Wer einen Beleg will, aber nicht auf Papier, zückt das Handy. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Ärger bei Bäckern und Kunden: Alle Kassenbelege, auch solche über 80 Cent, müssen seit Januar gedruckt werden. Nun gibt es eine digitale Lösung, die im Kreis Esslingen getestet wird.

Kreis Esslingen Kunden wie Bäckern will es einfach nicht einleuchten: Auch ein Beleg über eine Brötchen-Rechnung von 80 Cent muss seit Jahresbeginn auf Willen des Gesetzgebers immer ausgegeben werden. Ob der Kunde das nun will, oder nicht. Seither ringeln sich in vielen Bäckereifilialen, auch im Kreis Esslingen, die Bons in Schlangen von der Kasse bis auf den Boden, sie bleiben auf der Theke liegen oder sammeln sich in Mülleimern dahinter. Denn: Das Gros der Kundschaft will keinen Papierbeleg. Brötchen-Käufer und -Verkäufer ärgern sich, wie eine EZ-Umfrage vor gut einem Monat zeigte.
Nicht so in der Schultheiß-Filiale im Gewerbegebiet Rechbergstraße in Denkendorf. Den meisten Kunden an diesem Donnerstagmorgen fällt es nicht einmal auf, dass sie nach dem Bezahlvorgang aus der Filiale spazieren, ohne dass die Fachverkäuferinnen ihnen zuvor das kleine Papier erwartungsvoll über die Theke entgegen gestreckt haben. Nur wer aufmerksam ist, merkt: Auf dem Kassendisplay zur Kundenseite hin erscheint neben dem Rechnungsbetrag ein sogenannter QR-Code (siehe Foto), den man mit der Smartphone-Kamera und entsprechenden Apps scannen kann. Hinterlegt ist ein Link, über den Frau und Mann zum gesetzlich vorgeschriebenen Bon gelangen, aber digital statt auf Papier. Wer will, kann ihn sich dann per E-Mail zuschicken lassen. Oder doch um einen Ausdruck bitten – das ist immer noch möglich.

Kosten halten sich die Waage

„Es tut schon weh, wenn man so viel Papier verbraucht, das sofort wieder im Müll landet“, erklärt Frank Schultheiß, der mit Cousin Christian Schultheiß die gleichnamige Stadtbäckerei mit Sitz in Ostfildern führt. Deswegen wurde in den elektronischen Kassen der mehr als 20 Filialen in der Region die neue QR-Bon-Lösung freigeschaltet, die der Kassenanbieter vor Kurzem auf den Markt gebracht hat. Seit etwa zehn Tagen werden bei Schultheiß’ die Belege digital statt gedruckt ausgegeben. „Die Kosten der vielen gedruckten Bons und die des neuen Systems werden sich in etwa die Waage halten“, schätzt Schultheiß. In größeren Filialen mit mehr Bon-Aufkommen sei die E-Variante mutmaßlich günstiger, in kleineren mit weniger Kundenfrequenz teurer. Denn die QR-Bon-Kosten haben eine fixe Größe, während die des Belegdrucks von der Anzahl der Kaufvorgänge abhängen. Die Umstellung scheint einfach zu sein: Lediglich die Aktivierung der Funktion in der Software durch den Kassenanbieter war nötig. Nun fallen Mietkosten an. Dafür, dass die E-Bons, die der Kunde online abrufen kann, auf einer Cloud gespeichert werden.

Kein Online-Konto nötig

Die Lösung sorgt für keine Verzögerungen im Laden, denn der Kunde muss sich nicht registrieren. Lediglich die E-Mail-Adresse kann er angeben, wenn er sich den Beleg zum Abspeichern zuschicken lassen will. Warum das Ganze erst Mitte Januar auf den Markt kam und nicht schon zu Jahresbeginn, als die Belegausgabepflicht griff? „Wir haben den Bedarf unterschätzt“, gibt Michael Ott von der Firma BBN Kassensystem mit Sitz in Kusterdingen zu – Schultheiß’ Kassenanbieter. Doch viele Kunden hätten angefragt und so sei man Mitte Dezember in die Entwicklung eingestiegen. Dafür, dass die Lösung rechtlich zulässig ist, gebe es unter anderem eine Bestätigung vom Bundesfinanzministerium. Und gibt es Datenschutzbedenken? „Der Serverstandort ist Deutschland und alle Verbindungen zum Cloud-Server sind verschlüsselt. Des Weiteren speichern wir nur die Bons maximal 30 Tage lang“, sagt Ott. Die E-Mail-Adressen der Kunden würden nicht gespeichert.
„Wir sind happy“, sagt Mary-Lou Kling, Verkaufsleiterin für zwölf Filialen bei Schultheiß, am Donnerstag im Denkendorfer Geschäft. Die Kunden seien „nicht happy“ über das Ausdrucken der Bons gewesen und hätten sie liegen lassen, obwohl man versucht habe, sie mitzugeben, um in der Filiale nicht zu viel Müll zu haben. Diese Einschätzungen spiegeln auch die Kunden wider: „Alles auszudrucken ist völliger Quatsch“, sagt eine Frau, die anonym bleiben will und die Neuregelung begrüßt. Sie würde sich den Beleg zwar nie aufs Handy holen. „Aber wenn ich mal einen brauche, kann ich ja immer noch um einen Ausdruck bitten.“ Es komme drauf an, wo sie einkaufe, sagt dagegen die 26 Jahre alte Stephanie Westphal: „Bei großen Beträgen könnte ich mir schon vorstellen, den Beleg aufs Handy zu schicken.“ Die neue Lösung sei besser, findet auch Jürgen Thienwiebel (52). „Alles andere ist Blödsinn.“

Andere drucken noch

Auch andere Kassenanbieter setzen auf den QR-Bon, aber nicht alle – weshalb aktuell noch einige Bäcker Belege ausdrucken. „Es wäre eine gute Option, des Mülls Herr zu werden“, hofft Sidonie Conzelmann von der gleichnamigen Esslinger Bäckerei auf eine digitale Lösung für ihren Betrieb. Sie sei dabei, sich zu informieren. Die Cnossens in Esslingen fürchten dagegen, dass so etwas für eine Bäckerei mit nur einer Filiale noch teurer käme als der Ausdruck, den Edith Cnossen und ihre Kunden aber weiter für „völligen Quatsch“ halten. Die Firma Zoller (Esslingen) ist noch unschlüssig, weil die QR-Bon-Angebote erst vor Kurzem gekommen seien und man noch alles gegenrechnen müsse, wie Jörg Zoller erklärt. „Mir würde es gefallen“, sagt er, es sei die bessere Lösung im Sinne des Umweltschutzes. Martin Schill vom gleichnamigen Betrieb mit Sitz in Denkendorf erklärt, er bastle derzeit an einer eigenen digitalen Lösung. In seinen Filialen werden Bons allerdings ohnehin nicht ausgedruckt, weil ein rechtliches Verfahren läuft: Schill hatte eine Ausnahmegenehmigung von der Bonpflicht, die wieder zurückgenommen wurde, wogegen er vorgeht. „Ich hoffe noch, dass die Bonpflicht bis Sommer abgeschafft wird“, sagt er.

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