mobilität im Generellen. Denn es geht hier nicht nur um die Autos selber, sondern auch um neue Verkehrskonzepte, wie sie schon in Pilotprojekten in einigen Städten der USA ausprobiert werden. Ein Beispiel dafür sind Taxis ohne Fahrer, die Personen an den gewünschten Ort bringen. Ein Carsharing -System, welches die Personen von A nach B befördern kann und dadurch den Verkehr durch weniger eigene Autos verringert.

Doch Innovationen auf diesem Gebiet sind nicht nur von den Herstellern alleine abhängig. Es müssen auch Bund und Länder eng mit der Industrie zusammen arbeiten, um gemeinsam Lösungen für die kommenden Veränderungen vorzubereiten.

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