Corona-Zeiten: Stark reduziertes Sitzplatzangebot in einem Kinosaal. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Foto: dpa

Schon jetzt bleiben im Kino und Theater viele Plätze frei. Nun sollen Kultureinrichtungen vorübergehend wieder ganz schließen, um die Corona-Infektionszahlen in den Griff zu bekommen.

Berlin - Mehrere Kulturverbände haben die geplanten Schließungen von Kinos, Theatern oder Opern in Deutschland kritisiert.

Bund und Länder haben sich angesichts steigender Corona-Infektionszahlen darauf verständigt, Freizeiteinrichtungen im November weitgehend zu schließen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus den Beratungen am Mittwoch.

"Wir haben überhaupt kein Verständnis mehr für das ständige Auf und Ab der ergriffenen Maßnahmen", teilte der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) mit. Seit Monaten arbeiteten die Kinos mit detaillierten Sicherheitskonzepten, großen Räumen, modernen Belüftungsanlagen und einer geringeren Auslastung.

Kinos übernähmen eine große Verantwortung für ihre Besucher, dennoch nütze ihnen das nichts. "Wir sind fassungslos", teilte HDF-Vorstand Christine Berg mit. Auch der Programmkinoverband sprach von einer "schmerzlichen" Entscheidung. "Was uns traurig macht: Dass man sich nicht durchgerungen hat, bei der Kultur eine differenzierte Sichtweise zu finden", sagte Christian Bräuer von der AG Kino.

Bereits im Frühjahr waren Kultureinrichtungen wochenlang geschlossen. Mehrere Verbände halten es für unverhältnismäßig, dass ihre Häuser trotz Hygienekonzepten nun wieder dichtmachen sollen. Es gebe bisher "keine gemeldeten Fälle von Museen als Infektions-Hotspots", hatte etwa der Deutsche Museumsbund vor den Beratungen mitgeteilt.

Ähnlich argumentieren die Kinoverbände, die Deutsche Orchestervereinigung, der Deutsche Bühnenverein und die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO). Seit Monaten hätten Betreiber dafür gearbeitet, ein sicheres Kinoerlebnis zu ermöglichen, hatte SPIO-Präsident Thomas Negele mitgeteilt. "Die eingeführten Regeln wurden strikt umgesetzt - bis hin zu Hausverboten."

Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Länderchefs beriet, gingen in Berlin Vertreter der Veranstaltungsbranche auf die Straße. Tausende Menschen demonstrierten für umfassendere staatliche Hilfen. In einem offenen Brief meldeten sich auch Carolin Kebekus, Luke Mockridge, die Band Die Ärzte, Peter Maffay und andere Comedy- und Musikstars zu Wort. Auch sie forderten ein Hilfsprogramm.

Ihre Forderung beziehe sich "ganz explizit nicht auf uns wenige Topverdiener der Branche, sondern auf die vielen finanziell angeschlagenen privatwirtschaftlichen Kulturstätten, denen die Schließung droht oder die bereits schließen mussten", schreiben "die freischaffenden Humorist*innen und Musiker*innen". Ihr Brief richtet sich unter anderem an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Kaum eine Branche habe seit Beginn der Pandemie härter an Hygienekonzepten gearbeitet als der Kultursektor, schreiben die Künstler. Auch Jazzmusiker Till Brönner bat die Politik in einem Videostatement um Hilfe für die Branche. Der Deutsche Kulturrat - der Spitzenverband der Bundeskulturverbände - forderte ebenfalls finanzielle Kompensationen für Künstler.

Weltweit brechen Künstlern in der Corona-Krise derzeit nicht nur die Einnahmen aus Auftritten, sondern auch aus Tantiemen weg. Für das laufende Jahr sei von einem Einbruch um 20 bis 35 Prozent auszugehen, teilte der internationale Dachverband der Verwertungsgesellschaften CISAC mit. Das entspricht dem Wegfall von 2 bis 3,5 Milliarden Euro. "Millionen von Urhebern verlieren gerade ihre Lebensgrundlage", beklagt Ex-Abba-Star und CISAC-Präsident Björn Ulvaeus.

© dpa-infocom, dpa:201028-99-114451/4

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: