Das Gemeinwesenhaus bei der Burgschule mit Leben zu erfüllen, ist die Herausforderung für den neuen Gemeinderat. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Die junge Generation möchte in Köngen verstärkt in die Verantwortung. Das schlägt sich in den Kandidatenlisten für die Gemeinderatswahl nieder.

KöngenLärmschutz und der Kampf um den Einkaufsstandort sind die prägenden Themen in der 9600 Einwohner zählenden Gemeinde Köngen. In den Wahlprogrammen der CDU, der Freien Wähler, der SPD und der Grünen stehen diese Probleme im Vordergrund. Nachdem Sozialdemokraten und Grüne bei der Kommunalwahl 2014 mit einer gemeinsamen Liste angetreten waren, soll es im neuen Gemeinderat wieder vier Fraktionen geben. Das Interesse an der Kommunalpolitik wächst offenbar wieder.

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Beim Blick auf die Kandidatenlisten fällt auf, dass lediglich Karin Roos-Erbs nicht mehr antritt. Die Kommunalpolitikerin der SPD/Grünen war 2016 für Sissy Spohn in die gemeinsame Fraktion von SPD und Grünen nachgerückt. Die anderen erfahrenen Kommunalpolitiker stellen sich wieder zur Wahl. Derzeit sind die Freien Wähler stärkste Fraktion im Gemeinderat, gefolgt von CDU und SPD/Grünen. Mehr Frauen und jüngere Kandidatinnen und Kandidaten haben die Fraktionen gewinnen können. Derzeit ist die 31-jährige Carola Fingerle die jüngste Gemeinderätin. Das könnte sich aber ändern. „Wir haben eine Liste, die von der Altersstruktur sehr gut durchmischt ist“, sagt Günther Hoffelner, Fraktionschef der Freien Wähler. Bei der CDU steht die 28-jährige Florence Bauder auf dem aussichtsreichen Listenplatz 2. Bürgermeister Otto Ruppaner tritt auf der Liste der Freien Wähler bei der Kreistagswahl an. Sein Vorgänger, Alt-Bürgermeister Hans Weil, ist dagegen nicht mehr dabei.

Wichtigstes Thema in der Kommune, die im Neckartal viel Gewerbe und das große Einkaufszentrum Kö8 hat, ist derzeit der Bau des Gemeinwesenhauses bei der Burgschule. Für das Vorzeigeprojekt haben sich alle Fraktionen stark gemacht. Dort finden neben der Schulmensa auch das Jugendhaus und die Vereine ein Domizil. Bürgermeister Otto Ruppaner verspricht sich davon Synergien für die pädagogische Arbeit und das Ehrenamt. So möchte er auch den Schulstandort stärken, der durch die erfolgreiche Gemeinschaftsschule Auftrieb erfahren hat. Was die digitale Ausstattung der Schule angeht, hat Köngen viel Geld in die Hand genommen. Jeder Schüler bekommt von der Schule ein Tablet für den Unterricht gestellt. Das ist in Baden-Württemberg vorbildlich.

In unmittelbarer Nähe der Burgschule plant die Kommune zurzeit das Neubaugebiet Burgweg West III, wo 116 Wohneinheiten entstehen sollen. Weiter geht auch die Sanierung des Ortskerns IV in Köngen. Weil das Jugendhaus Trafo umzieht, wird das Gebiet um den Festplatz und um die Lindenturnhalle neu geplant. Das soll nach dem Willen aller Fraktionen mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung geschehen, die bereits im Herbst 2018 begonnen hat.

Für sozialen Wohnungsbau in den neuen Gebieten machen sich alle Fraktionen stark. Insbesondere die SPD hat sich das auf die Fahnen geschrieben. Die CDU möchte die vielen Grünflächen rund um Köngen erhalten. Daher sieht ihre Wohnungsbaupolitik vor, zunächst Baulücken im Ort zu schließen.

Eine große Herausforderung für die nächste Amtsperiode des Köngener Gemeinderats ist der Lärmschutz entlang der Autobahn 8. Da die Bahn parallel die Neubaustrecke von Stuttgart nach Ulm baut, liegt das Vorhaben der Gemeinde, einen eigenen Lärmschutz zu errichten, bis auf weiteres auf Eis. Ein lärmmindernder Belag, den das Regierungspräsidium auf der A 8 noch im Herbst 2019 aufbringen wird, soll in den autobahnnahen Wohngebieten Abhilfe bringen. Dafür machte sich Steffen Bilger, Staatssekretär der CDU im Bundesverkehrsministerium, gemeinsam mit der örtlichen CDU stark. Ungeachtet dessen kämpfen alle Ratsfraktionen für einen effektiven Lärmschutz. Doch der Spielraum der Gemeinde ist in dieser Frage begrenzt. Erst müssen die überregionalen Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht werden.

Nach dem Aus für den Discounter Treff 3000 am Stöffler-Platz kämpfen die Ratsfraktionen dafür, dass ein gesunder Einzelhandel im Ort erhalten bleibt. Die Freien Wähler haben mehr als 2300 Unterschriften gesammelt, die sie an Edeka in Offenburg übergaben. Im Vorfeld der Kommunalwahl haben sie viele Bürgerinnen und Bürger mobilisiert. Gerade für ältere Menschen sei es wichtig, dass sie weiterhin im Ort einkaufen können. Alle Fraktionen setzen sich dafür ein, den Handel im Ort zu stärken. Bürgermeister Ruppaner verhandelt mit möglichen Interessenten für das Gebäude am Stöffler-Platz. Den Kandidatinnen und Kandidaten der CDU schweben auch neue Handelskonzepte für die Ortsmitte vor. Eine Markthalle oder ein Unverpackt-Laden könnten da aus ihrer Sicht Probleme lösen. Der SPD schwebt vor, neben den Geschäften die Aufenthaltsqualität im Zentrum weiter zu stärken, zum Beispiel durch freies WLAN. Den fairen Handel möchten die Grünen weiter stärken.

Quer durch alle Fraktionen ist auch die umweltfreundliche Mobilität ein großes Thema. Die Freien Wähler haben dazu ein umfassendes Konzept erarbeitet, das von der Prüfung von Elektro-Ladesäulen im Ort über ein Dienst-Pedelec für die Verwaltung ein breites Spektrum abdeckt. Den Grünen liegt die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in Köngen sehr am Herzen. Der sollte aus ihrer Sicht in der verkehrsgünstig an der Autobahn und an der Bundesstraße gelegenen Gemeinde noch deutlich besser werden.

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