Madame Claire (Catherine Deneuve) Foto: Neue Visionen - Neue Visionen

Das Leben hinterlässt viele Erinnerungen – materielle und ideelle. Wie eine alte Dame umgeht, zeigt Julie Bertuccelli in ihrer neuen Kino-Dramödie „Der Flohmarkt von Madame Claire“.

EsslingenCatherine Deneuve gehört zu den Grandes Dames französischer Filmkunst, doch zuletzt war es etwas ruhiger um sie geworden. Umso schöner, wenn man sie mal wieder in einem neuen Streifen erleben kann. In Julie Bertuccellis neuer Dramödie „Der Flohmarkt von Madame Claire“ schlüpft sie in die Rolle einer ebenso betagten wie distinguierten Dame, die sich auf ihren Tod vorbereitet.

Madame Claire ist eine gut situierte, allein in einem üppigen Landhaus residierende Dame. In einer der ersten Szenen wird sie gefragt, ob es ihr gut gehe, worauf die Dame mit den schneeweißen Haaren entwaffnend direkt erwidert: „Nein – aber nett, dass Sie fragen.“ Madame Claire hat genug vom Leben, und sie ist überzeugt, dass dies ihr letzter Tag sei. Warum sich also nicht trennen von den mit so vielen Erinnerungen aufgeladenen Gegenständen, die ihr Haus bis an den Rand füllen: von dem alten Schreibtisch, von den Sitzmöbeln, von all den wunderbaren Figuren, den skurrilen Puppen, dem entzückenden Spielzeug? Flugs ist ein Trödelmarkt organisiert, schnell scheint das ganze Dorf auf den Beinen, um eine von Claires Preziosen zu ergattern, die sie zu Spottpreisen verkauft. Nicht nur die Antiquitätenhändlerin des Ortes macht sich Sorgen um Claires Geistesverfassung. Auch Tochter Marie (Chiara Mastroianni, die leibliche Tochter von Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni), die eigens angereist kommt, ist sich nicht sicher, was es auf sich hat mit Mamas Großreinemachen. Lange hatten Mutter und Tochter offenbar überhaupt keinen Kontakt mehr.

Auch wenn der Film durchaus französische Leichtigkeit atmet und vieles mit einem Augenzwinkern inszeniert ist, ist die Geschichte doch um einiges ernster als es der sommerleichte deutsche Verleihtitel suggeriert. Der Originaltitel „La dernière folie de Claire Darling“, der von der „letzten Torheit“ der Madame kündet, mutet passender an. Die Lebensbitterkeit, die sowohl Claire als auch Tochter Marie in ihrem Gesicht tragen, kündet von all den Verletzungen, all den auf dieser Familie lastenden Traumata. Es dauert eine Weile, bis wir erfahren, dass Claire vor vielen Jahren innerhalb kürzester Zeit ihren Sohn und ihren Mann verloren hat. Das Verhältnis zur Tochter, die sich mitschuldig fühlt am Tod des Bruders, war fortan zerrüttet. Die Zeitebenen fließen ineinander wie Wasserfarben auf weißem Papier. Regisseurin Bertuccelli zeigt hier mehr als einmal, was sie kann. Catherine Deneuve dominiert mit ihrem wunderbar lässigen und doch tiefsinnigen Spiel das Geschehen. Neben ihrem Spiel, das sie mit viel Süffisanz und einiger Selbstironie unterlegt, ist es vor allem die famose Ausstattung, die am „Flohmarkt“ fasziniert. Fast führen die rätselhaften Figuren und Puppen, mit denen sich Claire Darling umgibt, ein Eigenleben – man erlebt sie beinahe als Film-Protagonisten.

Catherine Deneuve gibt in Julie Bertuccellis neuer Dramödie „Der Flohmarkt von Madame Claire“ eine alte Dame, die glaubt, dass ihr letztes Stündlein geschlagen habe. Prompt will sie sich von all ihrem irdischen Besitz trennen. Die Geschichte einer traumatisierten Familie, in der eigentlich noch mehr Potenzial stecken würde, muss wegen Catherine Deneuves Dominanz etwas hintanstehen.

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