Kabarettist Christoph Sonntag bittet zu seiner 14. Fastenpredigt nach Fellbach. Der SWR zeichnet auf. Foto: Lichtgut

Zwei Wochen vor der Wahl versammelt Christoph Sonntag die Spitzen der Landespolitik bei seiner Fastenpredigt. Im Interview sagt der Kabarettist, wer bei ihm besonders schwitzen muss.

In der Alten Kelter in Fellbach wird an diesem Samstag die SWR-Sendung „Das Jüngste Geri(ü)cht“ aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird die Fastenpredigt des Kabarettisten Christoph Sonntag samt Theaterstück am Montag. 23. Februar, 20.15 Uhr im SWR-Fernsehen. Die Handlung spielt in Winfried Kretschmanns Wohnzimmer, der zur Vorbereitung seiner großen Abschiedsparty die Eventmanager Doris Reichenauer und Thomas Schreckenberger engagiert hat.

Herr Sonntag, am Samstag bereiten Sie in der Alten Kelter in Fellbach die Abschiedsparty für den Ministerpräsidenten vor. Wem fällt der Abschied schwerer: Herrn Kretschmann – oder Ihnen?

Ich würde mal sagen, wir gehen beide sehr erwachsen und vernünftig damit um.

Sie waren mit Herrn Kretschmann oft erstaunlich gnädig. Hat er kein gutes Comedy-Material geliefert – oder wollten Sie sich dem Vorwurf der Altersdiskriminierung nicht aussetzen?

Diese Frage kommt immer wieder und wundert mich seit langem; wenn ich die Fastenpredigten der letzten 15 Jahre anschaue, so hat er schon immer wieder sein Fett abgekriegt. Allerdings ist Kretschmann im Gegensatz zu vielen anderen definitiv wahrhaftig, kaum eitel und nicht korrumpierbar. Das macht die Themenauswahl um ihn abzuwatschen systemimmanent schmaler.

Steht Manuel Hagel unter Welpenschutz?

Sagen wir mal so, er hat noch nicht so viel geliefert, dass man ihn außerhalb seiner offensichtlichen Jugend packen könnte. Nächstes Jahr ist er entweder Ministerpräsident oder Minister, dann wird sich das ändern.

Prominente VIP-Liste: Hilft die Fastenpredigt bei der Wahlentscheidung?

Zwei Wochen vor der Landtagswahl ist Ihre VIP-Liste so prominent wie selten zuvor. Ist ihre Fastenpredigt wahlentscheidend?

Ja.

Sie wissen schon, dass wir Journalisten eine Antwort nur mit einem Wort nicht mögen.

Nein.

Ach, das wussten Sie nicht Seit Özdemir hat der Begriff Hochzeitsnacht eine neue Bedeutung. Er hat zur Geisterstunde geheiratet. Was glauben Sie, macht Manuel Hagel um Mitternacht? Wahlprogramme lesen oder Netflix gucken?

Hagel zieht seine Hut vor diesem gelungenen Manöver: Özdemir signalisiert, dass er seine Hochzeit als Privatsache versteht und sie nicht medial ausschlachten will. Genau das aber übernimmt nun die Presse – intensiver, als es jeder Wahlkampfstratege je hätte planen können!

Er hat so privat gefeiert, dass er Zitate und Hochzeitsfotos an alle Medien verschicken ließ.

Okay, dann wird ihm halt wichtig sein, dass es so niemals in der Zeitung steht. Ooopps....

Ja, ooops. Er hat die Hochzeitfotos sogar noch bei Facebook posten lassen, damit alle es mitbekommen. Welcher Politiker muss sich für den Besuch bei Ihnen besonders warm anziehen? Trifft es mal wieder den Rülke härter als den Stoch?

Ich glaube, warm anziehen ist für alle Ende Februar eine gute Empfehlung.

Was mir auf Ihrer VIP-Liste gefällt: Bei den Grünen steht der Tübinger OB Boris Palmer. Kommt er als politischer Einzelkämpfer – oder übt er für einen möglichen Kabinettsposten?

Unglücklicherweise werde ich nicht zu allen Geheimgesprächen der politischen Parteien als Berater dazu gezogen. Man weiß aber, dass Cem Özdemir das zupackende Wesen von Boris Palmer sehr schätzt. Die Spekulation, dass unter einem MP CÖ der BP ein Ministeramt belegt, ist also durchaus berechtigt. Solange Boris Palmer bereit ist, seinen Lieblingsjob in Tübingen aufzugeben.

Polit-Spitze strömt trotz Spott in die Alte Kelter

Sind Politikerinnen und Politiker Masochisten? Oder warum strömen sie Jahr für Jahr in die Alte Kelter, wenn Bruder Christopherus sie sich vorknöpft?

Ich denke, sie zerfallen in zwei Gruppen; die einen sind Masochisten, die anderen sind einfach zu eitel, um sich das Spektakel entgehen zu lassen. Insgesamt freut sich jeder, wenn grad der andere dran ist.

So sieht der Kabarettist als Fastenprediger Bruder Christopherus aus. Foto: SWR

Wenn Sie selbst einmal in die Politik wechseln dürften: Welches Amt würde Sie reizen? MP, Oppositionsführer oder doch eher Hofnarr?

Naja, wem es nicht zum Kabarettisten reicht, der wird Lehrer oder Politiker. Von daher ist der andere Weg ausgeschlossen.

Die AfD steht nicht auf Ihrer Einladungsliste. Ist das künstlerische Freiheit, politisches Statement – oder schlicht eine Frage des Humorniveaus?

Natürlich ist es der größte Wunsch der AfD, endlich zum jüngsten Gerü(i)cht eingeladen zu werden. Streng genommen hat sie sich deshalb überhaupt gegründet. Vorher muss sie sich aber noch zu 100 Prozent zur Demokratie bekennen und sie muss auch noch lernen, über sich selbst lachen zu können. Das ist noch ein weiter Weg!

Wird es am Samstag eher ein politisches Requiem, eine Wahlkampf-Arena oder doch einfach ein Hochamt des Humors?

Genau in dieser Reihenfolge.

Und zum Schluss die wichtigste Frage: Wer gewinnt die Wahl?

Manuel Hagel und Cem Özdemir. Es geht ja eigentlich nur noch um eines: Spannend ist, wer unter wem Minister wird.