Kesselbrauer beim Einsatz: Frank Ennulat (vorne), Jens Eichelbaum und Dominik Haug (hinten v. li.) Foto: Matthias Ring - Matthias Ring

Deutschland ist bekannt für seine Bierkultur. Die kann man im Stuttgart sogar als Laie gut organisiert pflegen. Der Verein Kesselbrauer wünscht sich nun ein Clubhaus.

StuttgartSeit vor einigen Jahren die Craft-Beer-Welle aus Amerika nach Deutschland schwappte, reden auch in Stuttgart alle über handwerklich gemachtes Bier: in Kneipen, beim Craft-Beer-Festival (das vierte seiner Art fand im April dieses Jahres in den Wagenhallen statt), im Kraftbier0711-Blog – und organisiert im Verein! Seit 2016 gibt es Kesselbrauer Stuttgart e. V. mit inzwischen 47 Mitgliedern.

Die Mitglieder sind bunt gemischt im Alter von 23 bis 60 Jahren, vier Frauen sind darunter und mit Suzane Rota als Vereinssprecherin sogar auch eine Diplom-Biersommelière. Auch der Vorsitzende Alexander Lebèus arbeitet auf das Diplom hin. Deswegen müsse er derzeit viel probieren und studieren, „die Zunge trainieren“. Lebèus, im Brotberuf Interieurdesigner in einem Küchenstudio, sagt, wichtiger als die Größe und Ausstattung der Anlage sei für einen Kesselbrauer ohnehin die Sensorik: „Wie schmeckt’s denn eigentlich?“

Bier aus dem Bad

Als Vereinsmitglied müsse man nicht einmal selbst brauen – fast alle tun es aber. Er selbst bringt es mit seiner mobilen Anlage im Garten auf 600 Liter im Jahr. Suzane Rota, von Haus aus Chefassistentin in einem mittelständischen Unternehmen, braut daheim im Bad mit einer halb automatischen Zehn-Liter-Anlage, über die manche lachen würden.

Der Begriff Craft Beer ist in Deutschland nicht klar definiert. Eigentlich, so Lebèus, könnte man alles unterhalb von jährlich fünf Millionen Hektolitern aus Großbrauereien als Craft Beer bezeichnen. Für den Hausbedarf produziere man in einer Runde in der Regel 20 bis 30 Liter. Auf dem Markt verkaufen dürfe man das Ergebnis von sieben Stunden Arbeit nicht. Auch die drei Siegerbiere, die aus dem alljährlichen Vereinswettbewerb ins Craft-Beer-Festival einfließen, müssen für den Verkauf in einer gewerblichen Brauerei hergestellt werden.

Im Prinzip wird also für den Eigenbedarf produziert. Und für den Austausch. „Als Hobbybrauer hat man schnell einen großen Freundeskreis“, sogenannte Saufziegen, wie Lebèus sagt. Eines aber stellt er klar: „Wir sind kein Saufverein!“ Rota spricht scherzhaft von „betreutem Trinken“ und meint: „Frauen, die kein Bier mögen, haben vielleicht noch nicht das richtige probiert.“

Wunschstandort in Gerlingen

Das Vereinsleben der Kesselbrauer, die gut vernetzt sind mit Stuttgarter Institutionen wie der Cast-Brauerei und der Kraftpaule-Bar, spielt sich mal hier, mal dort ab: Sei es bei Seminaren zum Thema Fehlgeschmack oder richtiges Zapfen, beim offenen Hobbybrauer-Stammtisch oder anstehenden Ausflügen in die Nesselwanger Post und zur Brau-Beviale nach Nürnberg. Ein Vereinsheim gibt es noch nicht, aber das könnte sich demnächst ändern. Der Kesselbrauer Uli Sailer hat Anfang des Jahres in Gerlingen im ehemaligen Traditionsgasthaus Hirsch die Mitmachzentrale als Plattform für Bürgerprojekte ins Leben gerufen. Dort finden alle möglichen Arten von nachbarschaftlicher Hilfe, Workshops und Veranstaltungen statt wie jüngst auch das Braukulturfest der Kesselbrauer.

Nun schwebt den Machern vor, dort ein offenes Kommunalbrauhaus zu installieren, in dem nach Lebèus’ Vorstellungen „die Gerlinger ihr Bier brauen und mit nach Hause nehmen können“. Eine Küche gibt es in dem zuvor leer stehenden Gasthaus noch – und Platz für einen allmonatlichen Kesselbrauer-Stammtisch sowieso.

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