Im Kampf gegen den Klimawandel wird ein Wald neu angelegt. Gepflanzt werden Baumarten, die mit langer Trockenheit besser leben können, als die dort bisher dominierende Fichte. Foto: Guido Kirchner/dpa

Die EU höhlt im Kampf gegen den Klimawandel die eigenen Gesetze aus. Europa sollte aber mit gutem Beispiel vorangehen, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.

Der Herbst steht ins Haus. Die Jahreszeit wird in den Alpen wieder Stürme und Regenfälle bringen, die wegen der Folgen des Klimawandels noch stärker ausfallen werden als in den vergangenen Jahren. Gestritten wird dann wieder, wie sich die Regionen besser auf solche Extremwetterlagen vorbereiten können. Im Mittelpunkt steht dabei zu oft die Bekämpfung der Symptome, stärker thematisiert werden sollten aber die Ursachen. Diskutiert werden muss der richtige Weg im Kampf gegen den Klimawandel, um solche Wetterkapriolen künftig abzumildern. Die Diskussionen darüber sind jedoch mühsam, denn zum einen gibt es keine einfachen Lösungen, zum anderen zeigen sich die Erfolge frühestens erst in einigen Jahrzehnten.

Europa sieht sich vielen Problemen ausgesetzt

Die Neigung, sich konstruktiv solchen mühsamen Auseinandersetzungen zu stellen, nimmt in der Politik und auch der Gesellschaft allerdings rapide ab. Die Nachwehen der Coronapandemie, der Überfall Russlands auf die Ukraine und der andauernde Handelsstreit mit den USA belasten Europa schwer. Verblüffend aber ist, wie schnell die Regelungen zum Schutz der Umwelt in den vergangenen Monaten aufgeweicht wurden. Die Vorgaben für die Landwirtschaft und die Autobauer sind bereits gelockert worden. Nun werden selbst die zentralen Klimaziele 2040 in Frage gestellt.

Manchmal über das Ziel hinausgeschossen

Zugegeben, in manchen Bereichen ist die EU mit ihrer Umweltgesetzgebung über das Ziel hinausgeschossen und das sollte korrigiert werden. Das ändert aber nichts am grundsätzlich richtigen Pfad in Richtung eines klimaneutralen Kontinents. Gerade Europas innovative Industriezweige müssen die Chance erkennen. Statt zu bremsen, müssen sie eine Vorreiterrolle einnehmen, denn es führt kein Weg am Klimaschutz vorbei.